Neue Liquiditätsregeln für Investmentfonds sollen die Gefahr von "Fund Runs" (Rückgabewellen) und "Fire Sales" (erzwungener Asset-Abverkauf mit Abschlägen) eindämmen und eine mögliche Ansteckung des Finanzmarktes verhindern. Das geht aus einem Informationsblatt der FMA an die Beaufsichtigten hervor.

Investmentfonds müssen demnach mindestens zwei zusätzliche Liquiditätsmanagement-Instrumente (LMTs) "auswählen, kalibrieren und transparent dokumentieren", wie die FMA-Experten schreiben. Dies neben den bereits etablierten Instrumenten wie Suspendierung, Sachauskehr (eher bei alternativen Investments) oder Side Pockets (zur Abspaltung unhandelbarer Anteile).

EU-AIFMD-II-Richtlinie
Die Vorgaben stammen nicht von der FMA direkt. Im Hintergrund steht die EU-AIFMD-II-Richtlinie (Alternative Investment Fund Managers Directive, (EU) 2024/927), die bis spätestens 16. April 2026 umzusetzen ist. Auf EU-Ebene gibt es dazu einen Kommissionsentwurf für eine Delegierte Verordnung sowie Leitlinien der europäischen Marktaufsicht ESMA (ESMA Final Report on Guidelines on LMTs).

Wie rasch Investmentfonds in eine Liquiditätskrise geraten können, haben nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 auch die österreichischen Anleger gesehen. Nicht nur kam es wegen der Verunsicherung der Märkte zu Wertverlusten. Fonds mit Tangente zu Russland waren aufgrund der internationalen Sanktionen spontan nicht mehr handelbar. Dazu kam das schwierige Konjunkturumfeld mit Einbrüchen am Immobilienmarkt. Mit dem LLB Semper Real Estate musste ein österreichischer Fonds schließlich sogar abgewickelt werden. Künftig sollen solche Situationen vermieden werden – oder zumindest besser handhabbar.

Mehrere mögliche LMTs – Vorrang für Anti-Dilution Tools 
Welche zusätzlichen LMTs die Fondsgesellschaften wählen, bleibt ihnen zu einem gewissen Teil frei. Die Wahl hänge von den Besonderheiten des Fonds (Rechtsform, Anlagestrategie, Rückgabemodalitäten, Kostenstruktur, Liquiditätsprofil, Anlegerstruktur) ab, wie die FMA mitteilt. Allerdings verlangt die Behörde ausdrücklich, dass die Gesellschaften überprüfen, ob ein Verwässerungsschutz ("Anti-Dilution Tools", siehe Bild unten) sinnvoll ist. Ein Beispiel dafür wäre das in Fonds oft eingesetzte Swing Pricing, das bestehende Anleger schützt, indem Handelskosten auf jene abgewälzt werden, die größere Positionen am Fonds kaufen oder verkaufen. Ob die konkreten Maßnahmen tauglich sind, wird von der FMA im Zulassungsprozess evaluiert. 

Quelle: FMA

Genau definiert werden müssen Kriterien, Schwellenwerte und Trigger Events für die Aktivierung und Deaktivierung von LMTs. Die Aktivierung selbst dürfe aber nicht automatisiert erfolgen, diese liege in der Verantwortung des Asset Managers. Über eine Aktivierung muss die Behörde informiert werden. 

Depotbanken und Anlegerkommunikation
Ein gewisser Arbeitsaufwand dürfte mit den neuen Regeln auch auf die Depotbanken zukommen. Die FMA verlangt, dass die Fondsgesellschaften für einen "effektiven Austausch" mit den Depotbanken sorgen, damit die Aktivierung eines LMTs tatsächlich ohne Schnittstellenprobleme greift. Und vorgeschrieben ist laut den Angaben auch eine proaktive verständliche Info an die Anleger. "Anleger:innen sollen wissen, ob und wann ihre Verkaufsorder bedient werden können", heißt es.

Während der vergangenen Jahre musste die FMA sich wiederholt über die Fondsliquidität Gedanken machen. So hat die Behörde aufgrund der gestoppten Handelbarkeit russischer Wertpapiere nach 2022 erstmals bei einigen Fonds sogenannte "Side Pockets" genehmigt – eine Art "Bad Fonds", in den die nicht mehr handelbaren Titel abgespalten wurden. Auf diese Weise konnten die betroffenen Fonds nach einer ersten Suspendierungsphase wieder in den Handel gehen. 

Verbessern wird sich auch die Situation für österreichische Immobilienfonds. Hier gelten – wie in anderen Märkten längst üblich – spätestens ab 2027 Mindesthaltedauern und Rückgabefristen für Anleger. Das verleiht den Portfolios mehr Stabilität. (eml)