Seit Längerem wird ermittelt, am Freitag (5.9.) hat die WKStA im LNR-Pleitefall erstmals Anklage erhoben. "Ein Wiener Immobilienunternehmer" soll wegen betrügerischer Krida belangt werden. Laut mehreren Medien, die aus der Anklageschrift zitieren, geht es um den 33-jährigen Gründer und einstigen Geschäftsführer Lukas Neugebauer und (nicht nur, aber auch) um dessen aufwendigen Lebensstil.

Neugebauer wird vorgeworfen, zwischen Oktober und Dezember 2024 "übermäßig hohe persönliche Ausgaben in Höhe von rund 145.000 Euro" getätigt zu haben – nachdem über sein privates Vermögen bereits ein Insolvenzverfahren eröffnet worden war. Das teilt die WKStA mit, die von Luxusausgaben berichtet.

Malediven und Tiffany
Ins Detail geht der "Kurier": Demnach hat der Masseverwalter unter anderem 71.000 Euro bei der Digitalbank Revolut (Sitz Litauen) entdeckt und sperren lassen. Von dort weg sollen unter anderem ein Malediven-Urlaub, Einkäufe beim Nobeljuwelier Tiffany oder teure Diskothekenbesuche finanziert worden sein.

Von Neugebauer, dessen zahlreiche LNR-Gesellschaften ebenfalls in der Insolvenz sind, wollen die Gläubiger rund 82 Millionen Euro. Der Lebensstil verträgt sich laut WKStA nicht mit den Gläubigerforderungen. Auf betrügerische Krida stehen bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe. Die Anklageschrift wurde beim Landesgericht für Strafsachen Wien eingebracht. 

Masseverwalter
Der "Kurier" berichtet, Masseverwalter Matthias Schmidt habe 140.000 Euro von Neugebauers Konten auf das Massekonto übertragen. Die LNR Real Estate GmbH klagte daraufhin auf Rückzahlung, da es sich aus ihrer Sicht um Geld aus Darlehen für Neugebauer handelt. Zur Verhandlung sei aber dann kein LNR-Vertreter erschienen und es gab ein Versäumnisurteil zugunsten des Masseverwalters. Der Masseverwalter kritisiert laut "Kurier" zudem auffällig hohe Abflüsse von Neugebauer-Konten noch vor der Insolvenz.

Neugebauer hatte in Medien die Anschuldigungen stets zurückgewiesen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Ermittlungen gegen zahlreiche Personen
Ermittelt wird laut WKStA nicht nur gegen Neugebauer, sondern gegen rund zehn natürliche Personen und Verbände. Unter anderem wegen des Vorwurfs des schweren Betruges, der Untreue und der betrügerischen Krida.

Im Zentrum steht der Verdacht, dass die Beschuldigten Kredite erschlichen haben mit der falschen Vorgabe, Miteigentumsanteile an Liegenschaften zu kaufen. "Das System basierte oftmalig auf eigens gegründeten Projektgesellschaften; den Banken waren dabei u.a. Scheinverträge vorgelegt bzw. von den Tätern Scheingeschäfte vorgetäuscht worden", teilt die WKStA mit.

Beschuldigt ist auch ein Treuhänder. Er soll die auf Treuhandkonten hinterlegten Kreditbeträge ohne entsprechende Erfüllung der Treuhandvereinbarung ausbezahlt haben – insbesondere ohne grundbücherliche Besicherung. Rund ein Dutzend Kreditinstitute und mehrere Privatpersonen sollen dadurch geschädigt worden sein. Der mutmaßliche Schaden liegt laut den Staatsanwälten "zumindest im hohen zweistelligen Millionenbereich". (eml)