Ohne die Offenlegung negativer Auswirkungen aller Investmentfonds bleibt die nachhaltige Geldanlage unvollständig. Davon ist Rosl Veltmeijer überzeugt, Portfoliomanagerin bei Triodos Investment Management.

"Nachhaltige Geldanlage lebt von Glaubwürdigkeit. Ob ein Finanzprodukt wirklich verantwortungsvoll ist, zeigt sich nicht nur an seinen positiven Beiträgen, sondern ebenso an den Schäden, die es verursacht", schreibt Veltmeijer in einem aktuellen Marktkommentar. Erst wenn beides sichtbar sei, könnten Anleger ihr Kapital bewusst lenken. Genau an dieser Stelle setze die EU-Offenlegungsverordnung (Sustainable Finance Disclosure Regulation, SFDR) an. "Und genau hier zeigt sich auch, wo sie bislang zu kurz greift", meint Veltmeijer.

"Ein großer Teil des Marktes entzieht sich der Kategorisierung"
Mit der SFDR will die EU mehr Transparenz schaffen und Greenwashing eindämmen. Im November 2025 legte die Europäische Kommission Vorschläge für Anpassungen an der Verordnung vor. Unter anderem möchte sie drei Produktkategorien einführen: "Sustainable", "Transition" und "ESG Basics". Diese sollen die bisherige Klassifizierung nach Artikel 6, 8 und 9 ersetzen. Jüngst nahm das Europaparlament zu den Plänen der Kommission Stellung.

Triodos IM begrüße die "strengeren Anforderungen an Engagement und taxonomiekonforme Aktivitäten", betont Veltmeijer. "Damit werden nachhaltigkeitsbezogene Produkte klarer definiert." Doch ein Kernproblem bleibe: "Ein großer Teil des Marktes entzieht sich dieser Kategorisierung und unterliegt damit weiterhin deutlich geringeren Transparenzanforderungen."

Keine Information – kein Schaden? So einfach ist es nicht
Während Nachhaltigkeitsfonds nämlich detailliert über potenzielle und tatsächliche negative Auswirkungen ihrer Investments berichten müssten, sei dies für herkömmliche Fonds nicht vorgesehen. Für Privatanleger entstehe so leicht ein falscher Eindruck, befürchtet Veltmeijer – nach dem Motto: Wo keine Informationen vorliegen, entsteht auch kein Schaden. "Zugleich geraten ausgerechnet jene Produkte ins Hintertreffen, die sich um Offenheit bemühen und ihre negativen Wirkungen transparent machen", so die Portfoliomanagerin.

Das Europäische Parlament schlägt nun vor, dass herkömmliche Fonds einen Disclaimer nutzen sollten, der besagt, dass sie nicht den EU-Standards für nachhaltige Finanzprodukte und Greenwashing-Schutz entsprechen. "Das ist zwar ein Fortschritt, ersetzt aber keine konkrete Information über tatsächliche Belastungen für Umwelt und Gesellschaft", meint Veltmeijer.

PAI-Offenlegung für alle Fonds gefordert
Die Lösung liegt ihrer Meinung nach nahe: Der Berichtsentwurf sehe für Nachhaltigkeitsprodukte die verbindliche Offenlegung einiger "Principal Adverse Impact Indicators" (PAIs) vor, um negative Auswirkungen quantifizieren zu können. Diese Pflicht müsse für alle Anlageprodukte gelten, unabhängig davon, ob sie als "Sustainable", "Transition", "ESG Basics" oder gar nicht kategorisiert sind, fordert die Triodos-IM-Managerin. "Nur dann entsteht ein Umfeld, in dem Anleger Finanzprodukte nach ihren tatsächlichen Schäden beurteilen können und nicht nur nach ihrer Vermarktung." (fp)