Die Konditionen für österreichische Kreditnehmer haben sich im zweiten Quartal 2022 merkbar verschlechtert. Das besagt zumindest die Marktstichprobe des Kreditmaklers Infina unter zwölf regionalen und überregionalen Banken. Laut dem aktuellen "Kreditindex" haben sich besonders Fixzinsbindungen extrem verteuert.

Bei einer Zinsbindung von zehn Jahren und einem Kreditbetrag von 100.000 Euro beträgt der durchschnittliche Nominalzins in der Stichprobe momentan gut 3,2 Prozent. Das sind um 1,5 Prozentpunkte mehr als noch im ersten Quartal 2022, wo der Nominalzins bei 1,7 Prozent lag (siehe Tabelle unten). Zwanzigjährige Fixzinsbindungen verteuerten sich laut den Angaben des Unternehmens um rund 1,3 Prozentpunkte auf knapp 3,3 Prozent.

Variabel wird auch teurer
Auch variabel verzinste Kredite wurden deutlich teurer – nominal steigt der Wert um 34,6 Basispunkte auf knapp 0,98 Prozent. Wobei die Banken ihre Marge durchschnittlich um 10,3 Basispunkte anheben konnten. Das ist laut Infina die höchste Margen-Erhöhung seit dem dritten Quartal 2017. Sechs Institute steigerten ihre Marge. Wobei eine Großbank sogar einen extremen Sprung um einen halben Prozentpunkt wagte. Dem stehen allerdings auch zwei Margensenkungen und vier unveränderte Werte gegenüber.

Effektiv – also das, was die Kreditnehmer am Ende zahlen – verteuerten sich Fixkredite (100.000/zehn Jahre) monatlich seit dem Vorquartal um 77,60 Euro. Im Vergleich zu den ersten drei Monaten des Jahres mussten jüngere Kreditnehmer nur ein paar Wochen später eine jährliche Mehrbelastung von gut 931 Euro hinnehmen. Variable Kredite verteuerten sich effektiv von Q1 auf Q2 nur um 16 Euro monatlich (192 Euro jährlich).

Unterschied zwischen fix und variabel sehr hoch
Damit entsteht in der effektiven Rate, die Kunden zahlen müssen, erstmals seit Langem wieder eine extreme Kluft zwischen variabel und fix. Die Werte waren in den vergangenen Jahren fast zusammengeschmolzen: Zum Beispiel zahlte man noch vor einem Jahr unter den oben genannten Bedingungen für einen durchschnittlichen Fixzinskredit in der Stichprobe monatlich nur rund 20 Euro mehr als für ein variabel verzinstes Pendant, was auch jährlich mit 240 Euro kaum ins Gewicht fiel. Derzeit existiert hingegen zwischen fix und variabel ein Unterschied bei der effektiven Rate von knapp 115 Euro monatlich oder von fast 1380 Euro jährlich.

Digitaler Ausbau
Der Kreditbroker Infina hat nach Eigenangaben im ersten Halbjahr 2022 über seine Plattform ein Kreditvolumen von 918 Millionen Euro abgerechnet. Es handle sich um den bisher höchsten Halbjahreswert für das Unternehmen. Man arbeite momentan an einem "Ausbau der digitalen Integration" mit den Kreditinstituten. So seien kürzlich Schnittstellen zu Bawag und s Bausparkasse realisiert worden; Kreditanträge bei diesen Banken können laut den Angaben damit direkt und durchgehend digital eingereicht sowie geprüft werden. Entspricht der Antrag definierten Produktkriterien, werde innerhalb von Minuten online entschieden.

Das Unternehmen setze auf digitale Prozesse, etwa einen auf künstlicher Intelligenz (KI) basierenden Produkt-Assistenten. Diese Services würden dabei helfen, dass die Kundenberatung aktuell agieren kann, obwohl sich momentan die Zinssätze rasch ändern. Den Banken könne man damit Kreditanträge weiterleiten, die den aktuellen Marktgegebenheiten entsprechen. (eml)