Thomas Peterffy, milliardenschwerer Gründer von Interactive Brokers, hat sich für einen radikalen Umgang mit Insiderhandel ausgesprochen. Anstatt ihn zu bekämpfen, solle man ihn zulassen – zum Nutzen der Gesellschaft. Investoren seien seit jeher mit solchen Praktiken konfrontiert, sagte Peterffy. Versuche, Insiderhandel zu verhindern, seien nicht nur aussichtslos, vielmehr würden Vermögenswerte schneller den richtigen Preis erreichen, wenn entsprechende Informationen genutzt würden.

"Ich bin dafür, keine Regeln gegen Insiderhandel zu haben. Ich möchte, dass alle Informationen verfügbar sind, sobald es möglich ist", sagte er im "Bloomberg"-Podcast "Odd Lots". Das gelte für alle Märkte, nicht nur für Prognosemärkte. "Denn als Gesellschaft sind wir besser gestellt, wenn wir alles Wissbare so früh wie möglich wissen."

Aussagen treffen auf verschärfte Regulierung
Seine Aussagen fallen in eine Phase verstärkter Bemühungen von Gesetzgebern und Aufsichtsbehörden, gegen Insiderhandel vorzugehen. Hintergrund sind mehrere profitable und auffällig getimte Wetten auf Prognoseplattformen wie Polymarket.

In dieser Woche sorgten neue Wetten auf einen Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran für Fragen, ob dabei privilegierte Informationen genutzt wurden. Die US-Aufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission hat zuletzt angekündigt, ihre Befugnisse einzusetzen, um problematische Praktiken in Prognosemärkten zu untersuchen.

Eigenes Interesse
Peterffys Position wiegt auch deshalb schwer, weil sein Unternehmen mit "ForecastEx" eine eigene Plattform für Ereigniswetten betreibt, auf der Kunden auf Wahlen, Wetter oder wirtschaftliche Entwicklungen setzen können.

Befürworter solcher Märkte hatten in der Vergangenheit argumentiert, sie könnten helfen, Insiderinformationen sichtbar zu machen. Mit zunehmender Regulierung ist die Bereitschaft, diese Sicht offen zu vertreten, jedoch gesunken. Plattformen wie Polymarket und Kalshi haben inzwischen Maßnahmen gegen illegale Handelsaktivitäten angekündigt.

Informationen "sickern immer durch"
Zur Veranschaulichung verwies Peterffy auf mögliche Übernahmeankündigungen. "Die Sekretärinnen, die Anwälte, alle wissen davon. Sie gehen nach Hause und erzählen es ihren Frauen oder ihren Männern. Am Ende sickert es immer durch", sagte er. "Warum schaffen wir das nicht einfach ab und lassen die Informationen so schnell wie möglich öffentlich werden?"

"Schützen Sie sie selbst"
Sein Argument lautet, dass Insider ohnehin bereits Vorteile aus nicht öffentlichen Informationen ziehen. Würden Nachrichten schneller publik, hätten "Haie" weniger Gelegenheit, daraus Profit zu schlagen.

Wer Informationen schützen wolle, müsse dies selbst tun. "Verlassen Sie sich nicht auf nationale Gesetze, um sich zu schützen", sagte er. "Schützen Sie sie selbst."

Eigene Verlusterfahrung prägend
Peterffy räumte zugleich ein, selbst Opfer möglichen Insiderhandels geworden zu sein. Ende der 1970er Jahre verkaufte er als Optionshändler aus dem Geld liegende Kaufoptionen auf den US-Chemiekonzern Dupont und glaubte, damit in wenigen Minuten einen Monatsgewinn erzielt zu haben. Kurz darauf stellte sich heraus, dass das Unternehmen ein starkes Quartal verzeichnet hatte und die Aktie deutlich höher eröffnete.

"Ich war wirklich traumatisiert. Ich habe 90.000 Dollar verloren – und es war schrecklich", sagte er. "Aber ich sage Ihnen trotzdem: Das Beste, was wir bei Insiderinformationen tun können, ist, die Nachrichten so schnell wie möglich zu veröffentlichen und die Verfolgung von Menschen zu beenden." (mb/Bloomberg)