Für all jene Berater, die glauben, das Thema Mifid II sei erledigt, gibt es leider schlechte Nachrichten. Nachdem die EU-Richtlinie, die mit dem WAG 2018 auch in österreichisches Recht übergegangen ist, den heimischen Finanzvertrieb dieses Jahr durchaus in Atem gehalten hat, wird es 2019 eine weitere Premiere geben, die der Richtlinie zu verdanken ist. Anfang nächs­ten Jahres muss allen Kunden nämlich erstmals der sogenannte Ex-post-Kostenausweis zugestellt werden. Zur Erinnerung: Mifid II zwingt bekanntlich die Fondsindustrie – und damit die Plattformen – dazu, Banken und Vermittlern zahlreiche Gebührenangaben für die geforderte Kostentransparenz zu geben.

Der Kunde muss dabei gleich zweifach aufgeklärt werden: Vor der Vermittlung (ex ante) erhält er Informationen über sämtliche Kosten des Produkts inklusive Depotgebühren und Provisionen. Danach (ex post) muss dem ­Anleger einmal im Jahr offenlegt werden, was ihn sein Investment tatsächlich gekostet hat. In der Theorie hört sich das recht einfach an, in der Praxis tun sich jedoch jede Menge ­Fragen auf. Nicht zuletzt die, wer sich federführend um die Umsetzung der Vorschriften kümmert: Fondsplattform, Haftungsdach oder sogar der Berater? 

Arbeitskreise
Derzeit sind unterschiedliche Arbeitskreise damit beschäftigt, Licht ins Dunkel zu bringen. Eine dieser Gruppen versucht im Rahmen des von der Wirtschaftskammer organisierten "Compliance-Roundtable", offene Fragen zu klären. Parallel dazu sind Haftungs­dächer und Plattformen im Gespräch, um festzulegen, wer wofür verantwortlich ist.

Insgesamt geben sich die Beteiligten etwas zugeknöpft, was das Thema betrifft. So dürfte hinter verschlossenen Türen derzeit noch intensiv an der Ausgestaltung des Kostenausweises getüftelt werden. "Wir versuchen gerade, uns mit anderen Plattformen abzustimmen, damit wir eine möglichst einheitliche ­Lösung haben. Es gilt noch ­einige offene Themen abzuklären", meint etwa Markus Harrer, stellvertretender Bereichsleiter der Capital-Bank-Plattform. Komplex wird das Thema etwa, wenn es um die Produktkosten geht. 

Die Managementkosten der Fonds sind dabei das geringere Problem, schwierig ist das Unterfangen, weil auch alle anderen ­internen Fondskosten ausgewiesen werden müssen, etwa die Transaktionskosten. Regulierungsexperte Günther Ritzinger von Kapitalmarkt Consult geht daher gar davon aus, dass es in vielen Fällen in der Praxis nicht möglich sein wird, den regulatorischen Erwartungen vollinhaltlich gerecht zu werden.

Wirklich kompliziert könnte es laut Ritzinger für Portfolioverwalter werden, wenn diese etwa jede einzelne Transaktion sowie die Kosten der Produkte für jeden einzelnen Kunden berechnen müssen und in ­einer aggregierten Zahl darstellen sollen. Allerdings sieht der Experte hier zumindest ­einen letztlich von der Behördenauslegung abhängigen Hoffnungsschimmer: "Produktkos­ten sind im Wesentlichen dann offenzulegen, wenn man Finanzinstrumente empfiehlt oder anbietet. Zumindest Portfolioverwalter könnten aber damit argumentieren, dass sie keine Produkte empfehlen und auch nicht anbieten, da ausschließlich eine Wertpapierdienstleis­tung angeboten wird."

Wer trägt Verantwortung?
Auf ein derartiges Schlupfloch können die Wertpapierfirmen, die vertraglich gebundene Vermittler angeschlossen haben, mit Sicherheit nicht hoffen. Denn diese müssen jedenfalls eine Kostenaufstellung in Form ­einer aggregierten Zahl zur Verfügung stellen. Eine genaue Einzelaufstellung ist allerdings nur auf Kundenwunsch zu liefern, so Ritzinger. Während die einen dabei ganz auf die Lieferung der Zahlen durch die Depotbank setzen, sind sich andere noch nicht ganz sicher, ob sie nicht selbst auch einen Kostenausweis an ihre Endkunden senden müssen. Ritzinger meint dazu: "Die finale Verantwortung für das Einhalten der Mifid-II-Anfor­derungen hat prinzipiell das letzte Glied der Kette, sei es die Wertpapierfirma oder der Portfolioverwalter."

Für Harrer steht dabei ­jedoch fest, dass es ­reichen wird, wenn einer in der Kette einen Kostenausweis erstellt. "Von wem der Kunde die Aufstellung bekommt, ist eigentlich zweitrangig. Wichtig ist, dass er die Gesamtkosten auf jeden Fall ausgewiesen bekommt. Wir werden den Wertpapierfirmen diese daher zur Verfügung stellen." Und auch Ritzinger bestätigt, dass bankunabhängigen Dienstleistern zugestanden werden muss, sich auf die Daten der Depotbanken verlassen zu dürfen. (gp)


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