Zur Wettbewerbsfähigkeit eines Standortes trägt bekanntlich auch das Steuersystem wesentlich bei. Wie sich zeigt, lautet die Idealformel aus Sicht der Besteuerten dabei nicht unbedingt "je weniger, desto besser". Zwar sagen die hiesigen Führungskräfte, dass die Lohnnebenkosten zu hoch seien und das System zu kompliziert, aber gleichzeitig erachtet die Mehrheit mittlerweile auch ein ökologisch ausgerichtetes Steuerwesen als sinnvoll. Ein enormer Einstellungswandel innerhalb kurzer Zeit, wie die "Tax Survey"-Studie des Beratungsunternehmens Deloitte zeigt.

55 Prozent der befragten Führungskräfte sagen derzeit, dass Maßnahmen zur Ökologisierung des Steuersystems eingeführt werden sollten. Das ist ein deutlicher Wandel in der Wahrnehmung der Entscheider. Noch 2019 hatten sie die Einführung derartiger Maßnahmen eher als nachrangig bewertet. Die Ökologisierung werde "nun nicht mehr als Belastung, sondern vielmehr als Chance wahrgenommen", schreiben die Studienautoren. Nur 16 Prozent sind entschieden gegen Nachhaltigkeitsmaßnahmen bei der Besteuerung, 29 Prozent der Studienteilnehmer geben an, sich nicht sicher zu sein.

CO2-Steuern, dafür keine Belastungen für Individualverkehr
Wenn es um konkrete Maßnahmen geht, liegt an erster Stelle die Ansicht, dass CO2-Steuern Sinn ergeben würden, gefolgt von der Förderung ökologisch sinnvoller Mobilität sowie Prämienzuschüssen für spezifische Maßnahmen. Dahinter rangieren die Ticketabgabe für den Flugverkehr, Öko-Zölle und die Erhöhung der Mineralölsteuer. Als weniger wichtig bewerten die Befragten die Erhöhung der Normverbrauchsabgabe (NoVa) und der motorbezogenen Versicherungssteuer sowie die Entrichtung der Maut für Straßen.

Auch bei der Frage, welche steuerlichen Rahmenbedingungen der Wettbewerbsfähigkeit im Umfeld der Covid-19-Krise am meisten helfen, liegt die Ökologisierung vergleichsweise weit vorn. An erster Stelle steht hier die Forderung der Vereinfachung des Steuersystems, gefolgt von geringeren Lohnnebenkosten, einfacherer Abgabenverwaltung, geringerer Einkommensteuer und der Ökologisierung. Weniger Bedeutung messen die Befragten etwa der Ausweitung von Begünstigungen oder einer Reduktion der Umsatzsteuer ein.

Widersprüchliche Aussagen der Finanzverwaltung
Grundsätzlich ist eine hohe Unzufriedenheit mit dem Steuersystem bemerkbar. Die größten Probleme: 77 Prozent der Befragten nehmen das steuerliche Umfeld im Vergleich zu 2019 als unverändert herausfordernd wahr. Mehr als drei Viertel der Führungskräfte wünschen sich eine Reduktion der Lohnnebenkosten. Fast ebensoviele haben ein hohes Unsicherheitsgefühl wegen unklarer oder widersprüchlicher Interpretationen durch die Finanzverwaltung. Häufige Gesetzesänderungen stellen für 61 Prozent eine Schwierigkeit dar. Hier wünschen sich die Betroffenen mehr Planungssicherheit und weniger organisatorischen Aufwand. (eml)


Für die Studie wurden im Juli und August 2020 österreichweit 232 Führungskräfte vornehmlich aus dem Steuerbereich um ihre Einschätzung der heimischen Steuerlandschaft gebeten. 67 Prozent der Teilnehmer sind in einem international tätigen Unternehmen beschäftigt. 37 Prozent der Unternehmen haben mindestens 250 Mitarbeiter, 21 Prozent beschäftigen zwischen 50 und 249 Personen. 41 Prozent verfügen maximal über 49 Mitarbeiter.