Die geplante europäische Rente "Pan-European Personal Pension Product" (Pepp) wird nur zum Erfolg, wenn sie einige wichtige Kriterien erfüllt. Das betont Peter De Proft, Generaldirektor des europäischen Fondsverbands Efama in Brüssel, gegenüber FONDS professionell ONLINE.

Die EU-Kommission hatte Ende Juni ihren Vorschlag für die Pepp-Verordnung veröffentlicht. Unter diesem Schlagwort sollen Versicherer, Banken, Pensionskassen, Wertpapierfirmen sowie Vermögensverwalter künftig Altersvorsorgeprodukte grenzüberschreitend nach europaweit vereinheitlichten Regeln vertreiben können (FONDS professionell ONLINE berichtete).

Die Efama begrüßt den Vorstoß, denn bislang seien solche Produkte aus strukturellen Gründen kaum möglich. "Die einzelnen nationalen Märkte sind zersplittert, so dass Wettbewerb und Auswahl begrenzter sind als sie sein sollten und die Kosten entsprechend höher sind", so De Proft. Hier könne Pepp eine entscheidende Rolle spielen: "Ein standardisiertes Produkt, das über nationale Grenzen hinweg verkauft werden kann, das Barrieren zwischen den verschiedenen Märkten abbauen und dadurch die Kosten senken und den Wettbewerb steigern kann."

Vier grundlegende Kriterien
Um ihre Rolle zu erfüllen und damit die Rentensysteme in der EU widerstandsfähiger zu gestalten, müssten Pepp-Produkte jedoch vier grundlegende Kriterien erfüllen, betont der Efama-Chef. "Sie müssen kostengünstig sein, hohe Renditen liefern und wirklich übertragbar auf die Mitgliedsstaaten sein. Vielleicht muss es sich vor allem um ein vertrauenswürdiges Produkt handeln, sowohl sicher als auch einfach zu handhaben."

Diese letzte Funktion würde ein hohes Maß an Standardisierung in Bezug auf das Produkt selbst erfordern, etwa mit Blick auf die Informationen für die Anleger und die Investitionsoptionen. "Aspekte wie das Renteneintrittsalter sollten den Mitgliedsstaaten überlassen werden, ebenso wie die steuerliche Behandlung der Pepp, sofern die Mitgliedstaaten diesen Produkten die günstigste steuerliche Behandlung für ihre privaten Rentenprodukte zu Teil werden lassen", betont der Efama-Chef.

Mehrere positive Auswirkungen
Sollten diese Kriterien erfüllt werden, erwartet De Proft mehrere positive Auswirkungen. Pepp-Produkte könnten nicht nur dabei helfen, die Rentenlücke in Europa zu schließen. Sie würden auch "die Menschen dazu zu bringen, einige ihrer Ersparnisse von Bankkonten, wo sie häufig lächerliche Erträge erzielen, in ein Produkt zu verlagern, das infolge des Wettbewerbs, der niedrigeren Kosten und der Skaleneffekte ertragreicher sein wird", so der Efama-Generaldirektor. Durch die Ermutigung junger Europäer, so früh wie möglich zu sparen, würde perspektivisch auch die Nachhaltigkeit des Rentensystems verbessert.

Außerdem könnten die Investitionen dabei helfen, weitere Mittel zur Finanzierung des Wirtschaftswachstums in Europa bereitzustellen. Zudem würde die Übertragbarkeit der Pepp die berufliche Mobilität in der EU fördern. De Proft: "Auf diese Weise würde Pepp die Kapitalmarktunion stärken, das Flaggschiff-Kommissionsprojekt, das die langjährigen Ambitionen, einen gemeinschaftlichen Finanzraum zu schaffen, Wirklichkeit werden ließe."

Standardisierung und Wettbewerb
De Proft hofft, dass eine Vielzahl von Anbietern – Versicherer, Banken, Vermögensverwalter und andere – entsprechende Produkte zur Verfügung stellt. "Es sollte dabei den Pepp-Anbietern überlassen bleiben zu entscheiden, ob sie Anlagestrategien für die gesamte Lebenszeit oder Strategien mit Mindestertragsgarantien als Standardoption anbieten möchten", so De Proft. "Pepp kann äußerst standardisiert sein, aber innerhalb dieses Rahmens sollte Auswahl und Wettbewerb an der Tagesordnung sein." (bm)