ETFs auf sogenannte Collateralized Loan Obligations (CLO) sind in Europa eine noch junge Assetklasse. Das Segment kommt bislang auf ein Volumen von lediglich gut zwei Milliarden Euro, in den USA sind es bereits fast 50 Milliarden US-Dollar. Mit dem Muzinich AAA CLO UCITS ETF ist nun ein weiterer Anbieter in dieser Nische gestartet und bringt damit zugleich seinen ersten europäischen ETF an den Markt. Der Fonds zielt darauf ab, über überwiegend mit "AAA" benotete CLO‑Tranchen ein "Cash‑plus"-Profil mit kurzer Zinsbindung zu liefern. Im Interview erklärt Muzinich-Stratege Sam McGairl, wo er das größte Nachfragepotenzial sieht, wie er Interessenkonflikte vermeidet und welche Rolle dem Produkt im Zusammenspiel mit klassischen Unternehmensanleihen‑ und Loan‑Strategien aus seiner Sicht zukommt.


Herr McGairl, der neu aufgelegte Muzinich AAA CLO UCITS ETF ist für Muzinich & Co. eine echte Premiere, Ihr erster ETF in Europa. Warum ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt für diesen Markteintritt hier in Europa?

Sam McGairl: Wir glauben, dass ETFs langfristig weiter an Beliebtheit gewinnen. Anleger schätzen den einfachen Zugang und die Transparenz, die dieses Vehikel bietet. Das CLO-Produkt ist ideal für unseren Einstieg, da es auch in Europa noch recht neu ist. Die ersten CLO-ETFs wurden hier erst Ende 2024 aufgelegt, und das verwaltete Vermögen hat gerade die Marke von 1,8 Milliarden Euro überschritten. Für uns ist es wichtig, früh in diesem Segment dabei zu sein und als Unternehmen in den ETF-Markt hineinzuwachsen.

Experten wie Shannon Kirwin von Morningstar sprechen sogar von einem „ungedeckten Bedarf“ europäischer Privatanleger an Loan-Exposure. Wie groß schätzen Sie dieses Marktpotenzial für CLO-ETFs in Europa tatsächlich ein?

McGairl: Sie hat durchaus recht: Während institutionellen Investoren schon lange entsprechende Investmentmöglichkeiten zur Verfügung stehen, konnten Privatanleger bisher kaum in Kredite investieren, da dies traditionell ein rein institutioneller Markt war. CLO-ETFs sind ein wichtiger Schritt, auch wenn die Regulierungsbehörden den Verkauf an klassische Privatkunden derzeit noch nicht erlauben. Sie können jedoch an erfahrene, vermögende Anleger vertrieben werden, und natürlich an Großinvestoren. In den USA machen CLO-ETFs mit rund 47 Milliarden US-Dollar bereits etwa vier Prozent des Gesamtmarktes aus. Übertragen auf Europa sehen wir hier kurz- bis mittelfristig ein Potenzial von fast zehn Milliarden Euro.

Wird der neue ETF in Muzinichs eigene CLOs investieren? Und falls ja, wie managen Sie mögliche Interessenkonflikte?

McGairl: Wir werden nicht in unsere eigenen CLOs investieren. Einige Konkurrenzprodukte lassen dies zwar zu, aber wir haben uns bewusst dagegen entschieden. Wir wollen selbst den bloßen Anschein eines Interessenkonflikts von vornherein vermeiden.

Der europäische CLO-ETF-Markt ist mit 2,1 Milliarden US-Dollar noch winzig im Vergleich zu den über 47 Milliarden in den USA. Was muss passieren, damit Europa aufholt?

McGairl: Die europäischen Aufsichtsbehörden schaffen derzeit die dafür notwendigen Voraussetzungen, wenn auch in einem insgesamt kleineren Markt. In den USA investieren institutionelle Anleger wie Versicherungen bereits stark in CLOs, in Europa bisher kaum. Das ändert sich nun: Anfang nächsten Jahres treten Anpassungen bei Solvency II für Versicherer in Kraft, und auch die Verbriefungsverordnung wird überarbeitet. Diese regulatorischen Erleichterungen werden das Wachstum in den nächsten ein bis zwei Jahren maßgeblich antreiben. Es könnte allerdings noch eine Weile dauern, bis wir auf dem europäischen Markt eine ebenso starke Beteiligung von Privatanlegern sehen wie in den USA.

Zentralbanken senken tendenziell die Zinsen, während Leveraged Loans meist variabel verzinst sind. Wie wirkt sich das aktuelle Zinsumfeld auf die Attraktivität von CLOs aus?

McGairl: Unser Produkt ist mit einer Zinsbindung von etwa einem Vierteljahr nahezu durationsneutral. Wer die Duration in seinem Portfolio reduzieren möchte, wird sich dafür interessieren. Sinken die Zinsen wiederum, beobachten wir eine "Jagd nach Rendite". Anleger suchen dann nach "Cash Plus"-Optionen, die mehr Ertrag als Staatsanleihen bieten, ohne wesentlich mehr Risiko. Bei einem AAA-Risiko erhält man in unserem Produkt beispielsweise einen Zinsaufschlag von 1,25 Prozent über dem Euribor, was äußerst attraktiv ist.

Viele Anleger verbinden CLOs immer noch instinktiv mit den toxischen CDOs der Finanzkrise 2008. Wie überzeugen Sie diese Skeptiker von der Stabilität der AAA-Tranchen?

McGairl: Das sind völlig unterschiedliche Produkte. Die CDOs vor der Finanzkrise waren nachlässig zusammengestellt, oft mit exotischen Merkmalen und ohne Interessenabgleich. Bei CLOs geht es dagegen um reale Unternehmenskredite, die von einem Manager aktiv gesteuert werden. Zudem gibt es CLOs in dieser Form seit den 1990er Jahren. Sie haben Krisen wie die Finanzkrise, die Eurokrise, Covid und die Zinsschocks von 2022 problemlos überstanden. Es gab noch nie einen Ausfall bei einer CLO-Anleihe mit AAA-Rating. Während Sub-Investment-Grade-Kreditmärkte langfristig Ausfallraten von vielleicht drei Prozent pro Jahr aufweisen, ist ein Markt ohne einen einzigen Ausfall ein äußerst überzeugendes Argument.

Sie managen seit vielen Jahren syndizierte Kredite. Was sind für Sie die größten Unterschiede beim Management eines aktiven ETFs im Vergleich zu Ihren bisherigen Loan-Programmen?

McGairl: Der wesentliche Unterschied ist die tägliche Liquidität, die es bei den meisten traditionellen europäischen Syndicated-Loan-Fonds nicht gibt. Da Muzinich diese Liquidität bereits bei seinen klassischen UCITS-Fonds anbietet, sind wir damit bestens vertraut. Zudem hilft mir mein Hintergrund im direkten Kreditmanagement enorm, die zugrunde liegenden Portfolios dieser Produkte tiefgreifend zu verstehen – ich bin nicht nur ein Spezialist für strukturierte Kredite. Das verschafft uns langfristig einen Verwaltungsvorteil.

CLO-Tranchen werden nicht im Sekundentakt an der Börse gehandelt, sondern OTC (Over-the-Counter). Wie garantieren Ihre Market Maker in Stressphasen die tägliche Liquidität, ohne dass sich die Spreads extrem ausweiten?

McGairl: Wir arbeiten mit Banken zusammen, die den CLO-Markt genau verstehen und die Papiere täglich handeln. CLOs werden zwar nicht an einer Börse gehandelt, aber im OTC-Markt gibt es eine breite und tiefe Gruppe von Banken und Brokern, die diese Produkte laufend umsetzen. Wir haben volles Vertrauen in die Liquidität. Der US-Markt zeigt, dass selbst bei täglichen Zu- und Abflüssen in dreistelliger Millionenhöhe keine ungebührliche Belastung des Marktes entsteht.

Und wie stellen die Market Maker sicher, dass der ETF-Kurs den tatsächlichen Wert (NAV) widerspiegelt, wenn es mal tagelang kaum Transaktionen gibt?

McGairl: Ich widerspreche der Annahme, dass es tagelang keine Transaktionen gibt. AAA-Tranchen werden unabhängig vom Marktumfeld ständig gehandelt. Selbst in extremen Stresszeiten gibt es immer Datenpunkte für eine verlässliche Preisbildung. Die Papiere werden laufend umgesetzt, daher bin ich sehr zuversichtlich, dass unsere ausgewiesenen Preise den tatsächlichen Wert jederzeit sehr genau widerspiegeln. 

Danke für dieses Gespräch. (hh)


Einen ausführlichen Artikel über CLO-Fonds lesen Sie in FONDS professionell 2/2026 ab Seite 102. Angemeldete Nutzer können den Beitrag auch hier im E-Magazin abrufen.