Hoffnung in Gestalt eines neuen Rechtsgutachtens gibt es für Kunden der insolventen Commerzialbank Mattersburg, deren finanzielle Schäden über die 100.000 Euro, die vom Einlagensicherungsfonds übernommen werden, hinausgehen. Die auf Kapitalmarktrecht spezialisierte Wiener Kanzlei Brandl & Talos sieht beim Land Burgenland eine Mitverantwortung für die entstandenen Schäden.

Begründet wird dies damit, dass das Land der zuständige Revisionsverband einer nicht unwesentlichen Genossenschaft war: Zuletzt hielt die Personalkredit- und Kommerzialkreditvermittlungs- und Anteilsverwaltungsgenossenschaft Schattendorf-Zemendorf-Stöttera-Krensdorf-Hirm-Loipersbach-Draßburg-Baumgarten reg.Gen.m.b.H. nämlich 79 Prozent der Aktien der Bank, und diese Genossenschaft wurde vom Land kontrolliert. Als Revisor der Genossenschaft ließ das Land diese von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft TPA prüfen, die auch die Bank jahrelang geprüft hatte. Aus diesem Auftrag lässt sich nach Ansicht der Kanzlei Brandl & Talos ableiten, dass sich das Land seiner Prüfungsverpflichtung gegenüber der Mattersburger Bank durchaus bewusst war. Das Bundesland weist diese Verantwortung mit der Begründung zurück, dass die Verfehlung in der Bank und nicht in der Genossenschaft passiert seien.

Rechtsanwalt Ernst Brandl kommentierte dies in einer Facebook-Nachricht vom 31.7.2020 so: "Unsere Klage wird schlicht auf den im Firmenbuch verfügbaren Urkunden und dem Gesetzeswortlaut basieren (siehe § 1 Abs. 2 GenRevG). Gesetzesleser wissen mehr!" – gemeint ist der Paragraf 1 im Genossenschaftsrevisionsgesetz, in dem steht: "Stehen Unternehmen unter der einheitlichen Leitung einer Genossenschaft (Mutterunternehmen) mit Sitz im Inland, so hat sich die Revision auch auf diese Unternehmen zu erstrecken."

Dass das Bundesland selbst eine Amtshaftungsklage gegen die Republik führen will, weil Staatsanwaltschaft und Finanzverwaltung in der Vergangenheit mehrfach bei Kontrollen nach Hinweisen durch Whistleblower kein Fehlverhalten der Bank und ihrer Organe feststellen konnte, kommentiert Brandl via Facebook so:"Wenn das Land gegen die Republik (Simmering gegen Kapfenberg ist nix dagegen) gewinnt, bleibt mehr Landesvermögen, um die Ansprüche unserer Mandantinnen zu befriedigen." (gf)