Die irische Zentralbank hat die Fondsanbieter der Insel aufgefordert, ihre Verfahren und Instrumente für das Liquiditätsmanagement zu überprüfen. Die Asset Manager sollen sich besser gegen Stressphasen wie den Corona-Crash im März 2020 wappnen. Irland ist nach Luxemburg der zweitgrößte Fondsstandort in Europa. Zahlreiche internationale Anbieter wie Blackrock oder Pimco legen hier ihre UCITS-Vehikel auf. Mit einem Volumen von mehr als drei Billionen Euro nimmt die Asset-Management-Branche einen wichtigen Anteil im Finanzdienstleistungssektor der Insel ein.

"Nach den bisherigen Erkenntnissen hat sich das Finanzsystem im Großen und Ganzen als widerstandsfähig erwiesen", sagte Derville Rowland, die bei der Banc Ceannais na hÉireann die Finanzmarktaufsicht verantwortet, in einer Rede. "Dennoch müssen Schwachstellen, die in bestimmten Bereichen der Fondsindustrie festgestellt wurden, behoben werden", sagte Rowland dem Manuskript zufolge, das FONDS professionell ONLINE vorliegt.

Stress verhindern statt verstärken
Teile des Fondssektors hätten "keine Rolle bei der Absorption von Schocks gespielt, sondern vielmehr bei der Übertragung und Verstärkung des Stresses mitgewirkt", so Rowland. Insbesondere im Liquiditätsmanagement sowie bei Geldmarktfonds seien Defizite zutage getreten. "Es ist wichtig, Verhaltensweisen zu vermeiden, die zu Stress im System beitragen statt ihn zu verhindern", betonte die Zentralbankerin.

Die irische Zentralbank habe diese Woche ein Schreiben an die auf der Insel aktiven Asset Manager geschickt. Darin fordert die Aufsicht die Fondsanbieter auf, ihr Risikomanagement sowie ihre Handelsstrukturen zu überprüfen, um sich besser für Phasen zu wappnen, in denen Anleger in Scharen ihre Anteilsscheine zurückgeben möchten. Rowland bemängelte in ihrer Rede zudem, dass die europäischen Fondsregulierung keine Vorgaben enthält, die Risiken für die Stabilität des gesamten Finanzsystems eindämmen sollen.

Milliarden gefangen
Im Zuge der Marktturbulenzen im Frühjahr 2020 hatten Anleger massiv Mittel aus Investmentfonds abgezogen. Einige Anleihen- sowie britische Immobilienfonds mussten zeitweilig schließen. Das Geld der Anleger war in den Fonds eingefroren. Erst durch massive Geldspritzen der Notenbanken beruhigte sich die Lage an den Kapitalmärkten und damit auch bei den Fonds wieder. Die Ratinggesellschaft Fitch hatte per Ende September 2020 europaweit 120 Publikumsfonds gezählt, die die Rücknahme von Anteilen aussetzen mussten. Ein Vermögen in Höhe von 64 Milliarden Dollar war in den Fonds gefangen, wie FONDS professionell ONLINE exklusiv berichtete. (ert)