Madoff-Erbe: HSBC bildet Milliardenrückstellung für Klagen
HSBC legt 1,1 Milliarden US-Dollar für mögliche Rückzahlungen im Madoff-Betrugsfall zurück. Die Rückstellung belastet die Kapitalquote leicht – und zeigt, dass die juristischen Folgen des größten Finanzbetrugs der Geschichte für Banken noch immer spürbar sind.
Die britische Großbank HSBC wird 1,1 Milliarden US-Dollar für Klagen von Anlegern zurückstellen, die im Betrugsfall um Bernard Madoff Geld verloren haben.
Wie die Bank am Montag (27.10.) mitteilte, wird die Rückstellung in den Ergebnissen des dritten Quartals 2025 verbucht und wirkt sich mit rund 15 Basispunkten auf die harte Kernkapitalquote (CET1) aus.
Rechtsstreit seit 2009
HSBC verteidigt sich gegen eine Klage des Herald Fund SPC aus dem Jahr 2009 auf Rückgabe von Wertpapieren und Bargeld. Bereits im Juli hatte die Bank erklärt, dass der Fonds die Rückgabe von Vermögenswerten im Wert von 2,5 Milliarden Dollar zuzüglich Zinsen oder Schadenersatz in Höhe von 5,6 Milliarden Dollar verlangt.
Ein Gericht in Luxemburg wies am vergangenen Freitag (24.10.) die Berufung von HSBC gegen die Wertpapierklage zurück, gab der Bank jedoch in Bezug auf die Bargeldforderung teilweise Recht. HSBC plant nun, eine weitere Berufung einzulegen.
Mögliche Auswirkungen noch unklar
Aufgrund dieser zweiten Berufung und der "Komplexität und Unsicherheit bei der Bestimmung des Umfangs der Rückzahlung" könne die letztliche finanzielle Auswirkung "erheblich abweichen", erklärte HSBC.
"Zunehmend scheint es, dass HSBC ihre Rechtsrisiken schlecht eingeschätzt und kontrolliert hat", sagte Mark Williams, Dozent an der Fakultät für Finanzen der Questrom School of Business der Boston University.
Aktienkurs bleibt stabil
Anleger reagierten zunächst gelassen: Die HSBC-Aktie lag am Montag im frühen Handel in Hongkong um 0,3 Prozent im Plus.
Die "überschaubare Belastung" helfe, "eine langanhaltende rechtliche Unsicherheit zu beseitigen", erklärten Tomasz Noetzel und Francis Chan, Analysten bei "Bloomberg Intelligence".
Nachwirkungen des Madoff-Skandals
Mehrere Banken wehren sich weiterhin gegen Klagen im Zusammenhang mit Madoffs Ponzi-System. Der Finanzbetrüger hatte 2009 gestanden und wurde zu 150 Jahren Haft verurteilt. Er starb 2021 im Gefängnis. Zum Zeitpunkt des Zusammenbruchs seines Systems wiesen Kundenkonten etwa 65 Milliarden Dollar an nicht existierenden Anlagen aus.
Rechtliche Altlasten auch bei anderen Banken
HSBC steht damit in einer Reihe mit anderen internationalen Instituten, die mit Altverfahren kämpfen. So waren die Aktien von BNP Paribas in der vergangenen Woche deutlich gefallen, nachdem ein Gericht die Bank mit Menschenrechtsverletzungen im Sudan in Verbindung gebracht hatte. Das Urteil löste Spekulationen aus, BNP Paribas müsse möglicherweise Milliardenbeträge zur Beilegung entsprechender Verfahren zahlen. (mb/Bloomberg)















