Schwellenländer haben bei Anlegern derzeit einen schweren Stand. "Die aktuellen Entwicklungen liefern aber keinen Grund, sich generell von Schwellenländern abzuwenden", sagt Martin Moryson, Chefvolkswirt von Sal. Oppenheim. "Allerdings sollte man die Risiken neu bewerten." Zum Beispiel werde man sich in China an niedrigere Wachstumsraten gewöhnen müssen, weil der Umbau des Wirtschaftsmodells das Land noch einige Jahre beschäftigen werde.

Moryson sieht neben dem abgeschwächten Wachstum in China einen weiteren Grund für die derzeitigen Probleme: "Gerade vielen rohstoffreichen Ländern ist es in den letzten Jahren nicht gelungen, die günstigen Bedingungen des Rohstoffbooms für einer Modernisierung der heimischen Wirtschaft zu nutzen." Beide Entwicklungen strahlten auch auf den Welthandel aus: "Der Welthandel wächst langsamer als die globale Wirtschaft", beobachtet Moryson. Die Exporte vieler Schwellenländer seien rückläufig, die USA importierten weniger Energie, China stelle immer mehr Produkte selbst her.  

Schwellenländer differenziert betrachten
Auch der Wachstumsimpuls, den die Schwellenländer an die Industrieländer abgeben, werde schwächer: "Es ist nicht zu leugnen, dass die Risiken für die wirtschaftlichen Aussichten zugenommen haben und eine stärkere Wirkung entfalten könnten", sagt der Chefvolkswirt. "Es wäre jedoch falsch, alle Schwellenländer abzuschreiben." Zum einen bleibe das Wachstumspotenzial in diesen Regionen langfristig hoch, zum anderen müsse man einzelne Länder differenziert betrachten. (fp)