Der Frankfurter Fondsanbieter Acatis hält trotz des herben Kurssturzes der Grenke-Aktie an seinem Engagement bei dem Leasing- und Factoring-Dienstleister aus Baden-Baden fest. Das geht aus einer Mitteilung an Vertriebspartner hervor, die FONDS professionell ONLINE vorliegt.

Die Aktie des MDax-Konzerns war abgestürzt, nachdem "Viceroy Research" schwere Betrugs- und Manipulationsvorwürfe gegen Grenke erhoben hatte. Schon am Dienstag (15.9.) waren die Titel um etwa 23 Prozent eingebrochen, am Mittwoch ging es sogar um 40 Prozent nach unten. Das attackierte Unternehmen weist die "Unterstellungen" aus dem Viceroy-Bericht "auf das Schärfste" zurück.

"Die Vorwürfe erscheinen uns nicht stringent"
"Als treuhänderischer Vermögensverwalter sind wir um die Werthaltigkeit der Grenke-Wertpapiere besorgt", hält der von Hendrik Leber gegründete Fondsanbieter fest. Acatis erinnert daran, dass hinter Viceroy Research der Leerverkäufer Fraser Perring steht. Er hatte durch seine Anschuldigungen gegen den mittlerweile insolventen Zahlungsdienstleister Wirecard Bekanntheit erlangt, was mit Blick auf den mutmaßlichen Betrug bei dem ehemaligen Dax-Konzern ungute Erinnerungen weckt. "Als Leerverkäufer hat Fraser Perring ein massives wirtschaftliches Interesse an einem Kursrückgang der Grenke-Aktie", betont Acatis. "Die Veröffentlichung seines Berichts hat diesem Ziel gedient."

Der Frankfurter Vermögensverwalter betont, die erhobenen Vorwürfe geprüft zu haben. Bislang sehe man keine belastbaren Belege für die Anschuldigungen. "Die Vorwürfe erscheinen uns nicht stringent und gleichen einer zusammengesetzten Collage", heißt es in der Acatis-Stellungnahme.

"Großer Unterschied zum Wirecard-Fall"
Einen der zentralen Vorwürfe von Viceroy Research, dass die von Grenke ausgewiesenen Bankguthaben nicht oder nur teilweise existierten, hatte der Finanzierungsdienstleister schon am Dienstagabend zurückgewiesen: Das Guthaben bei der Deutschen Bundesbank betrage aktuell 761 Millionen Euro, was den Großteil der im Halbjahresbericht 2020 ausgewiesenen liquiden Mittel von 1.078 Millionen Euro ausmache. "Allein diese Tatsache konstatiert einen großen Unterschied zum Wirecard-Fall, bei dem sich Guthaben in Milliardenhöhe bei philippinischen Banken als nicht existent herausstellten", betont Acatis.

Grenke hat angekündigt, zu den übrigen Vorwürfen von Viceroy Research Stellung zu beziehen sowie rechtliche Schritte gegen das Unternehmen einzuleiten. "Wir warten diese Stellungnahme ab und werden sie sorgfältig prüfen", erläutert Acatis.

"Grenke-Aktien nachgekauft"
Das größte Einzelengagement in Grenke-Aktien hält das Frankfurter Investmenthaus im Acatis Gané Value Event Fonds. Am 15. September machten Grenke-Aktien dort 4,09 Prozent des Sondervermögens aus. Mit Blick auf die Grenke-Anleihen ist der Rentenfonds Acatis IfK Value Renten am stärksten engagiert: Zuletzt steckten 1,03 Prozent des Volumens in diesen Papieren.

"Wir halten das Unternehmen und sein Geschäftsmodell weiterhin für solide und sehen aktuell keine Veranlassung für eine Reduzierung der Grenke-Positionen in unseren Fonds", schreibt das Team um Leber. "Nach dem gestrigen Kurssturz haben wir weitere Grenke-Aktien nachgekauft." (bm)