Nur drei von 101 analysierten Nachhaltigkeitsfonds erfüllen die aktuell diskutierten Kriterien für das EU-Ecolabel. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im Auftrag der Europäischen Kommission.

Das EU-Siegel wurde 1992 eingeführt, um umweltfreundliche Alltagsprodukte zu kennzeichnen, etwa Waschmittel, Windeln oder Lacke. Die Europäische Union möchte es nun auf Finanzprodukte ausweiten. Das soll dabei helfen, die ehrgeizigen Klimaziele zu erreichen. Das Joint Research Center der EU-Kommission hat entsprechende Kriterien ausgearbeitet, die in der Finanzwelt jedoch auf Kritik stoßen. Auf Druck der Branche gab die Kommission deshalb die erwähnte Studie in Auftrag, um zu ermitteln, wie viele existierende Fonds sich für das Ecolabel qualifizieren würden. Sprich: Sind die Kriterien überhaupt praxistauglich? (Lesen Sie hierzu auch den Kommentar von FONDS professionell-Chefredakteur Bernd Mikosch: "Ein Siegel für die grüne Nische?")

Konzentration auf zwei von sechs Umweltzielen
Die Autoren, darunter Wissenschaftler der Frankfurt School of Finance & Management, wählten für ihre Studie 101 nachhaltige Aktienfonds aus. 51 davon tragen ein qualitatives Nachhaltigkeitsrating, etwa das Österreichische Umweltzeichen oder das FNG-Siegel. Die restlichen 50 werden als "grün" vermarktet, ohne eine solche Auszeichnung zu tragen.

Dass nur drei dieser Fonds den aktuell diskutierten Kriterien für das Ecolabel entsprechen, hat mehrere Gründe. Ein wichtiger Aspekt sind fehlende Daten. Denn das Ecolabel orientiert sich an der Taxonomie, also dem Klassifizierungssystem der EU für ökologisch nachhaltiges Wirtschaften. Der Geschäftszweig eines Unternehmens darf als "grün" gelten, wenn er zu einem von insgesamt sechs ökologischen Zielen beiträgt. Bislang liegen allerdings erst die technischen Kriterien für zwei dieser Ziele vor, nämlich den Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawandel. Anfangs kann das Umweltzeichen also nur auf diese beiden Aspekte abzielen.

Relevante Unternehmensdaten sind noch Mangelware
Der aktuelle Entwurf sieht vor, dass Aktienfonds mit Ecolabel mindestens 20 Prozent ihres Geldes in Unternehmen investieren, die ihren Umsatz mindestens zur Hälfte aus "grünen" Geschäftsfeldern erwirtschaften, bei weiteren 40 Prozent muss wenigstens ein Fünftel der Erlöse taxonomiekonform sein. Relevante Unternehmensdaten, um nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten im Sinne der EU-Taxonomie zu identifizieren, sind allerdings noch Mangelware.

Der Anteil der Fonds, die sich für das Ecolabel qualifizieren, könnte mit besseren Daten und weiteren Taxonomie-Details zwar steigen, schreiben die Autoren. Allerdings geben sie zu bedenken, dass für ihre Studie einige weitere Aspekte der Taxonomie unberücksichtigt blieben. Das Regelwerk sieht beispielsweise soziale Mindeststandards vor, außerdem gilt das "Do No Significant Harm"-Prinzip (DNSH): Als nachhaltig gilt eine Wirtschaftsaktivität nur dann, wenn sie nicht ein anderes Umweltziel erheblich beeinträchtigt. Die Berücksichtigung des DNSH-Ansatzes und der Mindestvorgaben könnte die Zahl der potenziellen Ecolabel-Fonds drücken, meinen die Autoren.

Auch in Szenariorechnungen steigt die Zahl der Ecolabel-Fonds kaum
Um trotz der mangelnden Daten zumindest für die beiden Umweltziele "Klimaschutz" und "Anpassung an den Klimawandel" zu belastbaren Ergebnissen zu kommen, zogen die Wissenschaftler Zahlenmaterial externer ESG-Datenanbieter heran. Dennoch blieben nur sieben Fonds übrig, die sich in mindestens einem von drei Szenarien für das Ecolabel qualifizieren – nicht alle davon sind in Österreich oder Deutschland zum Vertrieb zugelassen:

  • Luxembourg Selection Fund-Solar & Sustainable Energy (ISIN LU0405846410)
  • Luxembourg Selection Fund - Active Solar (ISIN LU0377296479)
  • Quaero Capital Accessible Clean Energy (ISIN LU1710458198)
  • Lyxor New Energy UCITS ETF (ISIN FR0010524777)
  • Green Benefit Global Impact Fund (ISIN LU1136260384)
  • Guinness Sustainable Energy Fund (ISIN IE00B2PGVJ29)
  • Kepler Umwelt Aktienfonds (ISIN AT000UMWELT5)

Die drei erstgenannten Fonds würden die vorgeschlagenen Ecolabel-Kriterien bereits erfüllen, die anderen wären in mindestens einem der beiden etwas großzügigeren Szenarien dabei. Der Kepler-Fonds ist übrigens der einzige, der mit einem nationalen Öko-Siegel ausgezeichnet wurde, in diesem Fall mit dem Österreichischen Umweltzeichen.

"Obwohl wir ein EU-weites Siegel befürworten, befürchten wir, dass die derzeit diskutierten Kriterien des Öko-Siegels viel zu ehrgeizig sind", so ein Sprecher des deutschen Branchenverbands BVI auf Anfrage von FONDS professionell ONLINE. "Das gilt insbesondere für die Schwellenwerte für grüne Investitionen in Übereinstimmung mit der Taxonomie und die langen Listen mit Ausschlusskriterien. Dies müsste das Anlageuniversum und damit die Risikostreuung erheblich einschränken." (bm)