Der Absturz des Krypto-Miners American Bitcoin am Dienstag (2.12.) verlief abrupt. Bereits um 9.31 Uhr an der Wall Street, eine Minute nach Handelsstart, lag die Aktie 33 Prozent im Minus. Fünf Minuten später betrug das Minus 42 Prozent, und bis 9.56 Uhr summierten sich die Verluste auf mehr als 50 Prozent.

Der Einbruch war so spektakulär, dass American Bitcoin schnell zum Sinnbild nicht nur des Krypto-Ausverkaufs Ende 2025 wurde, sondern auch des Niedergangs der zahlreichen Digitalwährungsprojekte, die die Familie Trump im vergangenen Jahr vorangetrieben hatte. Während der breitere Krypto-Markt in den vergangenen zwei Monaten rund 25 Prozent verlor, fielen Projekte mit Trump-Bezug deutlich stärker.

Massive Verluste bei Trump-nahen Krypto-Projekten
World Liberty Financial, mitgegründet von US-Präsident Donald Trump und seinen Söhnen, verzeichnete beim WLFI-Token seit dem Höchststand Anfang September einen Rückgang von 51 Prozent – stärker als Bitcoin und ein Index kleinerer Digitalwährungen. Alt5 Sigma, ein von Trumps Söhnen beworbenes Unternehmen, ist um rund 75 Prozent abgestürzt und kämpft gleichzeitig mit mehreren juristischen Problemen.

Auch die Memecoins, die nach Trump und seiner Frau Melania benannt sind, liegen inzwischen rund 90 und 99 Prozent unter ihren Rekordständen vom Januar. American Bitcoin, das von Eric Trump mitbegründet wurde, fiel nach dem Einbruch am Dienstag insgesamt um 75 Prozent.

Diese Entwicklungen haben das beträchtliche Krypto-Vermögen der Familie Trump, das sie Anfang des Jahres aufgebaut hatte, spürbar geschmälert. Gleichzeitig haben sie eine größere Bedeutung für die gesamte Digital-Asset-Industrie und das öffentliche Bild des US-Präsidenten. Trumps Unterstützung zahlreicher Krypto-Projekte hatte zu Jahresbeginn viele Token angetrieben und den Bitcoin-Kurs zu einer Art Indikator seines politischen Erfolgs gemacht.

Vom Trump-Bonus zum Trump-Abschlag
Nun hat sich dieser frühere "Trump-Bonus" in einen "Trump-Abschlag" verwandelt. Einer der zentralen Faktoren, der Krypto-Assets stabilisiert hatte, ist plötzlich zum Belastungsfaktor geworden – und zeigt, wie schnell das Vertrauen in spekulative Märkte, und sogar in den Präsidenten selbst, erodieren kann.

"Die Trump-Präsidentschaft war für die Legitimität ein zweischneidiges Schwert", meint Hilary Allen, Professorin am Washington College of Law der American University. "Trump begann, eigene Krypto-Projekte zu starten, von denen viele sehr schnell an Wert verloren. Wenn das Ziel war, über die Familie Trump Legitimität zu erreichen, hat das nicht geholfen."

World Liberty Financial und das Unternehmen hinter dem Trump-Memecoin Fight Fight Fight reagierten nicht umgehend auf Anfragen.

Präsident hält sich zurück – Eric Trump verteidigt
Während der Präsident zuletzt seine öffentliche Werbung für Kryptowährungen reduziert hat, machte Eric Trump am Dienstag auf Social Media die schwache Performance von American Bitcoin nicht an Marktbewegungen fest, sondern am Ende einer Lock-up-Periode für Aktien.

"Unsere Fundamentaldaten sind nahezu unübertroffen", schrieb er auf der Social-Media-Plattform X. "Ich bin zu 100 Prozent entschlossen, die Branche anzuführen."

Marktvolatilität ist nichts Neues – aber der Trend ist eindeutig
Scharfe Kursbewegungen bei Trump-nahen Assets sind in einer Branche, die für ihre Volatilität bekannt ist, nicht ungewöhnlich. Digitale Token haben in der Vergangenheit wiederholt starke Einbrüche erlebt, bevor sie sich erholten. Am Dienstag, während American Bitcoin kämpfte, verzeichnete Bitcoin mit einem Anstieg von rund sechs Prozent einen der besten Tage der vergangenen Wochen.

Zu Jahresbeginn schien Trumps Unterstützung jedoch stark genug, um Digitalwährungen aus ihrem ewigen Boom-and-Bust-Zyklus herauszulösen und ihnen einen stabileren Platz im Finanzsystem zu verschaffen. Viele Krypto-Anhänger glaubten, der Präsident habe genug Einfluss, um den Erfolg "seiner" Projekte sicherzustellen.

Cross-Promotion schien zunächst zu wirken
Eine Zeit lang funktionierten die gegenseitigen Promotionen tatsächlich. Anhänger des Präsidenten kauften Trump-Token und trieben deren Preise nach oben. Die Aktien von Gryphon Digital stiegen um 173 Prozent, nachdem das Unternehmen im Mai die Fusion mit Eric Trumps American Bitcoin angekündigt hatte. Am ersten Handelstag nach dem Zusammenschluss im September legten die American-Bitcoin-Aktien weitere 16 Prozent zu.

Alle Projekte profitierten von politischen Maßnahmen und regulatorischen Veränderungen, die Trump unterstützte – darunter Gesetzesinitiativen zur stärkeren Etablierung von Stablecoins, die an den US-Dollar gekoppelt sind.

Warnsignale nahmen zu
Die Memecoins, die kurz vor der Amtseinführung mit viel Promotion des Präsidenten gestartet waren, verloren jedoch stetig an Schwung. Es gab nur vereinzelte Erholungen, etwa im April, nachdem Trump den größten Inhabern des Tokens ein gemeinsames Abendessen angeboten hatte.

Joel Li, CEO eines Online-Marktplatzes für Elektrofahrzeuge, kaufte den Memecoin, um am Dinner teilnehmen zu können, verkaufte aber kurz danach wieder. Aus seiner Sicht verschlechterte sich die Stimmung besonders nach den neuen Zöllen gegen China, die Trump im Oktober verhängte. "Die Leute begannen zu merken: Das ist vielleicht nicht das, was sie dachten", sagte Li. Der langjährige Krypto-Investor Michael Terpin formulierte es so: "Trump gibt und Trump nimmt."

Milliardenverlust für Trump – größte Schäden bei Kleinanlegern
Seit Oktober sind durch den Abwärtstrend mehr als eine Milliarde Dollar des Vermögens verloren gegangen, das die Trumps mit ihren Krypto-Initiativen und anderen Geschäften aufgebaut hatten. Laut "Bloomberg Billionaires Index" sitzen sie dennoch auf erheblichen Gewinnen. Die größten Verluste tragen Kleinanleger, die nahe der Höchststände eingestiegen waren. (mb/Bloomberg)