Warum in Geldmarkt-ETFs mitunter Aktien stecken
Geldmarkt-Investments erfahren eine Renaissance. Insbesondere im ETF-Mantel weckt das Segment zunehmend Interesse. Doch bei der Abbildung des zugrunde liegenden Marktes schlagen die Anbieter unterschiedliche Wege ein: Manche Geldmarkt-ETFs enthalten Aktien.
Geldmarktfonds schlummerten lange im Dornröschenschlaf. Im Zuge der Niedrigzinspolitik der Notenbanken galt diese Kategorie als unattraktiv. Doch mit der Zinswende des Jahres 2022 hat sich das Blatt gewendet. Zunehmend fließt das Vermögen dabei in das Format des börsengehandelten Fonds (ETF). Die Anbieter reagieren auf den Trend und bringen neue Produkte auf den Markt. Auf den ersten Blick erscheint das Segment einfach zu überschauen. Doch im Detail offenbaren sich Unterschiede.
Zunächst zu den Grundlagen: Die Basis vieler europäischer Geldmarkt-ETFs ist der Referenzzinssatz Euro Short-Term Rate, kurz €STR, der Europäischen Zentralbank. Das stellt jedoch eine Hürde dar. "Der Euro-Übernacht-Zinssatz ist nur synthetisch abbildbar", erläutert Claus Hecher, Leiter des ETF-Vertriebs in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie Nordeuropa bei BNP Paribas Asset Management. Die Anbieter schließen daher ein Tauschgeschäft, Swap genannt, mit einem Handelspartner ab, der die Entwicklung des Leitsatzes liefert.
Was kommt in den Korb?
Zur Absicherung halten die ETFs dafür ein Trägerportfolio, das mit anderen Wertpapieren als Sicherheit bestückt wird. Bei der Wahl der Papiere gibt es unterschiedliche Philosophien. Und hier scheiden sich die Geister. "In den Wertpapierkörben finden sich auch Unternehmens-, Schwellenländeranleihen oder gar Aktien – nichts, was ein eigentlich konservativer Geldmarktfonds enthalten sollte", meint Robert Balzanella, Portfoliomanager sowie Leiter europäischer Geldmarkt und Devisen bei Vanguard.
Welche Anlegergruppe bei Geldmarktfonds in den Fokus rückt, lesen Sie in der vollständigen Version dieses Artikels, der in Heft 1/2026 erschienen ist. Angemeldete Nutzer finden den Beitrag auch hier im E-Magazin.
Sein Haus verfolge einen konservativen Ansatz. "Wir investieren direkt in Geldmarktpapiere – ausschließlich von Staaten oder staatsnahen Emittenten bester Bonität", betont der Experte. Die Regulierer hätten seit der Finanzkrise des Jahres 2008 viel dafür getan, dass Geldmarktfonds keine zu hohen Risiken eingehen, erläutert Balzanella. "Unser Leitprinzip lautet, dass Investoren jeden Tag ihre Fondsanteile verkaufen können, ohne einen Wertverlust fürchten zu müssen", so der Bond-Profi. "Jeden Euro, den ein Anleger uns anvertraut, soll er am nächsten Tag zurückerhalten können."
Zusatzrendite und Steuerfaktor
Die Vertreter der Swap-Fraktion wiederum verweisen auf einen Vorteil, den Aktien im Trägerportfolio mitbringen. "Wir haben uns bewusst für einen Aktienkorb entschieden", erläutert BNP-Vertriebsexperte Hecher. "Dieser liefert eine Zusatzrendite." Denn die Banken müssen die Aktien in ihren Handelsbüchern mit zusätzlichem Eigenkapital unterlegen. "Das ist teuer – und beschert unserem ETF Zusatzeinnahmen."
Damit geht eine weitere Besonderheit einher, die nur für den deutschen Markt gilt, und zwar in steuerlicher Hinsicht. "Da das Trägerportfolio aus Aktien besteht, handelt es sich per Definition um einen Aktienfonds", erläutert Hecher. "Somit erhalten Anleger die erhöhte Teilfreistellung bei der Besteuerung des ETFs."
Neben BNP hält auch Amundi bei seinem Smart Overnight Return ETF Aktien im Portfolio. Die DWS hat mit dem bereits 2007 aufgelegten Xtrackers Euro Overnight Rate Swap ETF nicht nur einen der Veteranen des Segments im Sortiment, sondern der Fonds ist mit einem verwalteten Vermögen von mehr als 20 Milliarden Euro der unangefochtene Marktführer. Das Flaggschiff setzt im Trägerportfolio auf Anleihen. Neben Staatsanleihen aus dem Euroraum finden sich aber auch Rentenpapiere der Türkei sowie Unternehmensbonds im Portfolio. (ert)















