Causa Wienwert – ein "politischer Prozess" beginnt
Am Wiener Landesgericht startet nach achtjährigen Ermittlungen am Montag (19.1.) der Prozess um die Pleite der Immobilienfirma Wienwert. Es geht um Vorwürfe wie Anlegerbetrug, Untreue, Bestechung.
Wenn am Montag der Prozess rund um die Causa Wienwert beginnt, wird nicht nur eine Strafsache verhandelt, sondern auch ein Lehrstück, wie man als Unternehmen eine Bundeshauptstadt kapert – vom Marketing bis hin zur Politik.
Anlegerschützer hatten sich schon Jahre vor dem Zusammenbruch von Wienwert skeptisch gezeigt, weil das Immobilienunternehmen immer wieder eine – Sicherheit vorgebende – Nähe zur Stadt suggerierte. Da war nicht nur der Firmenname selbst, sondern auch der Stephansdom als Logo oder der unterschwellige Eindruck, der in Videos und anderen Werbeunterlagen entstand. Während diese Verbindung gesellschaftsrechtlich nicht existierte, war sie im Hintergrund größer, als man von außen vermuten konnte.
Zahlreiche Politiker involviert
Neben dem letzten Vorstand Stefan Gruze und seinen Vorgängern, den Gründern Nikos Bakirzoglu und Wolfgang Sedelmayer, sind auch ÖVP-Stadtrat Karl Mahrer sowie dessen Ehefrau und SPÖ-Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy angeklagt. Alle haben gegenüber Medien wiederholt die Vorwürfe zurückgewiesen, es gilt die Unschuldsvermutung.
Mahrer und seiner Ehefrau wird Beitrag zur Untreue vorgeworfen. Es geht um Zahlungen von rund 84.000 Euro von Wienwert an die PR-Agentur von Mahrers Frau ohne erkennbare Gegenleistung; die Ermittler vermuten, dass Wienwert sich so Zugang zu politischen Kontakten erschließen wollte. SPÖ-Bezirksvorsteher Nevrivy wiederum soll einen geplanten Remisestandort der Wiener Linien verraten haben. Wienwert erwarb das Grundstück, woraufhin es die Wiener Linien überteuert kaufen mussten.
Diversion für FPÖ-Politiker
Mahrer und Nevrivy sind nicht die einzigen Politiker, gegen die im Wienwert-Verfahren ermittelt wurde: Dem FPÖ-Nationalratsabgeordneten Markus Tschank und dem ehemaligen Vizebürgermeister von Wien, Johann Gudenus (ebenfalls FPÖ), wurde bereits davor eine Diversion angeboten. Sie hatten laut WKStA nicht deklarierte Parteispenden von Wienwert angenommen.
Wienwert-Vorstand Gruze wird Investorentäuschung, Vermögensverschiebung und Vorteilsgewährung vorgeworfen. Er soll die Wienwert-Gesellschaft als wirtschaftlich erfolgreich beworben und deren Zahlungsunfähigkeit verschwiegen haben. Es geht zudem um fragwürdige interne Geldflüsse – etwa um hohe eigene Boni und die Bezahlung privater Rechnungen mit Anlegergeld.
Beirat – wieder dominiert die Wiener Politik
Die oben genannten Politiker sind bei Weitem nicht die einzigen, die sich im Umfeld von Wienwert tummelten. Zur Bekanntheit brachte es auch ein Beirat, der großzügig mit Wiener SPÖ-Funktionären besetzt war.
Über die WW Holding AG (vormals: Wienwert Holding AG) wurde am 2. Februar 2018 Insolvenz eröffnet. Die Wienwert AG folgte am 16. März 2018. Bereits lang davor waren FMA und Konsumentenschützer wiederholt wegen fragwürdiger Werbebotschaften rund um die ausgegebenen Anleihen gegen das Unternehmen aktiv geworden. (eml)















