Die Immobilientreuhänder in der WKO haben als gesetzliche Interessensvertretung eine Klarstellung zu den Tätigkeiten der Immobilienmakler getroffen. Demnach dürfen Immobilienmakler neben geschlossenen Immobilienfonds auch Veranlagungen in Bauherrenmodelle und Vorsorgewohnungen vermitteln und dazu beraten. Dies wiederum mache eine Überprüfung der Berufshaftpflichtversicherung erforderlich, mahnt der Vermögensschadenhaftpflichtversicherer Höher Insurance.

Die Haftpflichtversicherung müsse schließlich nun auch die Veranlagungen und die damit verbundenen erheblichen Pflichten decken. Unter solche Pflichten fällt etwa die detaillierte Aufklärung über die sogenannten "Weichkosten" (OGH 6 Ob 118/16w) oder die Angemessenheitsprüfung, Beratungsprotokolle, und die Risikoanalyse. "Da befinden wir uns nun in der Anlageberatung", sagt René Hompasz, Geschäftsführer von Höher Insurance.

Regress-Gefahr bei Leistungslücken
Immobilienmakler müssen für ihre Berufstätigkeit eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung abschließen. Besteht eine Leistungsfreiheit, führt das gemäß den besonderen Vorschriften der §§ 158b ff VersVG dazu, dass der Haftpflichtversicherer dem Geschädigten einen nicht versicherten Schaden bezahlten muss und er dann zum vollen Regress gegenüber dem Makler berechtigt ist, so Hompasz. Ein nicht gedeckter Schaden beziehungsweise ein Regress des Versicherers könne damit die wirtschaftliche Existenz des Immobilienmaklers bedrohen.  

Immobilienmakler sollten bei ihrem Haftpflichtversicherer anfragen, ob vom Versicherungsumfang auch die Beratung und Vermittlung von Veranlagungen in Bauherrenmodelle, Vorsorgewohnungen sowie die Vermittlung von Beteiligungen an (geschlossenen) Immobilienfonds umfasst ist und welche besonderen Obliegenheiten für deren Vermittlung bestehen. Wird diese Deckung nicht bestätigt, liege kein Versicherungsschutz gemäß den gesetzlichen Vorgaben vor. Ein Problem ergibt sich nicht nur versicherungstechnisch. Ohne gesetzeskonformen Schutz droht einem Immobilienmakler im Extremfall auch ein Entzug der Gewerbeberechtigung.

Versicherungsmakler sollten Kunden aufmerksam machen
Versicherungsmakler, die Immobilienmakler versichert haben, sollten die Deckungsfrage ebenfalls klären und ihre Kunden informieren. Fehlt der nötige Schutz, kann es auch hier zu einer möglichen Beraterhaftung des Versicherungsvermittlers kommen. Im Deckungskonzept von Höher sei der Schutz bereits entsprechend angepasst worden.

Hompasz verweist auf das Berufsfeld der Vermögensberater und Wertpapiervermittler, die sehr umfangreiche Ausübungspflichten haben, wenn sie Veranlagungsprodukte vermitteln. Es sei "sehr wahrscheinlich", dass im Klagsfall die Gerichte diese Aufklärungspflichten gegenüber Anlegern auch auf Immobilienmakler übertragen, wenn diese Anlagevehikel vertreiben. Auch das EU-Recht unterscheide hier nicht zwischen den Gewerbebefugnissen. Man solle Haftungsprobleme aus Formalfehlern vermeiden, warnt Hompasz. (eml)