Die EU-Kommission hat am Mittwoch (21.April) einen Vorschlag für die Reform der EU-Richtlinie zur nichtfinanziellen Berichterstattung (Non Financial Reporting Directive; NFRD) vorgelegt. Mit dem Entwurf soll ein EU-weit ein einheitlicher Standard für die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen geschaffen werden. Die Richtlinie wird daher auch in Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) umbenannt, wie der deutsche Fondsverband BVI meldet.

Die Reformvorschläge sind Teil des 2018 veröffentlichten umfassenden Aktionsplans zur "Finanzierung nachhaltigen Wachstums". Dazu gehört auch die Erarbeitung einer Taxonomie (Klassifizierungssystem) für ökologisch nachhaltiges Wirtschaften. Teil des Aktionsplans sind zudem die künftige Erweiterung der EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid II und der Versicherungsvertriebsrichtlinie IDD um jeweils eine Nachhaltigkeitspräferenzabfrage und die bereits in Kraft getretene Offenlegungsverordnung (FONDS professionell ONLINE berichtete ausführlich). 

BVI begrüßt Vorschläge aus Brüssel
Zur Erfüllung der umfangreichen Vorschriften aus der Offenlegungsverordnung benötigen Asset Manager und Versicherer viele Informationen von Unternehmen, die sie im Zuge der Reform der NFRD erhalten würden. "Es ist gut, dass die EU-Kommission deutlich mehr Unternehmen als bisher verpflichten will, standardisierte Nachhaltigkeitsdaten zu veröffentlichen", begrüßt BVI-Hauptgeschäftsführer Thomas Richter daher die Pläne aus Brüssel. "Damit wäre eine wichtige Voraussetzung erfüllt, um vergleichbare Informationen zu bekommen, die institutionelle Investoren für die Bewertung der Nachhaltigkeit von Zielunternehmen brauchen."

Ein Kernpunkt des neuen Papiers ist, dass die Zahl der Unternehmen, die nach der künftigen CSRD berichtspflichtig werden, massiv erhöht wird: von derzeit 11.600 auf rund 49.000. Erfasst würden nach Angaben des BVI unter anderem alle großen Unternehmen mit Sitz in der EU, die mindestens zwei von drei Mindestkriterien erfüllen: 20 Millionen Euro Bilanzsumme, Nettoumsatzerlöse von 40 Millionen Euro oder 250 Mitarbeiter im Durchschnitt des Geschäftsjahres. Darüber hinaus sollen die Vorgaben für alle börsennotierten Unternehmen mit Sitz in der Europäischen Union gelten und für solche aus Drittstaaten, die an einer EU-Börse notiert sind.

Abgleich mit Taxonomie-Verordnung
Außerdem legt die Überarbeitung der Richtlinie Firmen Berichtpflichten zu Nachhaltigkeitszielen auf, außerdem zu ihrem Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken und etwaigen nachteiligen Auswirkungen der Unternehmenstätigkeit auf Nachhaltigkeitsziele. Die EU-Kommission betont in einem Frage-Antwort-Katalog auf ihrer Internetseite, dass die überarbeitete Richtlinie mit der Taxononmie- und der Transparenzverordnung abgeglichen werden soll.

Brüssel möchte doppelte Berichtspflichten für die Firmen vermeiden. Daher sollen unter anderem die für die Taxonomie entwickelten Indikatoren für nachhaltige Aktivitäten auch für die Berichtsstandards der CSRD gelten. Die Kommission hat am Mittwoch auch die technischen Regulierungsstandards (RTS) zu den ersten beiden ökologischen Zielen der Taxonomie verabschiedet. Firmen müssen die ersten beiden Ziele in ihren nichtfinanziellen Berichten für 2021 berücksichtigen.

Umsetzung bis 1. Dezember 2022
Die EU-Mitgliedstaaten müssen die Änderungen laut aktuellem Zeitplan bis 1. Dezember 2022 in nationales Recht umsetzen, schreibt der BVI. Die neuen Vorgaben sollen erstmals auf Unternehmensberichte für Geschäftsjahre angewendet werden, die ab dem 1. Januar 2023 beginnen. Erste Nachhaltigkeitsberichte nach dem neuen EU-Standard sind damit nicht vor 2024 zu erwarten. (jb)