Die Europäische Kommission, das Parlament in Straßburg und der EU-Ministerrat haben sich auf Lockerungen der Finanzmarktrichtlinie Mifid II geeinigt. Die Reform im Schnellverfahren, ein sogenannter "Quick Fix", ist Teil des sogenannten "Capital Markets Recovery Package", mit dem die EU die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die Volkswirtschaften mildern will, wie die Kommission mitteilt.

Die Änderungen müssen noch im Amtsblatt der Union veröffentlicht werden, bevor sie in Kraft treten können. Anschließend müssen die Mitgliedsstaaten die Modifikationen der Richtlinie über nationale Gesetze umsetzen, was Mitte 2021 geschehen könnte. Der "Quick Fix" ist unabhängig von der generellen Mifid-II-Evaluierung, für die die EU-Kommission bis spätestens Ende Juli kommenden Jahres einen Entwurf vorlegen soll.

Kosteninfos nach Telefonat
Im Detail haben die drei Parteien im sogenannten Trilog einige Erleichterungen bei der Wertpapierberatung beschlossen. So müssen Finanzdienstleister Privatkunden im Rahmen einer telefonischen Beratung zu einem Wertpapiergeschäft den Ex-Ante-Kosten-Ausweis künftig nicht mehr vor Abschluss des Geschäftes übermitteln. Die Kosteninformation kann auch nachgereicht werden, wenn der Kunde dem zustimmt. 

Aber: Die Pflicht zur Aufzeichnung von Telefongesprächen über Wertpapiertransaktionen bleibt bestehen. Hier ändert sich nichts. Eine Erleichterung wird es wiederum hinsichtlich der Übermittlung aller Informationen für die Anleger geben: Künftig reicht es, diese elektronisch zur Verfügung zu stellen, die Papierform ist nicht mehr zwingend erforderlich.

Weniger Kosten-Statements für professionelle Anleger 
Erleichterungen gibt es auch für Geschäfte mit professionellen Anlegern, darunter etwa Vermögensverwaltern. Im Rahmen einer Beratung und bei der Finanzportfolioverwaltung müssen Finanzdienstleister diesen zwar weiterhin Kostenausweise zur Verfügung stellen. Bei anderen Dienstleistungen, beispielsweise der reinen Orderweiterleitung, entfällt diese Pflicht aber. Schließlich haben die europäischen Institutionen auch den Aufwand verringert, den Banken oder Vermögensverwalter bei der Kosten-Nutzen-Analyse für Umschichtungen in den Kundendepots leisten müssen.

Eine Änderung gibt es zudem bei den Kosten für das Research. Mifid II schreibt Fondsanbietern seit Anfang 2018 vor, Analysen externer Anbieter zu bezahlen und die Ausgaben für diese Studien genau aufzuschlüsseln. Zuvor verteilten Investmentbanken und Broker die Analysen oft kostenlos – im Gegenzug für Handelsaufträge. Ein solches Modell soll in einigen Teilbereichen des Marktes künftig wieder möglich sein. Kunden der Fondsgesellschaften müssen darüber aber informiert werden. (jb)