Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hat eine Warnmeldung veröffentlicht, die sich auf Werbung für die Aktie des Büroimmobilienkonzerns Preos bezieht. Die Bundesanstalt habe "den hinreichend begründeten Verdacht", dass auf dem Internetportal Aktiencheck.de Werbeaussagen für die Preos-Aktie und den Preos-Token getätigt würden, die "Verstöße Dritter gegen Artikel 22 Absatz 2 bis 4 der EU-Prospektverordnung darstellen", teilt die Behörde mit.

Die entsprechende Passage der Verordnung besagt, dass in jeder Werbung auf den entsprechenden Prospekt hinzuweisen ist, eine Anzeige klar als solche erkennbar sein muss und die dort verbreiteten Informationen mit denen aus dem Prospekt übereinstimmen müssen.

"Irreführende Aussagen"
Die beanstandete Werbung auf Aktiencheck.de verstößt der Bafin zufolge gegen diese Vorschriften. Mit "hinreichender Wahrscheinlichkeit" werde für die genannten Wertpapiere "mit zumindest irreführenden Aussagen geworben" und die Werbung nicht klar als solche kenntlich gemacht. Auch ein Verweis auf die von der Bafin gebilligten Wertpapierprospekte fehle. Im Hinblick auf die Preos-Token bestehe zudem der Verdacht, dass die Werbeaussagen nicht mit den Prospektangaben übereinstimmen.

Damit ist die Geschichte über Preos um ein Kapitel reicher. Ende vergangenen Jahres hatte FONDS professionell ONLINE öffentlich gemacht, dass der Frankfurter Mutterkonzern Publity Tippgebern hohe Provisionen zahlte, wenn sie ihm Käufer für Preos-Aktien aus dem eigenen Bestand zuführten – auch in Österreich. Jüngst musste die Preos dann einräumen, dass sie die Anteile ihrer Tochtergesellschaft Gore wohl mit einem deutlich geringeren Wert bilanzieren muss als ursprünglich erwartet.

Preos betont, nichts mit der Sache zu tun zu haben
Preos betont auf Anfrage von FONDS professionell ONLINE, nichts mit der Werbung auf Aktiencheck.de zu tun zu haben. Weder das Unternehmen selbst noch aktive oder ehemalige Organe der Firmengruppe hätten die Anzeige beauftragt. Es gebe auch keine Verbindung zu Aktiencheck.de oder dem Werbetreibenden.

Dass sich Preos gegenüber FONDS professionell ONLINE äußert, ist keine Selbstverständlichkeit. Auf mehrere Anfragen der Redaktion in den vergangenen Wochen hatte das Unternehmen nicht reagiert.

Für die "redaktionelle Besprechung" floss Geld
Auf welche Werbung sich die Bafin konkret bezieht, ist offen. Auf Aktiencheck.de findet sich jedoch ein Beitrag, in dem die Preos-Aktie als "Strong Outperformer" eingestuft wird. Am Ende des Artikels steht der Hinweis, Aktiencheck.de habe "eine kostenpflichtige Vereinbarung zur Erstellung dieser redaktionellen Besprechung getroffen". Erwähnt wird auch, dass "die Auftraggeber und/oder deren Mitarbeiter" Preos-Aktionäre seien und daher ein Interessenkonflikt nach Wertpapierhandelsgesetz bestünde. Der Auftraggeber wird sogar genannt, dem Namen nach handelt es sich um ein Beratungshaus aus New York, zu dem sich jedoch keine Firmenwebsite finden ließ.

Der Betreiber des Portals wollte sich gegenüber FONDS professionell ONLINE nicht zum Vorwurf der Bafin äußern, auf Aktiencheck.de würde Werbung veröffentlicht, die gegen die EU-Prospektverordnung verstoße. Auffällig ist jedoch, dass der erwähnte Beitrag mittlerweile Links zu den Preos-Wertpapierprospekten enthält. Vor Veröffentlichung der Bafin-Warnmeldung war das nicht der Fall gewesen. (bm)