In den USA boomen seit einigen Monaten sogenannte SPAC (Special Purpose Acquisition Company), börsennotierte Akquisitions-Unternehmen. Laut Medienberichten wurden allein im ersten Quartal 2021 mehr SPACs an die Börse gebracht als im gesamten Vorjahr.

Bei SPACs handelt es sich quasi um "Blanko-IPOs". Mit dem Anlegergeld werden in weiterer Folge zuvor noch nicht definierte Firmen übernommen. Damit gelangen die übernommenen Unternehmen quasi über die Hintertür an die Börse. Über den selben Weg kommt nun offenbar auch der Online-Sporthändler "Signa Sports United GmbH" (SSU), hinter dem der österreichische Investor René Benko steht, ans New Yorker Handelsparkett. SSU hat vor einigen Tagen mit dem US-SPAC Yucaipa Acquisition Corporation (YAC) eine Übernahmevereinbarung geschlossen. Voraussichtliche Bewertung: rund 3,2 Milliarden US-Dollar. Mit dem Geld, das Yucaipa von den Anlegern bekommen hat, will SSU in den USA und in Europa wachsen.

"Massive Gebühren, fragwürdige Bewertungen"
Für Anleger bergen Investitionen in solche Firmenhüllen erhebliche Gefahren, davor haben Beobachter bereits mehrfach gewarnt. "Massive Gebühren, fragwürdige Bewertungen und Zeitdruck schaffen ein erhebliches Risiko für den Anleger, das er teuer bezahlt", sagt nun auch Florian Beckermann, Vorstand des Interessenverbands für Anleger (IVA). "Das ist in der Regel nichts für den nachhaltigen Privatinvestor".

Das meist "hochbezahlte SPAC-Management" erhalten einen Blankoscheck, das Kapital in zwei Jahren auszugeben. Im Jahr 2020 hätten nur zehn Prozent der SPACs überhaupt Kursgewinne verzeichnet. Es gebe außerdem vermehrt Leerverkäufer-Angriffe auf diese Firmen. "Hinzu kommt, dass die teils merkwürdig-hohen Bewertungen der Targets von US-Regulatoren immer stärker hinterfragt werden. Es ist in der Tat nicht nachvollziehbar, warum die regulatorische Kontrolle für den später festgelegten Unternehmensgegenstand schwächer sein soll als beim regulierten IPO", so Beckermann.

Wesentliche Einnahmequelle für Investmentbanken
In den USA notieren laut IVA bereits über 400 solcher Vehikel mit einer Bewertung von 130 Milliarden US-Dollar. IPOs dieser Vehikel sorgen demnach im ersten Quartal 2021 bereits für 20 Prozent der Einkünfte der US-Investmentbanken. "Nun drängen SPACs vermehrt auf den europäischen Markt. Der IVA empfiehlt das Studium der Angebotsunterlagen vor einem Investment in ein SPAC und im Zweifel, die Finger davon zu lassen", heißt es beim Verband.

Auch das Handelsblatt berichtete unlängst, wie der Boom der Börsenmäntel die Gewinne der Wall-Street-Banken antreibt. SPACs verhalfen laut dem Bericht JP Morgan Chase zum besten ersten Quartal überhaupt mit einem Nettogewinn von 14,3 Milliarden Dollar. Das sei fast fünfmal mehr als ein Jahr zuvor. (eml)