Die Wohnbaubanken haben sich erstaunlich rasch an das Zusatzgeschäft mit dem Gewinnfreibetrag gewöhnt. Zur Erinnerung: Ab 2007 akzeptierte das Finanzamt Investmentfonds für die Veranlagung im Rahmen des Gewinnfreibetrags, sofern es sich um Fonds gemäß § 14 Einkommensteuer­gesetz handelte. Sehr zum Leidwesen der ­heimischen Fondsgesellschaften und auch der Finanzberater wurde diese Möglichkeit mit der Verabschiedung des Abgabenänderungsgesetzes 2014 wieder abgedreht. Aktuell ­dürfen neben Wirtschaftsgütern nur noch Wohnbauanleihen steuerwirksam gekauft ­werden. 

Für Vermögensberater war die Umstellung auf die Wohnbauanleihe schwierig. Auf der einen Seite waren die Anleihen im Vergleich zu den Fonds für den Berater provi­sionsseitig vergleichsweise unattraktiv. Der Beratungsaufwand lohnte sich, gemessen an den Verdienstmöglichkeiten, hier nicht. Auf der anderen Seite waren die Kunden wegen der langen Laufzeit der Anleihen trotz des Steuervorteils, den der Gewinnfreibetrag mit sich bringt, eher zurückhaltend. Walter ­Larionows, Leiter des B2B-Geschäfts bei der Hello Bank, bestätigt dies: „Die Kunden wurden durch die lange Laufzeit abgeschreckt.“ Zudem spielen die Papiere innerhalb von Firmenvermögen ihren zentralen Vorteil gar nicht aus. Die KESt-Befreiung von Wohnbauanleihen gilt nur für Privatanleger. 

Einschränkung nur bis Ende 2016
Die Situation könnte sich ab dem kommenden Jahr allerdings wieder grundlegend ändern, schließlich wurde die Einschränkung auf Wohnbauanleihen bis zum Ende des Jahres 2016 befristet. Somit sollte für den Bereich des Gewinnfreibetrags ab dem Jahr 2017 wieder jene Gesetzeslage gelten, die vor der Verabschiedung des Abgabenänderungsgesetzes 2014 galt.

Fondsanbieter und Beratungsunternehmen, die für das kommende Jahr mit diesem Zusatzgeschäft rechnen, sollten sich jedoch nicht zu früh freuen. Dem Vernehmen nach versuchen die Wohnbaubanken derzeit, ihren Einfluss geltend zu machen, um die aktuelle Regelung weiter aufrechtzuerhalten. So ganz kann man ihnen dieses Ansinnen auch nicht verübeln. Nachdem das Zinstief auch bei den Wohnbauanleihen für eine gewisse Flaute sorgt, kommen die Zuflüsse durch den Gewinnfreibetrag gerade recht.

Wie dringend der benötigt wird, lässt ein Blick auf das Ergebnis der Wohnbaubank vermuten. Als Marktführerin kann sie in etwa ein Viertel des gesamten österreichischen Emissionsvolumens auf sich vereinigen. Während die Bank 2013 und 2014 noch rund 216 beziehungsweise 212,5 Millionen Euro emittieren konnte, brach das Volumen im Vorjahr auf 81,8 Millionen Euro ein. Ohne das Geschäft mit dem Gewinnfreibetrag wäre das Ergebnis noch deutlich geringer ausgefallen. Mehr als die Hälfte der Emissionsleistung (48,7 Mio. Euro) entfiel nämlich auf die KMU s Wohnbauanleihe, die speziell zur Ausnützung des Gewinnfreibetrags auf­gelegt wurde. 

Kampf hinter den Kulissen
Angesichts dieser Zahlen ist es kein Wunder, dass die Wohnbaubanken das Geschäft mit dem Gewinnfreibetrag nicht kampflos aufgeben werden. Wie aus gut informierten Kreisen zu erfahren ist, haben sie beim ­Finanzministerium eine Gesetzesänderung ­angeregt, derzufolge auch in Zukunft nur noch Wohnbauanleihen zum Erwerb im Rahmen des Gewinnfreibetrags zulässig sein sollen. Hinter den Kulissen versuchen die heimischen Fondsgesellschaften, eine solche Regelung zu verhindern.

In die Karten wollen sich die Beteiligten dabei allerdings nicht ­sehen lassen. Von Seiten der Vereinigung der österreichischen Investmentfondsgesellschaften (VÖIG) bekommt man nur die Auskunft, dass das Thema über die Wirtschaftskammer koordiniert wird und sich die VÖIG dagegen ausgesprochen hat. So erklärt VÖIG-Präsident Heinz Bednar: "Unseren Informationen zufolge liegen derzeit keine Gesetzesvorschläge vor, die etwas anderes vorsehen als ein Auslaufen der bestehenden Beschränkung."

Etwas konkreter wird man bei der Wirtschaftskammer, wo der Geschäftsführer des Fachverbandes Finanzdienstleister, Philipp Bohrn, auf Anfrage erklärt: "Das Abgabenänderungsgesetz ist derzeit wegen anderer Themen in Begutachtung, und natürlich kann es immer sein, dass der Gesetzgeber etwas ­ändert. Aktuell sieht es im Fall des Gewinnfreibetrags allerdings danach aus, als würde das Gesetz wieder auf die Rechtslage vor 2014 zurückgehen, und das ist auch im Sinne der Wirtschaftskammer.“  (gp)


Den gesamten Artikel inklusive einer Tabelle zu den aktuellen Emissionen österreichischer Wohnbauanleihen finden Sie in der kommenden Heftausgabe 04/2016 von FONDS professionell, die Ende November erscheinen wird.