Michael Jaffé, Insolvenzverwalter des untergegangenen Containervermieters P&R, hat Neuigkeiten zu vermelden. Der Jurist und die anderen mit dem Verfahren betrauten Anwälte aus seiner Kanzlei haben die von Gläubigern unterzeichneten Vergleichsvereinbarungen angenommen. Für die Annahme dieser Vereinbarungen aus offiziell vier Insolvenzverfahren hatte sich zuvor die große Mehrheit der P&R-Gläubiger ausgesprochen

Damit ist der Weg offiziell frei, dass die Insolvenzverwalter die Arbeit fortsetzen können und Anleger des Containeranbieters die Chance erhalten, zumindest einen Teil ihrer Investments wiederzusehen. Im November sollen auf dieser Grundlage bei einem Prüfungstermin die Forderungen derjenigen Gläubiger festgestellt werden, für die Vereinbarungen vorliegen. Ohne eine solche Feststellung kann man nicht am Insolvenzverfahren teilnehmen – es gibt also gar kein Geld zurück. "Wir gehen für die derzeit angemeldeten Forderungen der Anleger von einem feststellbaren Forderungsvolumen von insgesamt etwas über drei Milliarden Euro in allen vier Insolvenzverfahren aus", heißt es in einer begleitenden Pressemitteilung. 

250 Millionen Euro fließen zurückfließen 
Wie viel jeder Gläubiger letztlich bekommt, steht weiterhin in den Sternen. Bislang laufe die Verwertung der Containerflotte sehr gut, die endgültigen Erträge seien aber von der Entwicklung der Weltwirtschaft abhängig. "Unser Ziel ist es, aus der Verwertung der vorhandenen Container in den kommenden Jahren Verwertungserlöse von über einer Milliarde Euro zu erwirtschaften und dann auch in mehreren Abschlagsverteilungen an die Gläubiger zu verteilen. Auch wenn heute niemand die genaue Höhe der Erlöse garantieren kann, lässt sich schon jetzt sagen, dass mehr als 250 Millionen Euro zum Jahresende bereits realisiert sein werden", so Jaffé.

Simultan dazu würden auch Ansprüche gegen Dritte mit Nachdruck verfolgt, zum Beispiel gegen die ehemaligen Geschäftsführer und Berater. Die Insolvenzverwalter rechnen hier aber nicht mit nennenswerten Summen. Ferner solle die Frage der Anfechtbarkeit der in der Vergangenheit an Anleger geleisteten Zahlungen in Pilotverfahren geklärt werden – das hatte der Insolvenzverwalter bereits angekündigt. 

Schneeballsystem?
Die im Frühjahr 2018 bekannt gewordene Pleite des Containeranbieters P&R gehört zu den größten Anlegerskandalen der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Rund 54.000 Investoren sind betroffen, die Schadensumme soll rund 3,5 Milliarden Euro betragen. Im Sommer vergangenen Jahres zeichnete sich ferner ab, dass es sich um ein Schneeballsystem handeln könnte: Viele von Anlegern erworbene Container, die Einnahmen aus deren Vermietung erhalten sollten, existierten gar nicht. Neu eingeworbene Mittel seien bevorzugt dazu verwendet worden, Mieten an bestehende Geldgeber zu zahlen, so der Vorwurf von Ermittlern. (jb)