PEPP-Reform: Wie die Branchenverbände die Pläne bewerten
Die EU will das bisher wenig erfolgreiche Paneuropäische Private Pensionsprodukt (PEPP) mit einer Reform attraktiver machen. FONDS professionell ONLINE hat bei österreichischen Branchenverbänden nachgefragt, wie sie die Pläne bewerten – und dabei durchaus unterschiedliche Einschätzungen erhalten.
Mit einer umfassenden Reform des Paneuropäischen Privaten Pensionsprodukts (PEPP) will die Europäische Union der bislang wenig erfolgreichen privaten Vorsorgelösung neuen Schwung verleihen. Ende Juni legte der Rat der Europäischen Union seine Verhandlungsposition für die anstehenden Trilog-Verhandlungen mit Europäischem Parlament und EU-Kommission fest. Vorgesehen sind unter anderem flexiblere Produktregeln, weniger regulatorische Vorgaben und ein einfacherer Vertrieb. Ziel ist es, das PEPP für Anbieter und Sparer attraktiver zu machen.
Für Finanzberater ist dabei vor allem eine geplante Änderung von Bedeutung: Künftig sollen einfach ausgestaltete Basis-PEPPs unter bestimmten Voraussetzungen auch ohne verpflichtende Beratung vertrieben werden können. Genau an diesem Punkt gehen die Ansichten der österreichischen Branchenverbände auseinander.
Beratung sorgt für unterschiedliche Sichtweisen
Die Austrian Financial & Insurance Professionals Association (AFPA) sieht den geplanten Wegfall der verpflichtenden Beratung für Basis-PEPPs kritisch. Der Verband befürchtet, dass die geplante Möglichkeit eines "Execution-only"-Vertriebs Teil einer breiteren Entwicklung sein könnte, bei der persönliche Beratung zunehmend durch digitale Prozesse, KI-Anwendungen und Online-Plattformen ersetzt wird. Hintergrund seien aus Sicht der AFPA auch Diskussionen auf EU-Ebene über eine Vereinfachung der Finanzberatung sowie der wachsende Einfluss KI-gestützter Empfehlungen.
Nach Ansicht der AFPA werde der bisherige Misserfolg des PEPP damit falsch interpretiert. Nicht die verpflichtende Beratung habe das Produkt unattraktiv gemacht, sondern vielmehr unterschiedliche steuerliche Rahmenbedingungen, ein begrenztes Produktangebot und eine geringe Nachfrage. "Die Lehre aus dem PEPP darf nicht lauten, dass Beratung das Problem ist", sagt AFPA-Chairman Michael Herzhofer.
Die Vereinigung Österreichischer Investmentgesellschaften (VÖIG) bewertet den geplanten Wegfall der Beratungspflicht hingegen deutlich pragmatischer. "Je einfacher die Grundkonzeption des PEPP, umso weniger ist ein zwingender Beratungsbedarf beim Kunden zu rechtfertigen", sagt VÖIG-Generalsekretär Thomas Zibuschka. Der Verband österreichischer Banken & Bankiers, kurz Bankenverband, legt den Fokus dagegen auf andere Themen und äußert sich zur Beratungspflicht nicht ausdrücklich.
Mehr Vereinfachung, bessere Rahmenbedingungen
Abseits der Beratungsfrage sehen Bankenverband und VÖIG in den Reformplänen zahlreiche sinnvolle Ansätze. Die VÖIG begrüßt den geplanten Wegfall der bisherigen Kostenobergrenze, die stärkere Ausrichtung auf Life-Cycle-Modelle sowie den Abbau komplexer regulatorischer Vorgaben. Gegenüber FONDS professionell ONLINE regt der Verband darüber hinaus weitere Vereinfachungen an. So könnten etwa die verpflichtenden jährlichen Prognoserechnungen für Kunden entfallen. Zudem verweist die VÖIG auf das deutsche Altersvorsorgedepot als möglichen Orientierungspunkt für künftige Reformen. Seit Langem setzt sich der Verband auch für ein garantiefreies Vorsorgedepot in Österreich ein.
Auch der Bankenverband bewertet die Stoßrichtung der Reform positiv. Die geplanten Änderungen würden auf Schwächen des bisherigen PEPP-Regimes reagieren. Gleichzeitig verweist der Verband darauf, dass attraktive Produkte allein nicht ausreichen, um die private Altersvorsorge nachhaltig zu stärken. "Die PEPP-Reform ist ein sinnvoller Schritt, aber für eine stärkere private Vorsorge braucht Europa mehrere Lösungen. Neben PEPP sehen wir auch in Savings and Investment Accounts großes Potenzial", so Generalsekretär Gerald Resch.
Entscheidend seien vielmehr attraktive Produkte, ein verlässlicher Rechtsrahmen und geeignete steuerliche Anreize. Deshalb spricht sich der Bankenverband auch für sogenannte Savings and Investment Accounts aus, die langfristiges Sparen und Investieren zusätzlich fördern könnten. (cf)















