Green Finance: Illegale Baumrodung und neue WKStA-Ermittlungen
Unerlaubte Baumfällungen in Wien sind kein Kavaliersdelikt. Die bereits mit Justiz und Aufsicht im Konflikt stehende Green Finance muss sich nun laut einem Bericht auch wegen eines illegalen Kahlschlags verantworten. Zudem wurden Betrugs-Ermittlungen der WKStA ausgedehnt.
"Neue Maßstäbe für nachhaltige und zukunftsorientierte Bauvorhaben" versprach die Green Finance Group AG bei dem von ihr geplanten Green Business Center Wien. Allerdings wurden für das Büroprojekt in Simmering (11. Bezirk) Dutzende Bäume gefällt. 29 davon ohne Erlaubnis, wie die Zeitung "Mein Bezirk" schreibt. Wegen der illegalen Fällungen muss das Unternehmen demnach 330.000 Euro zahlen.
Beim Baumschutz ist Wien streng. Entfernungen sind nur nach Antrag und Genehmigung erlaubt. Bei leichteren Vergehen können Verwaltungsstrafen von bis zu 70.000 Euro verhängt werden. Werden mehr als 20 Bäume illegal gefällt, droht eine Freiheitsstrafe von bis zu sechs Monaten.
Staatsanwaltschaft und Verwaltungsgericht
Wegen des großen Ausmaßes der Schlägerungen auf dem Green-Finance-Grund in der Leberstraße 122 ging der Fall laut dem Bericht an die Staatsanwaltschaft Wien. Im Oktober 2023 landete die Sache vor dem Verwaltungsgericht Wien, das 66 Ersatzpflanzungen anordnete. Dafür fehlte dem Unternehmen jedoch der Platz, weswegen die Ersatzzahlung von 330.000 Euro angeordnet wurde, wie es heißt. Das Verfahren laufe noch.
Wie das Unternehmen gegenüber dem Medium mitteilte, gehen die Fällungen auf ein Missverständnis zurück. Ein Mitarbeiter einer Baufirma, die mit der Säuberung des Grundstücks beauftragt war, habe die "als Bäume registrierten Stämme" ohne direkten Auftrag entfernt. Laut dem Bericht wurden im Jahr 2023 auf dem Areal 14 weitere Fällungen durchgeführt, die vom Magistrat genehmigt waren.
Bürobau nur mit Anlegergeld
Auf dem 2022 erworbenen Grund soll ein Komplex mit Büroflächen für 1.000 Arbeitsplätze entstehen. Die Baugenehmigung hat das Unternehmen nach Eigenangaben gegen Ende 2024 erhalten. Baustart soll im Oktober 2025 sein.
Geld von Banken ist laut Unternehmensangaben nicht involviert. Umso mehr hängen jedoch Anleger drinnen. Das Kapital für das Projekt kommt – wie in der Gruppe Usus – aus der eigenen Finanzierungsgesellschaft Green Finance Capital AG. Diese aus Luxemburg heraus operierende Einheit holt sich laufend europaweit Geld von Anlegern, denen sie Schuldverschreibungen verkauft.
Massive Verschuldung
Der Verschuldungsgrad dieser Finanzierungsgesellschaft ist extrem: In der 2023er-Bilanz der GF Capital AG stehen Verbindlichkeiten von über 63 Millionen Euro, bei nicht einmal 60.000 Euro Eigenkapital.
Probleme mit Behörden gibt es in der Gruppe seit Langem. Ein Green-Finance-Mitgründer und Geschäftsführer trat wegen Ermittlungen der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) gegen ihn und andere dieses Jahr "für die Dauer des Verfahrens" von seinen zahlreichen Geschäftsführer-Funktionen in den diversen Gruppenunternehmen zurück. Das geht aus Nachträgen zu Kapitalmarktprospekten hervor.
WKStA weitet Ermittlungen aus: Betrug, Bilanzfälschung, Abgabenhinterziehung
FONDS professionell hatte im Jänner über Hausdurchsuchungen und Beschlagnahmungen sowie Ermittlungen gegen drei Personen und drei Verbände wegen schweren Betrugs berichtet. Inzwischen hat die WKStA das Verfahren auf sechs natürliche Personen und vier Verbände ausgedehnt.
Ermittelt wird nun zudem wegen Abgabenhinterziehung und Bilanzfälschung, wie die WKStA mitteilt. Vermutet wird ein Schaden von bis zu 15 Millionen Euro. Der bisherige Geschäftsführer beziehungsweise das Unternehmen haben die Vorwürfe, die auf Informationen eines ehemaligen Geschäftspartners zurückgehen, zurückgewiesen. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Immowerte GmbH betreut auch Green Business Center
Die angezeigten Unstimmigkeiten betreffen übrigens neben der GF Capital AG unter anderem auch die Green-Finance-Projektgesellschaft Immowerte GmbH mit Sitz in Linz. Und die ist wiederum für die nun von den Baumfällungen betroffene Green Business Center Wien GmbH zuständig.
Strafen der FMA
Bei der österreichischen Aufsicht FMA ist das Unternehmen ebenfalls nicht gut angeschrieben. So gab es Straferkenntnisse gegen die Group und die Capital AG wegen der Missachtung von Prospektvorschriften beziehungsweise irreführender Werbung. Auch die zur Gruppe gehörende Prozessfinanziererin LVA24 wurde von der FMA bereits sanktioniert. (eml)















