Der bekennende Warren-Buffett-Fan Hendrik Leber hatte eine Revolution des Value-Stils ausgerufen. Das Tempo des technologischen Wandels erodiere die klassische Basis dieser Strategie. Lebers Konsequenz: mehr Technologie – sowohl bei den Investmentzielen als auch bei Anlageentscheidungen selbst. So hat das Haus jüngst einen weiteren Fonds aufgelegt, der die Trend-Technologien künstliche Intelligenz (KI) und Big Data nutzt, also die Verarbeitung großer Datensätze.

Für den Acatis AI Buzz US Equities arbeiten die Frankfurter mit dem kanadischen Hedgefondsmanager Jamie Wise zusammen, der die Gesellschaften Periscope Capital und Buzz Indexes gründete und leitet. Mit dem neuen Fonds stellt Leber neben KI und Big Data vor allem auf die Sentiment-Analyse ab. Die Systeme der Kanadier werten dazu die Trends in Aktien-Diskussionsforen und Plattformen wie Twitter oder dessen Finanz-Pendant Stocktwits aus.

Spracherkennung filtert Stimmungslage heraus
Dazu durchforsten die Rechner der Kanadier Millionen von Beiträgen und Kurznachrichten im Internet. Gleich mehrere Spracherkennungsprogramme destillieren dann ein Stimmungsbild zu einzelnen Aktien heraus. Sogenannte Ensembler fassen die Ergebnisse der verschiedenen Programme dann zu einem einheitlichen Tenor zusammen, der auf die Einschätzungen "bullish", "bearish" oder "neutral" verdichtet. Die 75 Aktien mit der besten Stimmungslage gelangen in den Buzz Next-Gen AI US Sentiment Leaders Index – und in die dann Lebers neuer Fonds investiert.

Obendrein filtern die Macher das Aktienuniversum vor. So stehen nur an den großen US-Börsen gelistete Papiere mit einer Marktkapitalisierung von mindestens fünf Milliarden Dollar sowie einem Tagesumsatz von mindestens einer Million Dollar im Schnitt der vergangenen drei Monate zur Auswahl. Zudem muss je Aktie eine Mindestzahl an Erwähnungen in den sozialen Netzwerken über die vergangenen zwölf Monate vorliegen. Derzeit qualifizieren sich 350 Werte für das Universum.

Konsens der Masse
Der Index – und damit der Fonds – wird einmal im Monat neu bestückt. Die Strategie stellt allein auf das Sentiment ab: Rangiert eine Aktie nicht mehr unter den Top-75 der Stimmungslage, fliegt sie aus dem Index – egal ob ein Kursgewinn eingefahren wurde oder nicht. Fundamentale Erwägungen oder Kursziele spielen bei der Strategie keine Rolle. Per Ende Juli lagen Tech-Riesen wie Amazon, Apple oder Alphabet sowie Netflix und Blackberry in dem Portfolio. Aber auch Klassiker wie AT&T, General Electric oder Nike und Walt Disney lagen in dem Fonds. Acaits betont selbst, dass diese Strategie in bestimmten Marktphasen eine Outperformance erzielen kann, insbesondere in schwierigen Zeiten aber hinterherhinken kann.

Noch sind Fonds, die alleine auf die Datenauswertung setzten, eher selten. In Deutschland legte etwa die Boutique Catana Capital einen Publikumsfonds auf. Der wurde aber bereits wieder geschlossen, da das nötige Volumen nicht eingespielt wurde, um den Fonds wirtschaftlich zu betreiben. Catana konzentriert sich nun auf Mandate, die bereits vor dem Fondsstart erfolgreich gemanagt wurden, hieß es. Acatis hat selbst bereits KI-Fonds im Sortiment. (ert)