Financial Stability Board warnt vor Risiken bei Private Credit
Mangelnde Transparenz, hohe Verschuldung und die Konzentration auf bestimmte Sektoren bereiten den Stabilitätswächtern des FSB Sorgen. Sie warnen vor schwer abschätzbaren Risiken.
Am Markt für private Kredite (Private Credit) ist die Verunsicherung zuletzt gestiegen, insbesondere unter US-Anlegern. Nun warnt das Financial Stability Board (FSB) vor Schwachstellen in dem Marktsegment. "Der Markt für private Kredite ist in seiner heutigen Größe, Reichweite und Konzentration auf wenige Wirtschaftssektoren bislang weitgehend ungetestet, und ein schwerer wirtschaftlicher Abschwung könnte diese potenziellen Schwachstellen offenlegen", heißt es in einem aktuellen Bericht des FSB.
Markt ist stark gewachsen
Das FSB wurde 2009 von den G20-Staaten gegründet, um das globale Finanzsystem zu überwachen. Aktuell scheint der Markt für Private Credit besonders im Fokus zu stehen: "Private Kredite sind zu einem wichtigen Bestandteil des globalen Finanzsystems geworden, der neue Chancen bietet, aber auch neue Risiken mit sich bringt", sagte FSB-Generalsekretär John Schindler laut "Handelsblatt" in einem Pressegespräch zu der Studie. Der Markt für Private Credit war in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Das FSB schätzt das Volumen auf 1,5 bis zwei Billionen Dollar per Ende 2024. Private Kredite haben an Bedeutung gewonnen, da sich Banken aus der Kreditvergabe zurückziehen und Kreditfonds zugleich maßgeschneiderte Finanzierungen anbieten.
Eine Schwachstelle sieht das FSB darin, dass das Ökosystem der privaten Kreditvergabe zunehmend durch engere Verflechtungen zwischen Vermögensverwaltern, Banken, Versicherern und Private-Equity-Gesellschaften gekennzeichnet sei. In dem Bericht heißt es: "Investoren und andere Interessengruppen verfügen möglicherweise nur über unvollständige Informationen und ein begrenztes Verständnis von Korrelationen und Konzentrationsrisiken, was eine wirksame Risikobewertung erschweren könnte." Einige Kreditgeber und weitere Marktteilnehmer hätten daher womöglich nur eingeschränkte Informationen über Kreditnehmer, wie auch jüngste Unternehmensinsolvenzen und Fehlentwicklungen gezeigt hätten.
Fragezeichen bei der Kreditqualität
Auch auf der Ebene der Kreditnehmer sieht das FSB Risiken. Bei privaten Kreditnehmern gebe es in der Regel keine öffentlichen Ratings: "Wo Ratings verwendet werden, beobachten wir eine zunehmende Abhängigkeit von privaten Kreditratings, die mitunter von kleineren, weniger bekannten Agenturen vergeben werden", sagt Schindler. Private Kreditnehmer weisen laut Einschätzung des FSB zudem häufig eine geringere Kreditqualität und eine höhere Verschuldungsquote auf.
"Wir haben zudem einen Anstieg bei der Nutzung von Payment-in-Kind-Klauseln festgestellt, was auf eine finanzielle Belastung hindeuten könnte", erklärt Schindler. Bei diesen Vertragsvereinbarungen werden Zinsen nicht direkt bezahlt, sondern dem Kreditbetrag zugeschlagen. Die Ausfallraten steigen dem FSB zufolge derzeit an, auch wenn sie noch moderat seien. Hohe Verschuldung, enge Verflechtungen und mangelnde Liquidität könnten laut FSB Spillover-Effekte auslösen, unter anderem durch Auswirkungen auf die Anlegerstimmung in dieser Anlageklasse.
Das FSB schlägt verschiedene Maßnahmen vor, darunter die Schließung von Datenlücken, die globale Harmonisierung von Definitionen und eine tiefergehende Analyse finanzieller Verflechtungen. (jh)















