EU öffnet Markt für Kreditfonds – Hoffnungen in Österreich
Die EU hat erstmals die Kreditvergabe durch AIFM harmonisiert. Kreditfonds könnten künftig dort einspringen, wo Banken an Grenzen stoßen. Für Österreichs Unternehmen könnte das ein Pluspunkt sein. Die Republik ist aber bei der Umsetzung säumig.
In den USA finanzieren Kreditfonds bereits rund sieben Prozent aller Unternehmenskredite, während dieser Anteil in Europa erst bei 1,6 Prozent liegt, zeigen Daten des Währungsfonds (IWF). In Österreich war die Kreditvergabe durch Fonds bislang aufgrund des Bankwesengesetzes und rechtlicher Unsicherheiten nur eingeschränkt möglich.
Mit der EU-Richtlinie AIFMD II wird dies nun erleichtert: Erstmals schafft die Europäische Union einheitliche Regeln für die Kreditvergabe durch alternative Investmentfonds (AIF). Die nationale Umsetzung hätte bis 15. April 2026 erfolgen sollen, Österreich ist säumig. Ein Ministerialentwurf war in der Begutachtung, ist aber noch nicht im Bundesgesetzblatt veröffentlicht.
Neue Finanzierungsquelle für Unternehmen
Die Wirtschaftskanzlei Freshfields erwartet durch die Novellierung neue Impulse. "Es könnte sich erstmals ein Private-Credit-Markt etablieren. Für Österreichs Unternehmer eröffnet sich dadurch eine neue Quelle für die Fremdfinanzierung", sagt Freshfields-Partner Florian Klimscha laut einem Artikel, der in voller Länge in der neuen Heftausgabe von FONDS professionell erschienen ist. Kreditfonds könnten insbesondere dort einspringen, wo Banken aufgrund regulatorischer Vorgaben oder Bilanzrestriktionen an Grenzen stoßen. Zudem seien Fonds oft schneller, risikobereiter und in Restrukturierungsfällen langfristig orientierte Finanzierungspartner.
Auch die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) sieht Chancen. Private-Credit-Fonds hätten Banken bereits nach den Zinssteigerungen ab 2022 teilweise entlastet, indem sie ihnen problematisch gewordene Kreditportfolios abkauften. Gleichzeitig weisen die Aufseher aber auf Risiken hin, etwa durch geringere Transparenz und mögliche Verflechtungen zwischen Banken und Fonds.
Keine Verbraucherkredite in Österreich
Der österreichische Gesetzesentwurf erlaubt AIF-Managern die Kreditvergabe unter strengen Governance- und Risikomanagementvorgaben. Kredite an Verbraucher sind hierzulande verboten. In diesem Punkt gewährt die EU einen nationalen Gestaltungsspielraum. Nicht erlaubt sind außerdem Darlehen an nahestehende Personen oder Unternehmen. Kreditvergebende Fonds sollen grundsätzlich als geschlossene Fonds strukturiert sein.
Trotz der Freude über die Lockerungen rechnen die Experten nicht mit einem raschen Boom. "Wir hoffen, dass sich für die Finanzierungslandschaft neue Fenster eröffnen", sagt Freshfields-Anwalt Maximilian Hohenauer. Der Blick nach Deutschland, wo Kreditfonds seit rund zehn Jahren zulässig sind, zeigt aber ein bislang überschaubares Marktvolumen. Laut der deutschen Aufsicht Bafin verwalten kreditvergebende Fonds dort derzeit rund 16 Milliarden Euro – lediglich 0,2 Prozent des Kreditvolumens der dortigen Banken. (eml)
Den gesamten Artikel lesen Sie in der neuen Heftausgabe von FONDS professionell 2/2026 oder nach Anmeldung hier im E-Magazin.















