Die österreichischen Banken schrieben zwar im Vorjahr aufgrund der immer noch vorteilhaften Zinssituation und wegen des guten Osteuropageschäfts hohe Gewinne und konnten daraus erneut ihre Kapitalpuffer aufstocken – mittlerweile liegt die harte Kernkapitalquote bei 19 Prozent, nach 17,9 Prozent Ende 2024. Darauf machten die Vorstände der FMA, Mariana Kühnel und Helmut Ettl, bei der Präsentation des Jahresberichts aufmerksam. Gleichzeitig ist die Situation bei den Krediten aber nach wie vor schwierig.

Die notleidenden Ausleihungen (NPL) der österreichischen Institute (ohne Auslandstöchter) sind zwischen 2021 und Ende 2025 von rund 1,75 Prozent auf 3,1 Prozent sehr stark angestiegen. Schuld an der Verschlechterung waren hauptsächlich die Gewerbeimmobilienkredite, wo mittlerweile über acht Prozent mit einem Finanzierungswert von 8,7 Milliarden Euro notleidend sind – 2021 lag die NPL-Quote im Gewerbesektor unter einem Prozent. 2025 seien die Ausfälle in dem Bereich erneut kräftig angestiegen. Immerhin flache die Kurve seit dem vierten Quartal ab. "Es gibt Licht am Ende des Tunnels", so Kühnel.

Verpflichtende Kapitalpuffer steigen
Von den Banken verlangt die Aufsicht indes, dass sie bald noch mehr Kapital als bisher zur Seite legen: Der seit 1. Juli 2025 gültige sektorale Systemrisikopuffer für Gewerbeimmobilienfinanzierungen von einem Prozent wird ab Juli 2026 auf zwei Prozent angehoben und ab Juli 2027 auf 3,5 Prozent. Hintergrund ist ein Gutachten der Österreichischen Nationalbank (OeNB), das ergab, dass die vorhandenen Puffer nicht reichen, um potenzielle Verluste abzudecken. Österreichs Banken haben in dem Bereich ein Klumpenrisiko: Von den gesamten Unternehmenskrediten gehen allein 43 Prozent in Immobilienfinanzierungen, ein Rekordwert im EU-Vergleich.

Dass der Finanzmarkt dennoch stabil ist, heftet sich die FMA auf die eigenen Fahnen. Es sei bemerkenswert, dass aus den zahlreichen Krisen der vergangenen Monate und Jahre keine Krise des Finanzmarktes wurde, so Ettl. "Diese Sicherheit muss täglich neu erarbeitet werden", sagte der FMA-Vorstand.

Neu: FMA beaufsichtigt erstmals Verbraucherkreditvergabe
Während die FMA die Immobilienkreditvergabe längst eng beaufsichtigt, wird sie in Kürze erstmals auch die Einhaltung der Standards bei Konsumkrediten prüfen und Verfehlungen sanktionieren. Das sieht die Umsetzung der EU-Verbraucherkreditrichtlinie (EU) 2023/2225 im österreichischen Verbraucherkreditgesetz 2026 (VKrG 2026) vor. Das Gesetz, das im November in Kraft treten soll, erfasst nicht nur klassische Konsumkredite, sondern sämtliche kleinteiligen Finanzierungsoptionen oder -hilfen, wie Zahlungsaufschübe oder gebührenfreie Kredite. Vor allem die oft online angebotenen "Buy Now Pay Later"-Angebote sind damit gemeint.

Das Volumen der aushaftenden Verbraucherkredite stieg 2025 um 6,8 Prozent auf 22,5 Milliarden Euro. "Vom Klick zur Schuldnerberatung ist es oft nicht weit", so Ettl, der darauf verwies, dass der kollektive Verbraucherschutz für die FMA generell immer wichtiger werde.

Kontrolle von IT-Dienstleistern
Einen Aufgabenzuwachs gab es im Vorjahr zudem mit der Aufsicht über die IT-Dienstleister im Finanzbereich. Im zweiten Halbjahr 2025 führte die FMA erste Vor-Ort-Prüfungen mit Schwerpunkt auf IKT-Drittdienstleistern und IKT-Risikomanagement durch. Sie erfüllt damit die Vorgaben des EU-DORA-Rahmens (Digital Operational Resilience Act), der vor gut einem Jahr in Kraft trat. Ein Kernelement sind dabei Meldevorschriften: 2025 meldeten die beaufsichtigten Unternehmen der FMA 103 IKT-Vorfälle. 75 kamen von Banken, 21 von Wertpapierdienstleistern, sieben aus Versicherungen. In über der Hälfte der Fälle lag der Ursprung bei einem Drittdienstleister.

Die wichtigsten dieser Drittdienstleister unterliegen seit Ende 2025 der direkten europäischen Aufsicht. Die drei Aufsichtsbehörden EBA, EIOPA und ESMA haben dazu eine Liste mit 19 kritischen Anbietern veröffentlicht, auf der die wichtigsten Namen von Amazon Web Services über Google Cloud bis IBM zu finden sind.

"Man muss die strategische Souveränität diskutieren"
"Man hat erstmals eine Handhabe und kann Strafen aussprechen. Europa hat damit eine stärkere Marktmacht im Aufsichtsbereich entwickelt. Man muss aber mittel- und langfristig die strategische Souveränität diskutieren", fordert Ettl. Nicht zuletzt gilt das im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI), wo die beaufsichtigten Institute in Österreich laut FMA zu 80 Prozent zugekaufte Leistungen verwenden. Zum Großteil stammen diese von US-Anbietern. Man werde auf die strategischen Abhängigkeiten Augenmerk legen, so Kühnel. (eml)