Als eines der ersten Investmenthäuser weltweit hat der institutionelle Asset Manager Muzinich & Co mit Hauptsitz in New York einen Fonds als ELTIF-Vehikel aufgelegt. Der Munzich Firstlight Middle Market ist in Deutschland soeben in den Vertrieb gegangen. Portfoliomanager Torben Ronberg erklärt im Interview mit FONDS professionell ONLINE, was sich hinter dem neuartigen Produktkonzept verbirgt, welche Vorteile es bietet – und wie er den ELTIF managt.


Herr Ronberg, Muzinich hat mit dem Firstlight Middle Market kürzlich einen der ersten Fonds in einem ELTIF-Vehikel aufgelegt. Was genau ist ein ELTIF?

Torben Ronberg: Die Abkürzung steht für European Long-Term Investment Funds. Die EU-Kommission hat europäische langfristige Investmentfonds bereits 2015 zugelassen. Die Vehikel bieten auch Privatanlegern die Möglichkeit, in einem EU-weit regulierten Rahmen über geschlossene Fonds in Assetklassen wie Infrastruktur, Private Equity oder Private Debt zu investieren, zu denen sie zuvor keinen Zugang hatten. ELTIFs bilden also quasi das Pendant zu UCITS-Fonds, nur ermöglichen sie vor allem Investments in Anlageklassen, die eben nicht UCITS-konform sind.

Besteht bei Privatanlegern denn überhaupt Interesse an solchen Assets?

Ronberg: Als wir vor einiger Zeit unseren Direct-Lending-Fonds lanciert haben, gab es auch schon Überlegungen, diesen zunächst einmal in einem kleinen institutionellen Segment als ELTIF aufzulegen. Das ist am Markt aber auf keine große Resonanz gestoßen, vielleicht, weil das neue Vehikel noch kaum bekannt war. Inzwischen gibt es bei unseren europäischen Vertriebspartnern aber Nachfragen von kleineren institutionellen Anlegern und Privatkunden, die sich für ELTIFs interessieren. Klar, im Niedrigzinsumfeld suchen Investoren nach alternativen Ertragsquellen. Aber bestimmte Assetklassen, die vielleicht eine höhere Volatilität und damit auch ein anderes Rendite-Risiko-Profil aufweisen, stehen Privatanlegern über UCITS-Fonds nicht zur Verfügung. Der ELTIF ist ein hervorragendes Vehikel, um dieser Kundengruppe Zugang zu solchen Assets zu bieten – völlig transparent und streng reguliert.

Welche Kriterien hat der europäische Gesetzgeber für die Auflage von ELTIFs und für Investments in solche Fonds vorgeschrieben?

Ronberg: Einige. Interessenten müssen zum Beispiel mindestens über ein Vermögen von 100.000 Euro verfügen, von denen höchstens zehn Prozent in einen langfristigen Investmentfonds fließen dürfen. Allerdings kann die Summe von 10.000 Euro zum Beispiel über Famliy Offices auch weiter gestückelt werden. Der Fonds darf 70 Prozent des Vermögens in illiquide Assetklassen anlegen. Diese müssen nach rechtlich festgelegten Vorgaben diversifiziert sein. Zudem unterliegen ELTIFs strengen Anforderungen an die Kostentransparenz. Anleger müssen auch genau wissen, wie lange ihr Geld im Fonds gebunden bleibt. Daher ist immer ein Laufzeitende zu definieren.

Der Muzinich Firstlight Middle Market, der in Deutschland gerade in den Vertrieb gegangen ist, soll sechs Jahre laufen. Bis Mitte Juni 2019 wollen Sie 250 Millionen Euro an Einlagen einwerben. Wie investiert Ihr ELTIF?

Ronberg: Wir werden zwischen 50 und 80 Prozent des Fondsvermögens in syndizierte Kredite investieren. Zehn bis 40 Prozent der Einlagen sollen in die Assetklasse Private Debt fließen, also in private Darlehen, die vom Fonds direkt an kleinere und mittelständische europäische Unternehmen ausgereicht werden. Einen Anteil von fünf bis 15 Prozent legen wir in variabel verzinsten High Yield Bonds an, in Floater also. Der Floater-Anteil ist zum einen als interessante Alternative zu hochverzinslichen Anleihen mit fixem Kupon und als natürlicher Zinsdurations-Hedge gedacht. Darüber hinaus dient er als Liquiditätspuffer. Für den Fall, dass ein Kunde etwa nach drei Jahren seine Anteile zurückgeben möchte, kann über die liquiden Floater das nötige Kapital für die Rückzahlung bereitgestellt werden. Das wird aber die Ausnahme bleiben, denn unsere Anleger sollen möglichst bis zum Laufzeitende bei der Stange bleiben.

Der Anteil an syndizierten Krediten ist deutlich höher als der an Private Debt. Warum?

Ronberg: Der hohe Anteil an syndizierten Krediten soll dafür sorgen, dass die Anlegergelder vom ersten Tag an investiert werden können. Wir wissen aus unserer Praxis, dass sich diese Finanzierungen viel schneller vergeben lassen als die höher verzinsten Privatdarlehen. Schließlich sind wir dabei der einzige Kreditgeber und müssen die Unternehmen viel intensiver analysieren, das kostet Zeit. Der Private-Debt-Anteil soll eine attraktive Rendite beisteuern. Wir streben jährlich über alle im ELTIF abgebildeten Credit-Instrumente vier bis 4,5 Prozent nach Kosten an, bei einer Volatilität, die unter der durchschnittlichen Schwankungsbreite von Hochzinsanleihen liegt.

Vielen Dank für das Gespräch. (am)


Einen ausführlichen Bericht über die neue Fondsgattung ELTIF finden Sie in der aktuellen Heftausgabe 1/2019 von FONDS professionell, die Ende März erschienen ist. Angemeldete KLUB-Mitglieder können den Beitrag auch ab Seite 114 im E-Magazin lesen.