Van-Eck-Vertriebsleiter: "Anleger brauchen kein aktives Management"
Während viele Anbieter in das Segment der aktiven ETFs drängen, bleibt Van Eck bei indexgebundenen Strategien. Ländervertriebschef Florian Körner erläutert die Beweggründe und erklärt, warum aktive Ansätze ohnehin häufig nicht hilfreich für die Performance sind.
Das New Yorker Investmenthaus Van Eck hat sich auf thematische Investments spezialisiert, vorwiegend im Mantel börsengehandelter Produkte. Den Weg ins aktive Management bei diesen Vehikeln will die Gesellschaft derzeit aber nicht einschlagen, berichtet Florian Körner, Vertriebschef für Deutschland und Österreich bei Van Eck. Im Interview erklärt er die Gründe dafür und erläutert, welche Spezialität die New Yorker abseits von Aktien im Sortiment führen.
Herr Körner, immer mehr Fondsgesellschaften betreten das Terrain der ETFs. Die meisten Neueinsteiger setzen auf aktive Strategien. Zieht Ihr Haus da mit?
Florian Körner: Aktive ETFs sind für uns derzeit kein Thema. Unsere Strategien, wie Themen-, Burggraben- oder Dividenden-Ansätze, heben sich ohnehin von denen unserer Wettbewerber ab. Damit bieten wir eine Abweichung von herkömmlichen Indizes, wobei all unsere Produkte einen rein regelbasierten Ansatz verfolgen.
Warum schließen Sie aktives Management dann aus?
Körner: Es kann durchaus Bereiche geben, die sich etwa aufgrund ihrer Struktur oder Handelbarkeit auch für aktive Ansätze eignen. Über die Jahre hat sich aber immer wieder gezeigt, dass ein Eingreifen von Managern nicht gerade hilfreich für die Performance ist – jedenfalls nicht bei der Auswahl einzelner Aktien. Bei Anleihen und der strategischen Asset-Allokation mögen die Ergebnisse vielleicht etwas besser aussehen. Doch über die Aktienselektion bessere Ergebnisse erzielen zu wollen, ist schlichtweg sehr schwierig. Vor diesem Hintergrund würden wir uns gegen die gesicherten Erkenntnisse der Finanzwissenschaft stellen, wenn wir aktives Management verkaufen würden.
Aber die starren Regeln von Indizes können zu Ungleichgewichten in einem Portfolio führen, wie das hohe Gewicht von US-Technologiewerten zeigt. Aktives Management kann da flexibler agieren.
Körner: Da möchte ich widersprechen. Niemand muss sich von passiven Produkten verabschieden, weil die Allokation der großen Standardindizes gerade nicht opportun erscheint. Anleger brauchen kein aktives Management. Sie brauchen nur passive Produkte, die eine etwas andere Herangehensweise aufweisen. Ein Ausweg wären etwa gleichgewichtete Barometer, Dividenden-Konzepte oder ein Weltindex ohne USA – und die Anleger fügen sich dann ihr US-Exposure gezielt hinzu.
Plant Ihr Haus weitere neue Ansätze?
Körner: Wir beschäftigen uns mit der Frage, welche Trends am Kapitalmarkt langfristig Bestand haben werden und nicht nur zu den kurzfristigen Modeerscheinungen zählen. Künstliche Intelligenz wird dazu zählen, aber auch Themen wie Energiesicherheit und Rohstoffversorgung. Zu diesen Bereichen führen wir bereits seit geraumer Zeit Produkte. So gehören unsere ETFs zu den größten Investoren von Goldminen-Aktien.
Wollen Sie auch andere Anlageklassen abdecken, etwa Anleihen?
Körner: Das tun wir bereits. Wir verwalten zwar den Großteil unserer Assets in Aktien-ETFs, jedoch bieten wir auch sieben Anleihe- und drei Multi-Asset-ETFs in unserer europäischen Plattform an. Darunter sind Themen wie Emerging-Market-Bonds oder Fallen-Angels-Strategien. Die Multi-Asset-ETFs decken jeweils relativ statisch eine Risikoausprägung ab. Dabei stellen wir regelmäßig das Ursprungsgewicht wieder her. Eine Besonderheit ist, dass es sich nicht um Dachfonds handelt. Aus der Indexkonstruktion heraus investieren wir hierbei in unterschiedliche Anlageklassen. Dadurch entsteht keine Kostenkaskade wie bei Dachfonds. Zu den Kostenvorteilen gesellt sich zudem eine überzeugende Performance. Bislang hält sich die Nachfrage nach Multi-Asset-ETFs in Europa allerdings eher in Grenzen. Unsere Multi-Asset-Produkte sind bislang auf Euronext und nicht auf Xetra gelistet.
Vielen Dank für das Gespräch. (ert)















