"THX, VHS und FSK; RAF, LSD und FKK; DVU, AKW und KKK; RHP, USW, LMAA; PLZ, USP und DPD, BMX, DPM und XTC; EMI CBS und BMG; ADAC, DLRG – ojemine." So lautet ein Textteil des Songs "MfG" der deutschen Hip-Hop-Gruppe "Die Fantastischen Vier". Wenn Sie nicht alle diese Abkürzungen kennen, ist das kein Drama. "Ojemine" und peinlich kann es aber für einen Finanzdienstleister sein, wenn er nicht weiß, was der Unterschied zwischen "KID" und "KIID" ist – sofern es überhaupt einen gibt.

Klar ist bloß, dass es sich dabei um kurze Informationsblätter handelt, die dem (potenziellen) Kunden übermittelt werden müssen. Um den Unterschied zwischen KID und KIID zu klären, lohnt sich ein Blick auf die europarechtlichen Wurzeln dieser Begriffe. Der europäische Normengeber verfolgt ja stets das ehrenwerte Ziel des Anlegerschutzes. Insbesondere sollen Kleinanleger durch standardisierte Informationen in die Lage versetzt werden, Produkte möglichst einfach miteinander vergleichen zu können, gleichgültig von welchem Anbieter beziehungsweise aus welchem EU-Staat diese stammen. 

Kundeninformationsdokument (KID)
Im Hinblick auf OGAW (Organismus für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren), also bei Investmentfondsanteilen, hat der öster­reichische Gesetzgeber mit den §§ 134 und 135 Investmentfondsgesetz 2011 (InvFG 2011) dieses standardisierte Informationsblatt ins nationale Recht aufgenommen und als "Kundeninformationsdokument" bezeichnet. Der sperrige Name Kundeninformationsdokument wird ganz einfach mit KID abgekürzt. Auch das Wertpapieraufsichtsgesetz 2018 (WAG 2018) sowie das Alternative Investmentfonds Manager-Gesetz (AIFMG) verwenden die Kurzform KID mit nur einem I (§ 48 Abs. 2 WAG 2018, §§ 48, 49 AIFMG). Um die Verwirrung über die Anzahl der Vokale aufzulösen, ist ein Blick in die OGAW-Richtlinie (Richtlinie 2009/65/EU) zu werfen, die von der "Wesentliche[n] Anlegerinformation" spricht. 

In der englischen Fassung der OGAW-Richtlinie wird die "Wesentliche Anlegerinformation" als "Key Investor Information" bezeichnet. Das diesbezügliche Informa­tionsblatt wird im Englischen daher mit "KIID" abgekürzt, wobei das D für "Document" steht. Also ist für alle Anglophilen das deutschsprachige KID ein englisches KIID. 

Das OGAW-KID/KIID muss zwingend folgende Informationen zum OGAW enthalten:
1. Identität des OGAW und der zuständigen Behörde des OGAW
2. kurze Beschreibung der Anlageziele und der Anlagestrategie
3. Darstellung der bisherigen Wertentwicklung oder gegebenenfalls Performance-Szenarien,
4. Risiko-Rendite-Profil der Anlage einschließlich angemessener Hinweise auf die mit der Anlage in den betreffenden OGAW verbundenen Risiken und entsprechender Warnhinweise 

PRIIP-Verordnung 
Die genannten Informationen müssen für den Anleger so klar formuliert sein, dass er keine weiteren Dokumente heranziehen muss, um diese verstehen zu können. Die OGAW-Richtlinie und somit auch das Kundeninformations­dokument des InvFG beziehungsweise des AIFMG machen freilich nicht alle für Anleger interessanten Produkte miteinander vergleichbar. Beispielsweise fonds- und indexgebun­dene Lebensversicherungen, Derivate oder strukturierte Wertpapiere bleiben demgemäß unberücksichtigt. Um hier Abhilfe zu schaffen, wurde auf europäischer Ebene die PRIIP-Verordnung (Verordnung (EU) 1286/2014) erlassen, die auch für solche Produkte stan­dardisierte Informationsblätter vorschreibt. Diese Verordnung ist in Österreich unmittelbar anwendbar, muss also – im Gegensatz zu EU-Richtlinien – nicht erst in österreichisches Recht transformiert werden. 

In der deutschen Fassung der PRIIP-Verordnung wird dieses Informationsblatt als "Basisinformationsblatt", teilweise mit "BiB" abgekürzt, bezeichnet. Die englische Version der PRIIP-Verordnung hingegen nennt dieses BiB "Key Information Document". Daraus leitet sich wiederum die Abkürzung KID ab. Dieses Dokument soll den Kleinanleger auf maximal drei DIN-A4-Seiten über die wichtigsten Merkmale des konkreten Produkts ­informieren, insbesondere über Folgendes:
1. Produktart
2. Ziele des Produkts und Mittel zum Erreichen dieses Ziels
3. Chancen und Risiken des Produkts
4. Performanceszenarien
5. Kosten
6. Anlagehorizont
7. Beschwerdemöglichkeiten

Stichtag 1. Jänner 2020
Interessiert sich der potenzielle Kunde daher sowohl für einen Investmentfonds als auch für eine fondsgebundene Lebensversicherung, erhält er die jeweiligen Informationsblätter, die einander zwar ähneln, aber nicht völlig identisch sind. Der Gesetzgeber sieht hier folgende Lösung vor: Für Anteile an ­Investmentfonds (OGAW) ist es derzeit ausreichend, den Kunden das OGAW-KID/KIID (je nachdem, welche Sprache man bevorzugt) rechtzeitig, also bevor der Kunde vertraglich gebunden ist, zu übermitteln. Gemäß Artikel 32 Absatz 1 der PRIIP-Verordnung sind nämlich diese Produkte bis zum 31. Dezember 2019 von der PRIIP-Verordnung ausgenommen. Erst ab 1. Jänner 2020 muss es auch für OGAW ein KID gemäß der PRIIP-Verordnung geben, das dem Kunden rechtzeitig zu übermitteln ist.
Derzeit gibt es daher noch folgende Informationsdokumente:
1. KID (Kundeninformationsdokument) = KIID (Key Investor Information Document) bei OGAW (Investmentfonds) und AIF
2. BiB (Basisinformationsblatt) = KID (Key Information Document) bei PRIIP


Den gesamten Artikel von Mag. Kerstin Liebl, Rechtsanwätin in der auf Kapitalmarktrecht ­spezialisierten Kanzlei Brandl & Talos Rechtsanwälte GmbH, finden Sie in der aktuellen Heftausgabe 4/2018 von FONDS professionell. Angemeldete Mitglieder des FONDS professionell KLUBs können den Artikel auch im E-Magazin lesen.