Studie: Europäische Fonds werden größer – und günstiger
Der Fondsmarkt in Europa gilt gerade im Vergleich zum US-Pendant als zersplittert und teuer. Doch dies ändert sich kontinuierlich, betont die Branchenlobby Efama und verweist auf ihre jüngste Auswertung. Demnach gewinnen UCITS-Vehikel an Volumen, während die Kosten fallen.
In Europa beheimatete Investmentfonds werden im Schnitt immer günstiger. Zu diesem Ergebnis kommt die jährliche Analyse des Branchenverbands Efama. Demnach kosteten Fonds im UCITS-Mantel, Geldmarktvehikel ausgenommen, mit aktivem Managementansatz im Jahr 2024 1,02 Prozent per annum. Im Vorjahr waren es 1,06 Prozent gewesen und im Jahr 2020 noch 1,11 Prozent.
Auch bei passiven UCITS setzte sich der Trend fort, wenngleich in bereits deutlich engerem Rahmen. So wiesen 2024 Indexfolger im Schnitt 0,20 Prozent an Gebühren aus, im Vorjahr waren es 0,21 Prozent und 2020 noch 0,22 Prozent gewesen. "Die Kosten für langfristige UCITS sinken kontinuierlich", sagte Efama-Analystin Vera Jotanovic bei der Präsentation der Auswertung. "Die Hauptgründe sind eine größere Transparenz sowie eine schärfere Konkurrenz im Markt."
Schwenk zu passiv
Diese kommt vor allem von günstigen börsengehandelten Fonds (ETFs). "Der Schwenk der Anleger zu passiven Produkten setzt sich fort", ergänzte Efama-Analyst Thomas Tilley. Der Marktanteil passiver UCITS, Geldmarktfonds ausgenommen, kletterte gegenüber dem Vorjahr um drei Prozentpunkte auf 29 Prozent. Im Jahr 2020 hatte der Anteil der Indexfolger bei 20 Prozent und 2014 lediglich bei elf Prozent gelegen. Bei Aktienfonds etwa entsprangen 2024 die Nettomittelzuflüsse allein ETFs, während aktive Fonds hier Abflüsse erlitten.
Daneben werden die Fonds im Schnitt immer größer. "Dem europäischen Markt wird oft vorgehalten, dass es hier zu viele kleine Fonds geben würde", sagte Tilley. Doch tatsächlich sinke der Anteil von Fonds mit einem Volumen von weniger als 100 Millionen Euro, während der Marktanteil großer Portfolios zunehme, betonte der Branchenvertreter.
Weltweite Fangemeinde
Konkret nahmen 2024 Fonds mit einem Volumen von mehr als zehn Milliarden Euro ein Viertel des Gesamtmarkts ein, im Vorjahr waren es nur 19,3 Prozent, 2020 17,4 und 2014 lediglich 12,5 Prozent gewesen. Portfolios mit einem Volumen von weniger als 100 Millionen Euro machten im vergangenen Jahr nur 3,1 Prozent des Marktes aus. 2020 waren es noch 4,3 und 2014 noch 6,4 Prozent gewesen.
Weiterhin wird die Anlegerschaft von UCITS-Vehikeln immer internationaler. So hielten Investoren von außerhalb der Europäischen Union im vergangenen Jahr 26,4 Prozent des UCITS-Volumens. 2020 war es ein Viertel, und 2014 waren es 23,8 Prozent gewesen. Daneben stieg auch innerhalb der EU der Anteil der grenzüberschreitenden Fondsinvestitionen. So entfielen 2024 28,3 Prozent des Fondsvolumens auf Anleger aus anderen EU-Staaten abseits des jeweiligen Fondsheimatlands. Der Anteil hatte vor zehn Jahren lediglich bei 24,3 Prozent gelegen.
Privathaushalte kaufen zu
Die bedeutendsten Anleger in Investmentfonds waren in der EU im vergangenen Jahr Versicherer und Pensionskassen mit 30,6 Prozent. An zweiter Stelle standen Privathaushalte mit 26,7 Prozent. 2024 war mehr als die Hälfte der Nettomittelzuflüsse in Höhe von insgesamt 450 Milliarden Euro auf Privathaushalte entfallen. An dritter Stelle folgten mit 25 Prozent andere Fonds, deren Anteil in den vergangenen Jahren ebenfalls kontinuierlich gewachsen ist. "Fondsmanager greifen für die Umsetzung ihrer Strategien zunehmend auf ETFs zurück", erklärte Tilley diese Entwicklung. (ert)















