Die Servicegesellschaft Hansainvest hat im Oktober angekündigt, ins Geschäft mit börsengehandelten Fonds (ETFs) einzusteigen. "Wir haben uns die Frage gestellt, ob wir eine Chance verpassen", erläutert Geschäftsführer Jörg Stotz im Gespräch mit FONDS professionell den Schritt. "Tatsächlich kamen wir zu dem Ergebnis, dass es ein Fehler wäre, wenn wir das Feld nicht betreten." Neben dem Hamburger Haus haben zuletzt auch White-Label-Anbieter wie IPConcept oder Universal Investment die Auflage von ETFs angekündigt.

"Generell sind ETFs keine Blase, die irgendwann platzt", sagt Stotz. "Vielmehr handelt es sich um einen Trend, der auch in Zukunft bestehen bleibt und mit dem die Branche umgehen muss." Einige Fondspartner des Hauses hätten signalisiert, sich für aktive ETFs öffnen zu wollen. Die starken Wachstumsperspektive bei aktiven ETFs und die Nachfrage der Kunden hätten den Ausschlag für den Entschluss von Hansainvest gegeben.

"Bei passiven ETFs kein Zugang"
Börsengehandelte Fonds, die Elemente des aktiven Managements umfassen, sind in Europa bisher nur Randerscheinung ein, jedenfalls mit Blick auf das verwaltete Vermögen. So entfallen nur wenig mehr als zwei Prozent des ETF-Volumens auf aktive Strategien. Doch das Wachstum ist hoch. Immer mehr Asset Manager betreten das Feld. In den USA wiederum entfällt bereits ein erheblicher Teil der Mittelzuflüsse in ETFs auf aktive Strategien.

Alle Fondspartner von Hansainvest sind aktive Häuser. "Als Service-KVG für aktive Asset Manager eröffnet sich uns bei passiven ETFs sicherlich kein Zugang", begründet Stotz die Fokussierung auf dieses Segment. "Zumal die Verteilung dieses Marktes unter den großen Häusern sowie die hohe Skalierung bei geringen Margen es auch denen schwer machen, die daran ernsthaft Interesse hätten."

ETFs aus Deutschland
Im Grunde sei für eine Service-KVG für aktive Strategien der Schritt zu ETFs recht simpel, führt der Hansainvest-Chef aus. "Wir administrieren und legen aktive Fonds auf, nunmehr ergänzt um den Börsenhandel", so Stotz. "Daher stellen aktive ETFs eine wunderbare Ergänzung unseres Geschäftsmodells dar." Das Haus müsse keine grundsätzlich veränderten Strukturen aufbauen. Für die Aufgaben der Authorized Participants und der Market Maker seien externe Partner gefunden, deren Dienste die Gesellschaft einkaufe.


Welche weiteren Anbietern im Geschäft mit White-Label-ETFs bereits aktiv sind, wie sich der Markt der aktiven ETFs Entwickelt und wie Leser das Segment einschätzen, lesen Sie im Spezial zu aktiven ETFs, das in Ausgabe 4/2025 erschienen ist. Die Artikel sind nach Anmeldung auch hier im E-Magazin zugänglich.


Die Überwachung der Preisstellung bei den ETFs werde wiederum perspektivisch eine hauseigene Abteilung übernehmen, die sich ohnehin bereits mit Kapitalmarktthemen auseinandersetzt. "Das erfordert Investments in eine gezielte Weiterbildung der Mitarbeiter", meint Stotz. "Die Einstellung neuer Mitarbeiter erwägen wir, wenn der Geschäftszweig wächst." Die Hamburger wollen zudem in Deutschland ETFs auflegen. Größtes Domizil für UCITS-ETFs ist Irland.

Stotz verweist im Gespräch mit FONDS professionell auf einen grundlegenden Wandel in der Investmentwelt, der mit der Verbreitung börsengehandelter Fonds einhergeht. "ETFs stellen im Grunde eine Verkürzung der Lieferkette dar", so der Geschäftsführer. "Das führt zu fundamentalen Veränderungen für den gesamten Fondsvertrieb." Die Investoren erhielten Zugang zu Produkten, ohne dass viele Intermediäre dazwischengeschaltet seien.

"Aktives Management muss bezahlt werden"
Entsprechend sieht der Manager die Veränderungen vor allem im Vertrieb und nur teils bei den Anbietern. "Die Auflage von aktiven ETFs kannibalisiert nicht die Fonds mit aktivem Management, sondern verkürzt die Vertriebswege", betont Stotz. "Die vergleichsweise höheren Preise aktiver Fonds entspringen vor allem dem Vertrieb und nicht den Management-Gebühren." Ein aktiver ETF könne nicht die gleichen Konditionen aufweisen wie ein passiver. "Immerhin fließen hier Research und Know-how ein, was Zeit, Geld und Ressourcen kostet", führt Stotz aus. "Aktives Management muss bezahlt werden."

In einer Hinsicht wird Hansainvest wiederum keinen Strategieschwenk vornehmen. "Wie bei den klassischen Fonds werden wir auch bei ETFs aus geschäftspolitischen Gründen keinen Vertrieb anbieten", so Stotz. "Wir arbeiten mit vielen Fondspartnern zusammen, die vergleichbare Strategien im Sortiment führen. Damit kämen wir in Interessenkonflikte." Das Haus stelle zwar die Kontakte her und leiste eine Vertriebsunterstützung. "Der eigentliche Vertrieb obliegt aber den Partnern", betont Stotz. (ert)