Hohe Ankaufspreise für Gold, ein angemietetes Geschäftslokal und Werbung in einer Tageszeitung: Mit einem durchaus professionell wirkenden Auftritt soll ein vermeintlicher Edelmetallhändler im niederösterreichischen Baden mehrere Menschen um Gold im Wert von rund 600.000 Euro gebracht haben. Das berichtet die Landespolizeidirektion Niederösterreich in einer Pressemitteilung.

Der Händler bot demnach vergleichsweise hohe Grammpreise für Gold und bewarb sein Angebot mit Inseraten in einer Tageszeitung sowie mit Werbewurfsendungen. Für den Ankauf hatte er vorübergehend sogar ein Geschäftslokal in Baden angemietet.

Geld kam nie an
Mehrere Personen im Alter zwischen 50 und 71 Jahren vereinbarten daraufhin für den 30. Juli Termine in dem Geschäft. Dort wurde das mitgebrachte Gold begutachtet und eine Bezahlung per Überweisung für den folgenden Tag vereinbart. Die Betroffenen übergaben ihr Gold, die angekündigten Zahlungen gingen jedoch nicht ein.

Nach Angaben der Polizei entstand ein Gesamtschaden von rund 600.000 Euro. Das Geschäftslokal wurde mittlerweile wieder geschlossen.

Betrüger kennen ihre Zielmärkte
Dass Finanzbetrüger zunehmend professionell und arbeitsteilig vorgehen, hatte Sandra Pöheim von der Watchlist Internet (externer Link) erst kürzlich im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE erläutert. Kriminelle würden ihre Zielmärkte inzwischen sehr genau kennen und ihre Maschen gezielt an Bedürfnisse und Situationen anpassen. "Gefährlich ist der Gedanke: 'Mir kann das nicht passieren'", warnte Pöheim.

Der Fall aus Baden weist damit ein Merkmal auf, das Pöheim auch bei anderen Betrugsformen beobachtet: Kriminelle investieren zunehmend Aufwand, um ihren Angeboten einen glaubwürdigen Anschein zu verleihen. Wie professionell Finanzbetrüger mittlerweile arbeiten, welche Rolle KI und Deepfakes dabei spielen und wie sich Verbraucher und Anleger schützen können, erklärt Pöheim im ausführlichen Interview mit FONDS professionell ONLINE. (cf)


Polizei bittet um Hinweise
Die Polizei sucht nach weiteren Hinweisen zu dem Fall. Sachdienliche Hinweise, die auf Wunsch auch vertraulich behandelt werden, können an die Polizeiinspektion Baden unter der Telefonnummer 05 9133 3300 gerichtet werden.