Milliardenpotenzial: ESMA will Meldewesen reformieren
Die EU-Wertpapieraufsicht ESMA will das Transaktionsmeldewesen deutlich vereinfachen. Ein einheitlicher "Report Once"-Ansatz könnte den Marktteilnehmern laut Behörde jährliche Nettoeinsparungen von bis zu einer Milliarde Euro bringen.
Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) will das Transaktionsmeldewesen in der EU grundlegend vereinfachen. Kernstück der Reform ist ein "Report Once"-Ansatz, bei dem Transaktionsdaten nur noch einmal gemeldet und anschließend von verschiedenen Aufsichtsbehörden genutzt werden können. Nach Berechnungen der ESMA könnten Marktteilnehmer dadurch jährlich netto zwischen 250 Millionen und einer Milliarde Euro einsparen.
Doppelmeldungen sollen entfallen
Nach Einschätzung der ESMA zählen häufige und nicht aufeinander abgestimmte regulatorische Änderungen, doppelte Meldepflichten sowie parallele Meldungen derselben Transaktion zu den wichtigsten Kostentreibern. Deshalb empfiehlt die Behörde eine schrittweise Reform, die kurzfristige Entlastungen mit einer langfristigen strukturellen Neuausrichtung verbindet.
ESMA-Präsidentin Verena Ross betonte, Transaktionsmeldungen seien "von zentraler Bedeutung für die Markttransparenz, die Überwachung von Risiken und die Aufdeckung von Marktmissbrauch". Im Laufe der Zeit hätten jedoch Zersplitterung, Doppelmeldungen, uneinheitliche Anforderungen und steigende Kosten für Marktteilnehmer und Aufsichtsbehörden zugenommen.
Mit dem nun vorgelegten Reformpaket unternehme die ESMA "einen entscheidenden Schritt, um dieses System zu vereinfachen", sagte Ross. Die Analyse der Behörde zeige, dass ein "Report Once"-Ansatz die Kosten erheblich senken und zugleich die Qualität und Nutzbarkeit der Daten für die Aufsichtsbehörden verbessern kann. Damit unterstütze die ESMA stärker integrierte, effizientere und widerstandsfähigere EU-Kapitalmärkte.
Einheitlicher Rahmen für drei Regelwerke
Langfristig schlägt die ESMA vor, die bislang getrennten Meldepflichten nach MiFIR, EMIR und SFTR in einem integrierten Transaktionsmeldesystem zusammenzuführen. Transaktionsdaten sollen dabei über eine gemeinsame modulare Struktur nur einmal gemeldet und anschließend von verschiedenen Behörden für unterschiedliche Aufsichtsaufgaben genutzt werden können. Dadurch sollen Doppelmeldungen vermieden werden, ohne dass die für eine wirksame Aufsicht erforderlichen Informationen verloren gehen.
Deutliche Entlastung für Marktteilnehmer
Die Vorschläge stützen sich auf eine umfassende Kosten-Nutzen-Analyse unter Beteiligung von Marktteilnehmern. Demnach könnte das neue Modell jährliche Nettoeinsparungen von 250 Millionen bis zu einer Milliarde Euro ermöglichen. Die laufenden Kosten würden um rund 22 bis 24 Prozent sinken. Über einen Zeitraum von zehn Jahren beziffert die ESMA den abgezinsten Gesamtnutzen auf 1,2 bis 4,9 Milliarden Euro. Die Einführungskosten sollen sich innerhalb von drei bis vier Jahren amortisieren.
Kurzfristige Maßnahmen geplant
Bis zur Umsetzung der langfristigen Reform schlägt die ESMA mehrere Sofortmaßnahmen vor. Dazu gehören ein stärkerer Einsatz delegierter Meldungen, vereinfachte Verfahren für konzerninterne Ausnahmen sowie gezielte Anpassungen, um wenig aussagekräftige oder doppelte Meldepflichten abzubauen.
Nach Veröffentlichung des Abschlussberichts will die Behörde nun mit den EU-Institutionen über die vorgeschlagenen Maßnahmen beraten. Die Einführung des integrierten "Report Once"-Ansatzes erfordert Änderungen der europäischen Gesetzgebung sowie eine schrittweise Umsetzung. (mb)















