Deutschland ist beim nachhaltigen Fondsangebot weit weniger dynamisch als Österreich. Umgekehrt verhält es sich hingegen, wenn es um ausgewiesene Nachhaltigkeitsbanken geht. Der aktuelle Marktbericht des Forums Nachhaltige Geldanlage (FNG) listet 16 deutsche Banken auf, die die ESG-Kriterien vollständig in ihr Kerngeschäft integriert haben und ihren Kunden nachhaltige Sparbücher, Tagesgeld-, Festgeld- und Girokonten anbieten.

Enormes Wachstum in Deutschland
Ihre Kundeneinlagen machen 40,9 Milliarden Euro aus. Das sind gut 15 Prozent des 269,3 Milliarden Euro schweren deutschen Marktes nachhaltiger Anlagen. Und es entspricht einer Verdoppelung zum Jahr 2010, wo es nur gut 19 Milliarden Euro waren. ESG-Konforme Kundeneinlagen haben damit in Deutschland neben nachhaltigen Fondsinvestments (63,2 Milliarden Euro) einen wichtigen Stellenwert.  

Namen wie Steyler Bank, Umweltbank, GLS Gemeinschaftsbank kennt man auch in Österreich. Darüber hinaus gibt es eine Reihe an Instituten mit konfessionellem Hintergrund, oder Banken, die sich auf Soziales und Ökologie spezialisiert haben: Bank Bistum Essen, Kirche und Caritas, Kirche und Diakonie, Orden und Mission, Bank für Sozialwirtschaft, DKM Darlehnskasse Münster, Evangelische Bank, EthikBank, Evenord, Pax, ProCredit, Raiffeisen Holzkirchen-Otterfing, Triodos.

Nur ein Institut in Österreich
In Österreich nennt der FNG-Bericht gerade einmal eine ausgewiesene Spezialbank: die zur Grawe Gruppe gehörende ehemalige Kirchenbank Schelhammer & Schattera, die Ende 2019 Kundeneinlagen in Höhe von 788 Millionen Euro hatte. Damit entfallen hierzulande nur knapp 2,7 Prozent der 30,1 Milliarden Euro, die in Österreich nachhaltig veranlagt sind, auf Kundeneinlagen bei einer Bank.  

Viele Jahre gab es in Österreich den Versuch, eine "Bank für Gemeinwohl" zu starten. Die Idee scheiterte aber 2018, weil regulatorische Vorgaben nicht erfüllt werden konnten. 2019 wurde ein Teil des Projektes von der Raiffeisenbank Gunskirchen übernommen. Deren "Umweltcenter" bietet ein "Gemeinwohlkonto" an. Das Geld fließt in ausgewählte ökologische und soziale Projekte. Nach den letzten verfügbaren Zahlen wurden auf diesem Weg 2018 Kredite in Höhe von 34,48 Millionen Euro vergeben.  

In der Schweiz sind die nachhaltigen Kundeneinlagen mit 1,8 Milliarden Euro mehr als doppelt so hoch, wie in Österreich. Hier gibt es zwei ausgewiesene Bankhäuser, die Nachhaltigkeit  umfassend  in  ihrem  Geschäft  integriert  haben: Die Alternative  Bank  Schweiz  AG  (1,56  Milliarden  Euro) und  die  Freie  Gemeinschaftsbank (260 Millionen). Gemessen am gesamten Markt nachhaltiger Geldanlagen mit 627,8 Milliarden Euro ist freilich der Einlagenmarkt kaum erwähnenswert. (eml)