Der Blick auf Top-Flop-Rankings verrät, welche Branchen an der Börse gerade angesagt sind – und welche nicht. Aktuell wirft eine solche Rangliste aber Fragen auf, zumindest beim ersten Hinsehen: Angeführt wird das Ranking der Bestperformer über sechs Monate nämlich von einem Energiefonds (Stand: 9.10.2020). Und unten auf der Liste? Finden sich auch Energiefonds!

Konkret führt aktuell der BNP Paribas Energy Transition die vom Datenanbieter Mountain View geführte Rangliste an: Auf Sicht von sechs Monaten hat er seinen Anlegern ein Plus von satten 130,3 Prozent beschert. Mit dem iShares Global Clean Energy, der im gleichen Zeitraum 106,8 Prozent zugelegt hat, findet sich ein weiterer Energiefonds auf Platz vier des Rankings.

New vs. Old Energy
Wer dagegen den Amundi ETF MSCI Europe Energy im Depot hat, muss laut Mountain View auf Sicht von einem halben Jahr ein Minus von 20,1 Prozent verkraften – so viel wie mit keinem anderen Aktienfonds mit Zulassung in der DACH-Region. Auch die Sondervermögen auf den Plätzen davor tragen die Energie im Namen: SPDR MSCI Europe Energy (-19,1%), BGF World Energy (-15,5%), Amundi I.S. MSCI World Energy (-14,5%) und Lyxor MSCI World Energy (-14,4%).

Dem aufmerksamen Leser ist schon aufgefallen, wo der Unterschied liegt: Die Produkte, die gerade besonders gut laufen, gehören in die New-Energy-Ecke, die mit der lahmen Performance in die klassische Energiebranche.

Erst seit Corona schnellt der Kurs nach oben
Größte Position des BNP Paribas Energy Transition war zuletzt die Aktie von Sunnova Energy, einem Anbieter von Solar- und Energiespeicherdiensten für Privathaushalte. Prominent im Portfolio vertreten sind auch das Unternehmen Workhorse, das elektrisch betriebene Lieferwagen herstellt, und Brennstoffzellen-Spezialisten wie Ballard Power Systems oder Plug Power. Laut Factsheet sind nur 3,2 Prozent des Portfolios dem klassischen Energiesektor zuzuordnen.

Interessanter Nebenaspekt: In den vergangenen Jahren lief der zuletzt 468 Millionen Euro schwere Fonds seinem Referenzindex, dem MSCI AC World, meist hinterher. Im September 2019 läutete der Asset Manager einen Strategiewechsel ein und installierte mit Ulrik Fugmann und Edward Lees ein neues Manager-Duo. Zwar sackte der Kurs auch im Corona-Crash im Frühjahr deutlich ab, seither aber schnellt er förmlich nach oben – und hat die über die Jahre aufgebaute Minderperformance innerhalb weniger Monate mehr als wettgemacht.

Schuld ist der Ölpreis
Der Amundi ETF MSCI Europe Energy dagegen folgt definitionsgemäß stur seinem namensgebenden Index, in dem die größten Titel Total, BP und Royal Dutch Shell heißen. Der Index konnte sich zunächst einigermaßen vom Corona-Crash erholen, ist seit Juli aber wieder auf Talfahrt. Viel fehlt nicht mehr, und das im März erreichte Tief wäre erneut erreicht. Schuld ist natürlich der Ölpreis, der auf einem historisch niedrigen Niveau verharrt.

So zeigt der Blick auf das Top-Flop-Ranking auch dieses Mal zuverlässig, welche Branche in der Anlegergunst gerade besonders hoch und welche besonders tief steht. Dass beide "Energy" im Namen tragen, ist kein Zufall. Sondern eher ein Signal dafür, was viele Investoren erwarten: Die Ablösung des einen durch den anderen Energiesektor. (bm)