Den Behörden in Österreich bereiten der Anstieg beim Anlagebetrug und die zunehmend hohen Summen, die den Leuten aus der Tasche gezogen werden, Sorgen. Verlor ein Opfer vor drei Jahren im Durchschnitt 46.000 Euro, sind es heuer 53.000 Euro.

Die Zahlen stammen aus der Statistik der Betroffenen, die sich bei der Finanzmarktaufsicht (FMA) melden – präsentiert von der für Anlagebetrug zuständigen FMA-Expertin Fiona Springer am Donnerstag (11.12.) bei einer Pressekonferenz. "Anlagebetrug kann wirklich jedem passieren. Das ist keine Frage der Bildung. Wir hatten unter den Opfern den CEO eines Börsenunternehmens", so Springer.

111 Millionen Euro Schaden
In der Statistik des Bundeskriminalamtes (BK) steht laut dem stellvertretenden Direktor Paul Marouschek 2024 ein Schaden von rund 111 Millionen Euro durch Anlagebetrug. Das ist ungefähr eine Verdoppelung zu 2022.

Eine Betrugsmasche, die man beim BK besonders oft sieht, ist der Promitrick: In gefälschten Werbe-Postings rufen vermeintlich ORF-VIPs wie Miriam Weichselbraun, Armin Wolf und Armin Assinger, in letzter Zeit aber auch gern Finanzminister Markus Marterbauer oder Bundespräsident Alexander Van der Bellen zu angeblich lukrativen Investments auf.

Kleinbeträge und Realrenditen als Köder
Oft würden Opfer mit kleineren Investments geködert, für die sie tatsächlich hohe Renditen ausbezahlt bekommen, sagt Marouschek. Ist das Maximum ausgepresst – meist durch psychologisch trainierte Callcenter-Mitarbeiter – bricht der Kontakt ab, das Geld ist weg. Wie bei einem 60-Jährigen, der nach Testüberweisungen 80.000 Euro verlor. In einem anderen Fall, den Marouschek ausrollt, nimmt eine 26-Jährige nach dem Aufbau eines Vertrauensverhältnisses einen Kredit von fast 180.000 Euro auf und verliert das Geld an die Betrüger.

Ähnliche Fälle häufen sich beim Europäischen Verbraucherzentrum (EVZ) des Vereins für Konsumenteninformation (VKI). EVZ-Leiter Reinhold Schranz hat sich daher an das Bundeskriminalamt gewandt und eine Allianz angestoßen. In einem ersten Schritt haben EVZ, BK und FMA eine Broschüre an 280.000 Haushalte versendet, in der erklärt wird, wie man sich schützen kann. Gemeinsam sollen in den kommenden Monaten weitere Maßnahmen gesetzt werden, wie es bei der Pressekonferenz hieß.

Finfluencer im Blick – aber auch Banken
Sehr oft seien Influencer oder Finfluencer (Personen, die auf Social Media mit Finanzinhalten Geld verdienen) die Einstiegspforte, so Schranz. Genau beobachte das EVZ zudem die Banken. Diese müssten laut EU-Vorgaben über eine Transaktionsüberwachung verfügen. Das inkludiere, dass unerwartete Ausgaben angehalten werden.

Schranz verwies auf eine anhängige Klage des VKI gegen die Bawag. Kunden der Bank waren Opfer von Phishing geworden, auch weil nach Ansicht der Konsumentenschützer die Sicherheitsbarrieren zu leicht umgangen werden konnten – jedenfalls leichter als bei anderen Banken, wie es beim VKI heißt.

Money Mules
Banken würden verdächtige Zahlungen oft anhalten, Kunden sich aber dann mitunter für eine Überweisung entscheiden, so FMA-Expertin Springer. Ein weiteres Problem für die Banken sei, dass sich Betrugsnetzwerke sogenannter Money Mules bedienen: unverdächtige Privatpersonen stellen ihr Konto für das Weiterschleusen von Betrugsgeldern zur Verfügung, wodurch ein Muster schwer zu erkennen sei. "Da geht es um Kleinstbeträge", so Springer.

Die Betrüger würden sehr häufig nicht in Österreich sitzen, durchaus aber oft in anderen EU-Ländern. Springer lässt Kritik an manchen anderen Aufsichten durchklingen. Die FMA würde ihre Wahrnehmungen durchaus auf europäischer Ebene mitteilen, "Shaming by Naming" quasi.

"Geben Sie auf keinen Fall persönliche Daten her. Tragen Sie sich nirgends ein, wo Ihnen hohe Renditen versprochen wurden, und schauen Sie auf der Homepage der FMA oder von europäischen Aufsichtsbehörden, ob die Firma zugelassen ist", rät die FMA-Expertin. Die Behörde könne besorgte Anrufer immer wieder von undurchsichtigen Investments abhalten und sei rasch in der Information der Öffentlichkeit: "Wir brauchen kaum zwei Tage, um das zu ermitteln und eine Warnung hinauszugeben", so Springer. (eml)