Seit Anfang der Woche sind neue Vorgaben für die Vergabe von Hypothekarkrediten in Kraft, diese machen das Leben für Häuslbauer oder -käufer sowie Kreditvermittler nicht gerade einfacher. Im Detail sehen die neuen Standards sowohl individuelle Grenzen als auch Schwellen für die Banken vor. Grundsätzlich gilt künftig eine maximale Kreditlaufzeit von 35 Jahren, wobei den Kreditinstituten ein Ausnahmekontingent von zehn Prozent zusteht. Die Kreditrückzahlung darf nicht mehr als 40 Prozent des Nettoeinkommens betragen (Ausnahmekontingent fünf Prozent). Es gilt laut Aussendung eine maximale Beleihungsquote von 90 Prozent. Hier gibt es ein Ausnahmekontingent von 20 Prozent. Insgesamt dürfen bei einem Kreditinstitut maximal 20 Prozent aller Kredite eine der Obergrenzen überschreiten. Die Geringfügigkeitsgrenze, unterhalb der die verschärften Standards nicht gelten, liegt bei 50.000 Euro. 

Deutliche Kritik an den Vorgaben kommt von der Wirtschaftskammer. "Die neuen Regeln für die Vergabe von Wohnkrediten kommen zu einer Unzeit", kritisiert Michael Pisecky, stellvertretender Obmann im Fachverband Immobilien- und Vermögenstreuhänder in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). Man könne die Beweggründe nicht ganz nachvollziehen, schon gar nicht den angeblich hohen Prozentsatz an Überbewertungen. Auch Gerhard Gollenz, stellvertretender Fachverbands-Obmann, zeigt sich skeptisch: "Die Regeln werden – wenn überhaupt – nur langfristig eine dämpfende Wirkung auf die Immobilienpreise haben. Durch die fast zeitgleiche Anhebung der Zinsen wird es aber vor allem für Jungfamilien immer schwieriger, Eigentum zu begründen. Die Kombination aus Eigenkapitalquote, sprich Eigenmittel, und monatlichem Nettoeinkommen wird für viele potenzielle Eigentümer zu einer unüberwindlichen Hürde."

Wirtschaftskammer kritisiert fehlende Praxistauglichkeit
Der Fachverband sieht vor allem die praktische Anwendung der Regeln kritisch, da seitens der FMA etwa an die häufig vorkommende Zwischenfinanzierung zwischen Verkauf einer Wohnung und Ankauf einer größeren Wohnung offenbar nicht gedacht wurde. Das kann nur über die Ausnahmen erfolgen und erschwert beziehungsweise verteuert die Immobilientransaktion zusätzlich.

Völlig unverständlich ist es für die Branchenvertreter, dass der Betrag für die Finanzierung von Sanierungsmaßnahmen mit 50.000 Euro je Kreditnehmer gedeckelt wird. "Für viele Privathaushalte wird in den nächsten Monaten eine Heizungsumstellung in Verbindung mit einer Sanierung erforderlich sein. Mit diesem Betrag wird man in der Regel nicht das Auslangen finden", wertet Pisecky die Maßnahme als "völlig falsches Signal an sanierungswillige und umweltbewusste Immobilieneigentümer". (gp)