In Österreich soll bald die Beteiligung an Unternehmen erleichtert werden. Die Regierung arbeitet daran, das international etablierte Modell der SICAV bereits im ersten Quartal 2022 auch in Österreich einzuführen. Das geht aus dem Resilienzplan hervor, der den Weg der Wirtschaft aus dem Corona-Desaster skizziert.

Ein SICAV-Modell würde es ermöglichen, dass Investoren den Unternehmen unkompliziert Kapital zur Verfügung stellen. Florian Beckermann, Vorstand des Interessenverbands für Anleger (IVA), spricht von einer "Jahrhundert-Chance für heimische Anleger". Die Einführung dieser Rechtsform sei "überfällig".

Unkomplizierte Beteiligung
Die SICAV ist im Gegensatz zur AG eine Investmentgesellschaft mit veränderlichem Grundkapital – es können jederzeit neue Aktien ausgegeben werden. Das auch im Unterschied zur österreichischen Mittelstandsfinanzierungsgesellschaft, die eine AG oder GmbH sein muss. Das Gesellschaftskapital kann also flexibel erhöht werden, es können beliebig Anleger ein- oder durch Abtausch der Anteile wieder aussteigen. Damit werden KMU-Beteiligungen in Österreich weitergabefähig. Anders als ein Investmentfonds handelt es sich bei der SICAV nicht um Sondervermögen, sondern um eine eigene Rechtsform, als Investor ist man Miteigentümer und nicht nur am Fondsvermögen beteiligt.

Mehrere Länder haben diese als besonders flexibel geltende Gesellschaftsform der SICAV (franz: société d'investissement à capital variable), eingeführt: Frankreich, Italien, Spanien, die Schweiz oder Deutschland etwa. Vor allem aber gilt die Luxemburger SICAV als internationaler "Goldstandard" auf dem Gebiet der Wagniskapitalanlagen.

Bereits im Regierungsprogramm
Ein wenig beachteter Aspekt ist, dass bereits das türkis-grünen Regierungsprogramm die Einführung einer "Gesellschaftsform für den alternativen Investmentfonds nach Vorbild SICAV" vorsieht. Freilich ohne genauere (Zeit-)Pläne. Nun arbeitet das Finanzministerium aber konkret daran. "Die Ausgestaltung soll unter Berücksichtigung insbesondere hoher Transparenzstandards, Anlegerschutz, Geldwäscheprävention sowie dem Ausschluss von Steuergestaltungsmodellen erfolgen", heißt es im Resilienzplan. (eml)