Eine aktuelle Morningstar-Studie mit dem englischen Originaltitel "The Role of Semiliquid Funds in Portfolios" zeichnet ein durchaus ambivalentes Bild der boomenden halbliquiden Fonds, die zwischen täglich verfügbaren Publikumsfonds und klassischen Closed-End-Strukturen angesiedelt sind. Während Anbieter mit höheren Renditen, Diversifikation, Impact und "Demokratisierung" des Zugangs zu privaten Märkten werben, mahnen die Studienautoren, dass Anleger diese Versprechen kritisch in Bezug auf ihre eigenen Interessen unter die Lupe nehmen sollten.

Ein zentraler und bisher wenig beleuchteter Befund der Studie ist, dass semiliquide Strategien in der Regel klassische Aktien- oder Kreditrisiken tragen und deshalb nur selten als echte Portfoliodiversifikatoren taugen. Private Equity und Venture Capital erweitern demnach primär das Aktienuniversum, während Direct Lending funktional in den Rentenbaustein gehört, statt neue, unkorrelierte Risikofaktoren beizusteuern. Die vermeintlich geringe Volatilität privater Anlagen sei häufig ein Artefakt seltener Bewertungen und geglätteter Renditereihen und dürfe nicht mit realer Risikominderung verwechselt werden.

Die drei entscheidenden "P"
Um die Vorteile semiliquider Fonds überhaupt heben zu können, formuliert Morningstar im englischen Originaltext als Voraussetzung die drei folgenden "P": Patience, Premium und Proficiency. Gemeint ist damit: Anleger sollten nur mit einem langen Anlagehorizont von sieben bis zehn Jahren einsteigen und einkalkulieren, dass Kapital im Zweifel über Monate oder Jahre gebunden bleibt. Zugleich sei ein klarer Illiquiditätsaufschlag von mindestens zwei Prozentpunkten oberhalb der öffentlich gehandelten Märkte erforderlich, aber angesichts hoher Kosten, sogenannter Liquiditätssleeves und oft nur scheinbar vorhandener Illiquiditätsprämien keineswegs garantiert.

Als dritte Voraussetzung nennen die Autoren die Auswahlkompetenz: Da es kein kostengünstiges, passives "Beta" auf private Märkte gibt und die Renditen der Manager stark streuen, werde die Managerselektion zum entscheidenden Erfolgsfaktor. Morningstar hat dazu 2025 ein eigenes Medalist-Rating für semiliquide Fonds eingeführt, das seine bekannten qualitativen Säulen "People", "Process" und "Parent" mit höherem Gewicht auf den Anbieter und den Investmentprozess an die Besonderheiten intermittierender Liquidität und komplexer Vehikel anpasst.

Ein vierstufiger Fahrplan
Für die Einbindung in Portfolios skizziert der Bericht einen vierstufigen Fahrplan: Zunächst geht es um realistische Erwartungen an Risiko und Rendite, die etwa über geglättete Volatilitäten und explizite Gebühren- und Hebelkomponenten bei Private Equity und Private Debt hergeleitet werden. Zweitens müsse die Fondshülle zum Illiquiditätsprofil der Assets und zu den Liquiditätsbedürfnissen der Zielanleger passen. Drittens raten die Autoren zu eher vorsichtigen, sprich geringeren Quoten angesichts begrenzter Möglichkeiten zum Rebalancing und deutlich höherer, oft vielschichtig verborgener Gebühren.

Schließlich plädiert die Studie für einen Total-Portfolio-Ansatz statt für starre Assetklassen-Silos oder rein modellgetriebene Mean-Variance-Optimierung. Im Vordergrund sollten Zielgrößen wie reale Renditen, Einkommen oder Kapitalerhalt sowie Risikobudgets für Aktien-, Kredit- und Illiquiditätsrisiken stehen, in die sich private Anlagen nur dann einfügen, wenn der Illiquiditätsaufschlag als realistisch, nachhaltig und ohne erzwungene Verkäufe erschließbar erscheint. Das Morningstar-Fazit fällt nüchtern aus: Geduld üben, eine überzeugende Prämie fordern, Manager sorgfältig auswählen. Und semiliquide Fonds primär als Erweiterung von Aktien- und Kreditrisiken, nicht als Wundermittel für Diversifikation begreifen. (hh)