Die meisten Bürger wissen nicht, wie viel Geld ihnen im Alter zur Verfügung stehen wird. Eine digitale Rentenübersicht könnte das ändern. In Schweden gibt es bereits seit 14 Jahren ein offizielles Online-Rentenkonto. Mehr als jeder zweite Erwerbstätige nutzt das Portal. Das digitale Konto betreibt die Plattform Min­pension.se. Geschäftsführer Anders Lundström erklärt im Interview, wie dies funktioniert.


Herr Lundström, Minpension.de ist 2004 an den Start gegangen. Wie kam es in Schweden zu der Idee, ein Online-Rentenkonto einzuführen?

Andres Lundström: Das schwedische Rentensystem wurde im Jahr 1999 reformiert. An die Stelle der mit Steuergeldern finanzierten staatlichen Volksrente traten drei Säulen: eine staatliche Grundrente, eine Betriebsrente und eine private Altersversorgung. Das führte nun aber dazu, dass die Bürger plötzlich mit ­Renteninformationen aus allen Säulen geradezu überflutet wurden, was für viele sehr verwirrend war. Daher fasste die Regierung den Entschluss, ein digitales Konto einzuführen, das eine Übersicht über alle bisher verdienten und noch zu erwartenden Renten­ansprüche bietet.

Wie wurde das Projekt umgesetzt? Und wer beteiligt sich daran?

Lundström: Zunächst wurde ein Entwicklungs­projekt ins Leben gerufen, an dem der schwedische Versicherungsverband einschließlich der privaten Rentenversorger, die Regierung, das Rentenamt, die Arbeitgeberverbände und die Gewerkschaften mitgewirkt haben. Es ging darum, grundsätzliche Fragen zu klären und Inhalte des Rentenportals festzulegen. Danach wurde die Arbeit auf Projektgruppen verteilt und die Plattform Minpension.se als unabhängiger Betreiber gegründet. 2004 konnten wir mit der ersten Version der digitalen Rentenübersicht an den Start gehen. Seitdem haben wir das Online-Konto stetig weiterentwickelt. Heute finden sich dort die Informationen von etwa 30 Anbietern aus der privaten und der betrieblichen Altersvorsorge und die Daten, die das schwedische Rentenamt einspielt. Insgesamt werden 99,9 Prozent des aktuellen schwedischen Rentenkapitals abgedeckt.

Kommt das Rentenportal bei den Altersvorsorgesparern denn gut an?

Lundström: Ja, von den rund sechs Millionen Bürgern im erwerbstätigen Alter sind 3,3 Millionen auf Minpension.se registriert. Jedes Jahr melden sich ungefähr 300.000 neue Nutzer an. 2017 haben wir sieben Millionen Log-ins verzeichnet. Unser Tool für die Hochrechnung von Rentenansprüchen wurde etwa zehn Millionen Mal genutzt.

Sie sagen, Minpension.se ist ein unabhängiger Betreiber. Wie finanziert sich die Plattform?

Lundström: Die Plattform ist im Besitz von Min Pension i Sverige, einer hundertprozentigen Tochter des Verbandes der schwedischen Versicherungsunternehmen. Es handelt sich aber um eine öffentlich-private Partnerschaft. Der Dienst wird zur Hälfte vom Staat und zur Hälfte von den privaten Rentenanbietern finanziert.

Den Rentenanbietern steht es frei, Daten an die Plattform zu liefern, sie sind nicht gesetzlich dazu verpflichtet. War es schwierig, die Unternehmen dazu zu ­bewegen?

Lundström: Es war so schwierig, dass die Regierung 2003 gesagt hat: "Entweder ihr macht mit oder wir verpflichten euch per Gesetz dazu." Erst danach haben der Versicherungsverband und die staatlichen Rentenversorger eine ­Vereinbarung unterzeichnet. Darin haben sich die privaten Anbieter unter anderem dazu verpflichtet, 50 Prozent der Betriebskosten zu übernehmen, selbst wenn sie keine Daten ­liefern. Es war auch eine Herausforderung, einen einheitlichen Informationsstandard für die verschiedenen Anbieter und Produkte zu realisieren und eine sichere Methode zur ­Autorisierung der Nutzer zu finden. Aber letzten Endes hat das alles funktioniert.

Vielen Dank für das Gespräch. (am)