Für viele ist es ein Thema, an das sie erst gar nicht denken wollen, und erst recht nicht in jungen Jahren. Doch ernste Erkrankungen oder schwere Unfälle können jede Altersgruppe treffen, weshalb das eigene Ableben nicht einfach ignoriert werden sollte. Doch was ist Beratern bei Kundenfragen zum Erbrecht eigentlich erlaubt, und an welcher Stelle betreiben sie schon unerlaubte Rechtsberatung?

Achtung vor Ärger
Wer etwa Veranlagungen, Lebens- oder Unfallversicherungen vermittelt, kann schnell auch mit Fragen zu den Folgen eines Ablebens konfrontiert werden. Produktspezifische Fragen wie Versicherungsfälle bei Er- oder Ablebensversicherungen oder Bezugsrechte könne der gewerbliche Vermögensberater auch behandeln, erklärt Thomas Moth, WKO-Fachverbandsgeschäftsführer der Branche Finanzdienstleister, und fährt fort: "Eine Beratung zu den Testamenten beziehungsweise Erbverträgen ist rechtlich nicht zulässig." So darf ein Berater etwa nicht die Vor- oder Nachteile verschiedener Dokumente wie Testamente oder Erbverträge erklären oder gar welche aufsetzen.

Was tun mit dem Depot?
Doch was können eigentlich Anleger, die Fondsanteile oder andere Wertpapiere besitzen, tun, damit ihr Depot im Fall ihres Ablebens nicht unbetreut bleibt? "Wichtig ist hier eine Vorsorgevollmacht, die über den Tod hinaus gilt", weiß der öffentliche Notar Christoph Pfaffenberger von nhp Notare. Die Vorsorgevollmacht sollte freilich von einem Notar oder Rechtsanwalt aufgesetzt werden und befähigt eine Person, im Ernstfall – etwa auch bei einem Koma – bestimmte Angelegenheiten zu erledigen. Meist fungieren Familienangehörige oder andere nahestehende Menschen als Vorsorgebevollmächtigte. Theoretisch könnte unser Depotbesitzer aber für jede volljährige Person – und damit auch für den Berater seines Vertrauens – eine Vorsorgevollmacht für sein Wertpapierdepot aufsetzen lassen. "Das könnte allerdings auch einiges an Konfliktpotenzial mit den Erben bergen", gibt Pfaffenberger zu bedenken.

Dank der Vorsorgevollmacht bliebe unser Beispieldepot jedenfalls nach dem Ableben des Anlegers nicht unbetreut, und der Vorsorgebevollmächtigte hätte etwa bei Marktturbulenzen die Möglichkeit, zu agieren. Denn Erben ohne Vorsorgevollmacht haben vorerst keine Möglichkeit, auf das Depot zuzugreifen. (cf)


Den kompletten Bericht "Gefährliche Beratung" finden Sie in der aktuellen Heftausgabe 2/2021 von FONDS professionell ab Seite 204 oder hier im E-Magazin.