In Deutschland und Österreich aktive Asset Manager beziehen bei ihren Investments bereits in der Breite Nachhaltigkeitsrisiken ein. Zu diesem Ergebnis kommt eine Erhebung des Fachverbandes Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG).

"Knapp 70 Prozent der Umfrageteilnehmer haben angegeben, ESG-Integration auf mehr als 80 Prozent aller verwalteten Fonds anzuwenden", teilt der Verband mit. Auch der Blick auf die Anlageklassen zeuge von einer breiten Anwendung: Rund 47 Prozent der Teilnehmer decken neben Aktien und Anleihen noch weitere Assetklassen ab.

"ESG-Integration ist bereits Standard"
Das Volumen verantwortlicher Investments beträgt in Deutschland und Österreich laut FNG-Marktbericht 2020 mittlerweile rund 1,7 Billionen Euro. "ESG-Integration ist in Deutschland und Österreich bereits Standard bei Investments", sagt FNG-Vorstand Helge Wulsdorf. "Der Trend zu immer mehr ESG-Integration bei konventionellen Fonds wird durch die qualitative Erfassung nun erstmals greifbar."

Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Unterscheidung zwischen "verantwortlichen" und "nachhaltigen" Investments, die das FNG trifft. In die zweite Kategorie fallen nur Fonds, die eine explizite Nachhaltigkeitsstrategie verfolgen. Zur ersten Kategorie zählen dagegen auch Portfolios, für die nur einfache Ausschlusskriterien gelten oder bei denen während der Titelauswahl gewisse ESG-Kriterien berücksichtigt werden – oft aus Gründen des Risikomanagements.

"Nicht einfach per Knopfdruck umsetzbar"
Das FNG begrüßt, dass die ESG-Integration schon so weit fortgeschritten ist, sieht aber dennoch Nachholbedarf, insbesondere bei der durchgängigen Implementierung in bestehende Prozesse. Insbesondere in den IT-Systemen seien ESG-Kriterien noch nicht ausreichend integriert worden, moniert der Verband.

"ESG-Integration lässt sich nicht einfach per Knopfdruck für alle Investments umsetzen", erläutert FNG-Vorstand Matthias Stapelfeldt. "Es handelt sich um einen langfristigen Prozess, bis die ESG-Kompetenz auch alle unterstützenden Bereiche eines Finanzdienstleisters systematisch erfasst hat. Deutlich wird dies insbesondere an der fehlenden Implementierung in die IT-Systeme." Lobende Worte findet Stapelfeldt für die Tatsache, dass die meisten Asset Manager schon gezielt auf die ab März 2021 geltende EU-Regulierung zu den Offenlegungspflichten reagiert hätten. (bm)