Pleite mit Ankündigung: Immowerte GmbH ist im Konkurs
Eine zentrale Tochter der umstrittenen Green-Finance-Gruppe ist pleite. Über die Linzer Immowerte GmbH (früher Green Finance GmbH) wurde ein Konkursverfahren eröffnet. Im gesamten Green-Finance-Debakel wurden mittlerweile mehrere Grundstücke behördlich sichergestellt.
Beim Landesgericht Linz wurde über das Vermögen der Immowerte GmbH ein Konkursverfahren eröffnet. Das teilt der Gläubigerschutzverband AKV mit.
Das Verfahren wurde aufgrund eines Eigenantrags eröffnet. Im Antrag werden laut AKV 52 Gläubiger und zwei Dienstnehmer angeführt. Zu einem "erheblichen Teil" seien Banken betroffen, wobei das Unternehmen 8,36 Millionen Euro an Schulden angibt. In der Bilanz sind per Ende 2024 jedoch insgesamt Verbindlichkeiten in Höhe von rund 16,3 Millionen Euro zu sehen. Dem stehen Sachanlagen gegenüber, die Ende 2024 mit rund 16,6 Millionen Euro bewertet waren.
Bewegte Vorgeschichte
Die Gesellschaft wurde 2015 als Green Finance GmbH gegründet. Geschäftsmodell war die Entwicklung oder Sanierung und anschließende Vermietung von Immobilien.
Wie Unterlagen zeigen, die der Redaktion vorliegen, gab es früh problematische Vertriebsmethoden. Unter anderem wurden Kunden aus klassischen Veranlagungsprodukten "herausberaten", um Investments in die Green-Finance-Sphäre tätigen zu können. Sogar die Wirtschaftskammer rückte dem Unternehmen juristisch zu Leibe.
Probleme mit der FMA – Wechsel nach Liechtenstein
Die österreichische Aufsicht FMA hatte das Unternehmen zumindest ab 2017 auf dem Schirm. Damals gab es Sanktionen wegen Werbeverstößen in Kapitalmarktunterlagen zu "Green Finance Genussrechten". Später sanktionierte die FMA zudem das Gruppenunternehmen LVA24 (Prozessfinanzierung).
Ab 2018 zog Green Finance dann die Emission von Kapitalmarktprodukten nach Liechtenstein ab. Seitdem operierte die Gesellschaft von dort aus über die Green Finance Group AG und deren Arme Green Finance Broker AG (Vertriebskoordinatorin, mit zuletzt angeblich 8.000 Vermittlern) und Green Finance Capital AG, die Anleihen oder qualifizierte Nachrangdarlehen für den Vertrieb an Anleger ausgab, aber seit Monaten nicht mehr emittiert.
Ermittlungen in Österreich und Liechtenstein
Die Green-Finance-Gruppe ist gemeinsam mit dem organisatorisch und personell eng verbundenen Unternehmen Sun Contracting (ebenfalls liechtensteinisch-österreichisch) von Ermittlungen wegen schwerer Delikte betroffen. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) in Wien führt 32 Beschuldigte, davon vier Firmen aus dem Geflecht. Im Raum stehen Anlagebetrug, Untreue, Bilanzfälschung und betrügerische Krida. Die nun insolvente Immowerte GmbH stand von Beginn weg im Zentrum der WKStA-Ermittlungen, die bereits 2024 nach der Anzeige eines Top-Vermittlers begannen.
Es gab etliche Razzien, Telefonüberwachungen und Asset-Sicherstellungen. So haben die Behörden nach letzten Informationen rund ein Dutzend Liegenschaften beschlagnahmt. Drei Hauptverantwortliche saßen einige Wochen in Untersuchungshaft, befinden sich aber wieder auf freiem Fuß.
In Liechtenstein laufen im Umfeld von Green Finance und Sun Contracting Vorerhebungen gegen eine natürliche und fünf juristische Personen wegen des Verdachts des schweren gewerbsmäßigen Betrugs und der Geldwäscherei und wegen diverser Finanzmarktdelikte. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Insolvenz hat sich abgezeichnet
Die Pleite der Immowerte GmbH kommt nicht überraschend, nachdem bereits zahlreiche Österreich-Töchter der Green Finance ab Februar 2026 Insolvenz angemeldet haben: die drei "Green Business Center" in Linz, Wien und Graz, die Prozessfinanziererin LVA24, das Hotel Römerstein und das Schloss Hantenberg. Die Liechtensteiner Mutter und ihre dortigen Kapitalbesorgungs- und Vertriebs-Töchter (Capital AG und Broker AG) sind offiziell nicht in der Insolvenz. Allerdings werden Rechnungen nicht mehr bezahlt und es kommt zu Pfändungen ohne Gegenwehr.
Green Finance hat in der Vergangenheit gegenüber der Redaktion die Vorwürfe im Zusammenhang mit den Ermittlungen zurückgewiesen und betont, "korrekt gehandelt" zu haben. Detailfragen wurden aber nicht beantwortet. Zuletzt gab es keine Antwort mehr.
Sun Contracting
Die Pleiten der Green-Finance-Töchter folgen auf die Insolvenz der eng verknüpften Sun-Contracting-Gruppe, die im November in Österreich und Liechtenstein zeitgleich eingeleitet wurde. Als Ursache für die Zahlungsunfähigkeit wurden bereits damals (wie auch heute) die Ermittlungen der Staatsanwaltschaften und die darauf folgenden Berichte ins Treffen geführt. Demgegenüber sind aber den offiziellen unternehmenseigenen Kapitalmarktunterlagen tiefgreifende Probleme zu entnehmen: Dazu zählen eine extrem hohe Verschuldung und die Tatsache, dass die Revision mehrfach Werthaltigkeiten in Millionenhöhe nicht bestätigen konnte. (eml)















