"Europa ist Außenseiter": JP Morgan will EU-Bonusdeckel kippen
Ein Topmanager von JP Morgan fordert die EU auf, dem Beispiel Großbritanniens zu folgen und die Bonusobergrenze für Banker abzuschaffen. Andernfalls drohe Europa im internationalen Wettbewerb zurückzufallen.
Ein führender Banker von JP Morgan Chase hat die Europäische Union aufgefordert, dem Vereinigten Königreich zu folgen und die Obergrenze für Bankerboni abzuschaffen. Andernfalls laufe der Staatenbund Gefahr, im globalen Wettbewerb um den Abbau von Regulierungen gegenüber anderen Regionen ins Hintertreffen zu geraten.
"Es wäre sinnvoll, wenn sich die EU an der jüngsten Entscheidung des Vereinigten Königreichs orientieren würde, die Bonusobergrenzen aufzuheben", sagte Matthieu Wiltz, Co-Leiter von JP Morgan für die Region EMEA, in einem Interview in Paris. "Der Kontinent ist inzwischen der Außenseiter."
Bonusdeckel aus der Finanzkrise
Die Obergrenze, die nach der Finanzkrise eingeführt wurde, begrenzt Boni in der EU grundsätzlich auf die Höhe des jährlichen Grundgehalts. Banken können jedoch die Zustimmung ihrer Aktionäre einholen, um die variable Vergütung auf das Zweifache des Fixgehalts anzuheben. Wiltz sagte, die Regelung habe sich als wirkungslos erwiesen, da Banken als Reaktion schlicht die Fixgehälter erhöht hätten.
Die Äußerungen fallen in eine Phase, in der Europa darüber nachdenkt, wie es auf den weltweiten Rückbau von Regulierungen reagieren soll, die nach der Finanzkrise eingeführt worden waren. JP Morgan gehört zu den US-Instituten, die ihre Präsenz in Europa ausbauen wollen. Fragmentierte Märkte und strengere Vorschriften hätten es europäischen Banken jedoch erschwert, mit ihren US-Konkurrenten Schritt zu halten.
Dimon warnt vor Europas Bürokratie
Jamie Dimon, Vorstandschef von JP Morgan, sagte in diesem Monat, Europa habe "ein echtes Problem", da die langsame Bürokratie Geschäft, Investitionen und Innovation vertreiben könne.
Der in Paris ansässige Wiltz erklärte, die US-Bank stimme mit ihren europäischen Wettbewerbern darin überein, sich für eine Vereinfachung der Bankenregeln auf dem Kontinent einzusetzen. Zugleich sprach er sich dafür aus, grenzüberschreitende Zusammenschlüsse von Banken in der EU zu erleichtern. Weiterhin widersprach er der Ansicht, dass die Fragmentierung des Marktes ein Vorteil für US-Wettbewerber sei.
"Wir würden gerne stärkere europäische Banken sehen, mit weniger Nationalismus seitens einiger Regierungen", sagte Wiltz. "Es wäre eine kurzfristige Sichtweise zu glauben, dass wir im derzeit fragmentierten europäischen Bankensystem gewinnen können, denn langfristig wäre das auch für amerikanische Banken nachteilig."
JP Morgan in Frankreich unter Druck
In Frankreich, wo JP Morgan rund 1.000 Mitarbeiter beschäftigt, darunter etwa 650 im Handels- und Marktgeschäft, sieht sich die größte US-Bank mit den politischen und fiskalischen Turbulenzen konfrontiert, die das Land seit vielen Monaten prägen. Wiltz sagte, das Institut rechne kurzfristig nicht mit einem deutlichen Personalaufbau, da man "bereits die richtige Anzahl an Mitarbeitern vor Ort" habe.
"Wenn Unsicherheit über das Steuerniveau, das Arbeitsrecht oder wirtschaftspolitische Reformen besteht, halten sich alle zurück, bis Klarheit herrscht", sagte er.
Trotz dieser Gegenwinde kündigte der Wall-Street-Konzern Anfang des Jahres an, ein neues Büro im Zentrum von Paris zu eröffnen, um bisher über die Stadt verteilte Mitarbeiter zusammenzuführen. Der Standort in der Rue Place du Marché Saint-Honoré 37, hinter der Pariser Zentrale am Place Vendôme, soll im Jahr 2027 eröffnen.
"Wir hoffen, dass Frankreich sich am Ende nicht in eine nicht-wettbewerbsfähige Position bringt, etwa durch höhere Steuern auf Aktienrückkäufe oder Finanztransaktionen", sagte Wiltz. "Wir erhalten viele Fragen von ausländischen Kunden zu den Steuerbelastungen in Frankreich."
Wettbewerb mit Private Credit
Wiltz betonte zudem, dass die Finanzierungsmöglichkeiten von JP Morgan dem Institut im Wettbewerb mit Anbietern von Private Credit einen entscheidenden Vorteil verschafften.
"Wir bieten unseren Kunden ein ganzes Menü an Optionen, und sie entscheiden", sagte er. "Wir können sehr große Syndizierungen umsetzen oder Geschäfte vollständig über unsere eigene Bilanz abwickeln. Der Vorteil der Zusammenarbeit mit uns besteht darin, alle Optionen auf dem Tisch zu haben und je nach Marktumfeld und Kundeninteresse die beste auszuwählen." (mb/Bloomberg)














