"Das war so wohl nicht zu erwarten", stellt der Kreditbroker Infina in seiner jüngsten Ausgabe des vierteljährlich erscheinenden Infina Kredit Index, kurz IKI, fest. Im zweiten Quartal haben die Notenbankwächter in den USA und Europa die geldpolitischen Zügel weiter gelockert und damit die Zinsen einmal mehr auf Talfahrt geschickt. Das führte vor allem bei langjährigen Fixzinsbindungen zu noch günstigeren Bankkonditionen, zumindest bei einem Neuabschluss von Krediten.

Allerdings hätten noch nicht alle Institute ausreichend auf diese Entwicklung reagiert, berichtet Infina weiter. Im Schnitt sei die Verbilligung nur in etwa zu 50 Prozent an Neukunden weitergegeben worden. Bei den variablen Zinsen hingeben blieben die Sätze fast unverändert.


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In Zahlen ausgedrückt bedeutet das, dass der für zehnjährige Fixzinskredite relevante Zehn-Jahres-Euro-Swapsatz in den vergangenen drei Monaten von den ohnehin niedrigen 0,49 auf 0,14 Prozent zurückgegangen ist. Im Laufe des Junis sei dann auch noch eine leichte Bewegung bei den kurzfristigen Euribor-Sätzen hinzu gekommen, da die europäischen Märkte schrittweise begonnen haben weitere Zinssenkungen einzupreisen.

Haben die variablen Zinsen den Boden erreicht?
Der weitere leichte Rückgang der Euribor-Sätze bewirkte jedenfalls, dass der durchschnittliche variable Nominalzins um weitere 2,6 Basispunkte auf ein neues Rekordtief von 0,89 Prozent zurückgegangen ist. Und das, obwohl die Banken mehrerer Margen-Erhöhungen eingeleitet hatten. "Allerdings standen innerhalb der Marktstichprobe des IKI vier kleinere Margenerhöhungen einer Reduktion um 0,25 Prozentpunkte gegenüber", erklärt der Kreditbroker dazu.

Sieben Institute ließen demnach ihre Aufschläge unverändert. Im Quartalsabschnitt stieg der durchschnittliche Aufschlag deshalb auf den Drei-Monats-Euribor lediglich um einen Basispunkt auf 1,24 Prozentpunkte. Was das wiederrum überkompensierte, war ein Rückgang des Drei-Monats-Euribors um 3,6 Basispunkte auf minus 0,346 Prozent. Größer ist der Zinsrückgang auf Jahressicht. In den vergangenen zwölf Monaten verringerte sich der Nominalzins um 16,3 Basispunkte. Bei einem 100.000 Euro Wohnkredit mit 25-jähriger Laufzeit verbilligte sich die effektive monatliche Kreditrate damit um 7,61 auf 384,43 Euro.

Fixzinskredite verbilligen sich weiter
Schon im ersten Quartal erreichten die Sätze für Fixzinsbindungen bei einem Neuabschluss ein historisches Allzeittief. Doch wegen des Zinssturzes bei den langfristigen Swap-Sätzen wurden die Fixzinskredite einmal mehr günstiger. "Allerdings bildeten manche Institute einen gewissen Sicherheitspolster gegen stärkere Zinsschwankungen. Das bedeutet, dass die Zins-Verbilligungen nicht in voller Höhe bei Neuabschluss weitergegeben wurden", so Infina weiter.

Auch müssten die Kreditinstitute damit rechnen, dass Kreditnehmer, die vor wenigen Jahren eine langjährige Fixzinsbindung zu höheren Zinsen abgeschlossen haben, vereinzelt mit Umschuldungen auf aktuell günstigere Alternativen beginnen.

Wie Infina die Zinsentwicklung in den kommenden Monaten einschätzt
Geht es nach Infina, dürften Häuselbauer jedenfalls auch in der nächsten Zukunft ruhig schlafen können. "Eine wichtige Nachricht kommt aus der EZB: IWF-Chefin Christine Lagarde wird ab November 2019 die neue EZB-Präsidentin. Das bedeutet eine weiterhin expansive Geldpolitik", so Infina weiter. Die Euriborsätze würden das immer mehr einpreisen, und die Aufschläge sollten sich im Schnitt kaum ändern.

Das ergebe bei variablen Krediten sowohl eine Entlastung bestehender Kreditnehmer als auch von Neukunden. Im Falle von Fixzinskrediten werde wohl die eine oder andere Bank ihre Zinsen auf Neukredite noch senken. Wer über solide Bonität und entsprechende Eigenmittel verfügt, habe daher weiterhin Grund zur Freude. "Hingegen bei geringen Eigenmitteln – Basel IV wirft seine Schatten voraus – oder niedrigeren Einkommen wird es zunehmend schwieriger, eine Kreditzusage zu erhalten", so die Innsbrucker abschließend. (cf)


Über den Infina Kredit Index
Der Infina Kredit Indes (IKI) wird als Nominal- und Effektivzins sowie als Monatsrate für einen Wohnkredit in Höhe von 100.000 Euro angegeben. Die enthaltenen Nebenkosten entsprechen marktüblichen Standardwerten gemäß der Hypothekar- und Immobilienkreditgesetz. Für den Index wurden zwei häufig anzutreffende besicherte Wohnkreditfälle unterstellt.

Es wird von folgenden Parametern ausgegangen:

  • Kreditbetrag 100.000 Euro
  • Vertragslaufzeit 25 Jahre
  • Rückzahlung monatliche Pauschalrate

Zu Grunde liegende Kunden beziehungsweise Objektparameter:

  • Neubau, der Wohnbaubank-Bedingungen erfüllt
  • Kunde mit guter Bonität ohne KSV-Eintrag
  • Beleihung von maximal 80 Prozent des Schätzwertes
  • keine Wohnbauförderung

Die Werte des Index entsprechen dem Durchschnitt der Konditionen von zwölf überregionalen sowie regional tätigen Kreditinstituten. Die einzelnen Konditionen ergeben sich entweder aus tatsächlich abgewickelten Fällen oder aufgrund konkreter Anfragen bei den betreffenden Instituten.